Woher kommt Obst und Gemüse im Winter? – Ökologische Überraschung in „Europas Gemüsegarten“

23 Nov
2019

Hochmodernes Bio-Gewächshaus von Bio Sabor bei Níjar • Bild: obs/Fruit Vegetables Europe/Manuel Meyer

Almería (Spanien) – Auch in den Wintermonaten wollen wir nicht auf frisches Obst und Gemüse verzichten. Die Regale deutscher Supermarktketten sind ganzjährig gefüllt mit Tomaten, Gurken, Paprika, Auberginen, Melonen, Erdbeeren, Orangen und Zucchini. – Doch woher kommt das Obst und Gemüse im Winter?

Es wird aus Italien und Marokko, hauptsächlich aber aus Spanien geliefert; genauer gesagt aus der andalusischen Region Almería. Sie gilt als Gemüsegarten Europas. Im äußersten Südosten des Landes breiten sich direkt am Mittelmeer, zwischen El Ejido und Níjar, auf mehr als 31.000 Hektar Fläche Gewächshäuser aus. Von oben betrachtet wirken sie wie ein gigantisches Kunststoffmeer. Doch ein Blick unter ihre Dächer zeigt, wie biologisch und nachhaltig hier angebaut wird.

Mit einem kräftigen Ruck öffnet der Agraringenieur Jose Antonio López die Schiebetür zu einem dieser Gewächshäuser. Alles ist hochmodern und blitzsauber. Fast wundert man sich, Insekten und Hummeln zu hören, die als biologische Schädlingsbekämpfer und für die natürliche Bestäubung eingesetzt werden. Die Ventilation wird digitalgesteuert; die Temperatur beträgt angenehme 22 Grad.

Wasser sparen durch moderne Technik:  In schnurgeraden Linien angebaute Tomatenpflanzen wachsen in der Erde. Unter weißen Plastikplanen werden sie mithilfe eines Tröpfchen-Bewässerungssystems täglich bis zu 200 Mal mit geringsten Wassermengen besprüht. „Mit diesem System konnten wir unseren Wasserverbrauch auf bis zu 40 Prozent reduzieren. Kein unwichtiger Faktor, immerhin gehört Almería zu den trockensten Regionen Europas“, erklärt López. Das Wasser stammt vor allem aus einer der nahen Meerwasser-Entsalzungsanlagen sowie aus den eigenen Regenwasser-Auffangbecken.

López arbeitet beim Gemüseproduzenten Bio Sabor in Níjar, in der Nähe des Naturparks Cabo de Gata. Das Unternehmen hat sich auf Bio-Gemüse spezialisiert und beliefert hauptsächlich große deutsche Supermarktketten. Im eigenen Forschungs- und Kontrolllabor suchen die Mitarbeiter nach neuen Geschmackssorten und prüfen die Qualität. Bio Sabor produziert nach den Herstellungsregeln des internationalen Global Gap Siegels und des EU-Bio-Siegels. Sie garantieren den Konsumenten neben einem ökologischen, pestizidfreien Anbau auch eine nachhaltige, umweltfreundliche und sogar sozialverträgliche Produktion unter fairen Arbeitsbedingungen. Die mehr als 600 Angestellten bekommen einen Tariflohn.

„Wir werfen kein Gemüse weg. Was nicht verkauft werden kann, verschenken wir an Hilfsbedürftige, Altenheime oder an Bauern als Tierfutter. Der Rest wird in Kompost verwandelt“, erklärt María Dolores Morales, Finanzmanagerin von Bio Sabor. – „Wir haben die nachhaltigsten Gewächshäuser der Welt – in allen Bereichen. Nur beim Wasserverbrauch arbeiten die Holländer nachhaltiger, weil sie in einem feuchteren Klima anbauen“, versichert Juan Colomina vom Verband andalusischer Obst- und Gemüseproduzenten APROA. Der Verband achtet nicht nur auf die Einhaltung der biologischen Kriterien, sondern auch auf faire Arbeitsbedingungen der Erntehelfer. In puncto Klimaschutz gibt es noch weiteres Potenzial, etwa durch die Nutzung von Sonnenenergie sowie die Umstellung der Transportfahrzeuge von Diesel- auf Elektromotoren. Damit hat man bereits begonnen.

Die ökologischen Hightech-Gewächshäuser von Almería leisten bereits einen großen Beitrag zum Klimaschutz. Allein mit dem Tröpfchen-Bewässerungssystem, das fast alle 17.000 Mitglieder von APROA nutzen, konnte der Wasserverbrauch in den vergangenen zehn Jahren um die Hälfte reduziert werden.

ots/gw

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