Bühne frei für Erholung im globalen Industriezyklus – Verhaltene Konjunktur-Prognose der Helaba für 2020

29 Nov
2019

Dr. Gertrud R. Traud, Chefvolkswirtin der Helaba und Bereichsleiterin Volkswirtschaft/Research • Bild: Helaba

Frankfurt am Main – Die Helaba hat den Konjunktur- und Kapitalmarktausblick für 2020 mit dem verblüffenden Titel: „Märkte und Trends 2020: Vorhang auf! Melodram – nächster Akt“ vorgelegt.

Bei ihrer Prognose entführt die Chefvolkswirtin der Bank, Dr. Gertrud R. Traud, in die Theaterwelt und gibt Antworten auf die Frage, welches Stück 2020 gespielt wird: Melodram, Komödie oder Tragödie? Am wahrscheinlichsten – mit 70-prozentiger Eintrittswahrscheinlichkeit – sehen die Helaba-Auguren das Szenario Melodram an. – Die Weltwirtschaft steht Ende 2019 am Rande einer Rezession. Die Helaba-Volkswirte gehen aber davon aus, dass sich die Konjunktur im Laufe des Jahres 2020 fangen werde und sich die weltwirtschaftliche Expansion fortsetze, wenn auch mit geringer Dynamik.

Wesentlich für das Theatergenre ‚Melodram‘ ist, dass das Stück trotz erheblicher Risiken und Unsicherheiten ein gutes Ende nimmt. So zeigten die Mächtigen der Welt wohl Einsicht in das Notwendige: Denn weder die USA noch China hätten einen Anreiz, den Handelskonflikt so eskalieren zu lassen, dass die Weltkonjunktur gegen die Wand fährt. Mit der Entspannung im Handelsstreit und einer geordneten Brexit-Lösung hellten sich die Perspektiven weltweit wieder auf. Die Fiskalpolitik werde 2020 insgesamt leicht expansiv wirken und die geldpolitische Kehrtwende der großen Notenbanken im laufenden Jahr werde sich zunehmend positiv auf die Konjunktur auswirken.

Davon dürfte vor allem Deutschland dank der hier besonders wichtigen Industrie profitieren. Der private Konsum und die Bautätigkeit gäben weiterhin Impulse. Allerdings begrenzten strukturelle Hemmnisse und eine mangelnde Reformtätigkeit die Dynamik. Besonders im Bereich Digitalisierung hinke Deutschland deutlich hinterher. Daher falle das Wirtschaftswachstum in Deutschland trotz konjunktureller Belebung im Jahresdurchschnitt 2020 mit einem Prozent verhalten aus. Etwas besser werde voraussichtlich die Eurozone mit 1,3 Prozent abschneiden. – In den USA könnte die Erholung 2020 etwas schleppender ausfallen. Trotz der unterstellten Entspannung könne das Verhältnis zu China nicht an die Zeit vor 2018 anknüpfen.

Die männlichen Hauptdarsteller der neuen Saison seien erneut der „große Blonde jenseits des Atlantiks“ und sein Pendant in London. Zu einem Melodram gehört häufig Musik, die jetzt unter der Regie von Christine Lagarde steht. Erstmals hält eine Frau den Dirigentenstab der Europäischen Zentralbank. Sie dürfte kurzfristig kaum von der Partitur ihres Vorgängers abweichen. Um Handlungsfähigkeit zu unterstreichen, dürfte der EZB-Rat den Einlagenzins sogar noch einmal senken, um dann eine längere zinspolitische Pause einzulegen.

Die Helaba-Experten erwarten keine Rückkehr zu positiven Renditen am deutschen Rentenmarkt. Bei Aktien dürfte es zeitweilig zu Übertreibungen kommen, weil der Mangel an Anlagealternativen anhält. Ein Ausflug des DAX über die Marke von 14.000 Punkten dürfte sich aber als nicht nachhaltig erweisen. Gegen Jahresende werde der Index um 13.500 Punkte notieren. Immobilien blieben angesichts extrem niedriger Zinsen beim Anleger-Publikum beliebt. Gold werde auch im nächsten Jahr glänzen. Im Jahresverlauf dürfte das Edelmetall bis auf 1.700 US-Dollar je Unze steigen.

Bei dem negativen Alternativszenario (Eintrittswahrscheinlichkeit 10 Prozent) gehe es zu wie in einer klassischen Tragödie. Dabei durchliefen die Hauptfiguren schicksalhafte Entwicklungen: Großbritannien versinke mit seinen Brexit-Protagonisten im politischen Chaos. US-Präsident Trump möchte im Wahlkampf bestehen, indem er den Handelskonflikt eskalieren lasse und einen Währungskrieg riskiere. Eine globale Rezession sei die Folge und der DAX falle unter 9.000 Punkte.

Am liebsten wäre Traud allerdings das positive Alternativszenario „Komödie“, dessen Eintrittswahrscheinlichkeit sie allerdings nur auf rund 20 Prozent einstuft. – Wie in einer Komödie herrscht eine heitere Grundstimmung, die auf der weltpolitischen Bühne in eine kooperative Zusammenarbeit der Nationen münde. Das Wirtschaftswachstum in Deutschland, in der Eurozone und den USA würde sich deutlich beschleunigen. Die Aktienmärkte applaudierten kräftig – der DAX könne die 15.000er Marke toppen. – Den kompletten und sehr interessanten Jahresausblick gibt es unter:  www.helaba.com/de/research

Bernd Heier

Bitte besuchen und liken Sie auch unseren Facebook-account id=’mad03′]

Ihre Meinung ist uns wichtig

oben