„Illusion Natur“ …  Heile digitale Welten im „Museum Sinclair-Haus“    

12 Nov
2019

Christa Sommerer & Laurent Mignonneau: The Interactive Plant Growing, 1993 (Installationsansicht); © Courtesy of Sommerer & Mignonneau and Galerie Anita Beckers, Frankfurt

Bad Homburg vor der Höhe „Bei uns dreht sich alles um Natur. Doch jetzt wenden wir uns einem Medium zu, das ganz anders ist“, erklärte die leitende Kuratorin Ina Fuchs bei dem Pressegespräch anlässlich der Ausstellungseröffnung „Illusion Natur. Digitale Welten“ im Museum Sinclair-Haus.

Digitale Medien sind aus der gegenwärtigen Welt nicht mehr wegzudenken und prägen die Lebenswirklichkeit der Menschen, aber auch die Kunst des 21. Jahrhunderts ganz entscheidend. – Die technische Basis dieser Entwicklung reicht weit ins letzte Jahrhundert zurück:

Der Computer wurde in den 1940er-Jahren als Maschine entwickelt, die in erster Linie komplexe Rechenoperationen lösen sollte und die zunächst nicht als künstlerisches Werkzeug gedacht war. Er geriet jedoch in den 1960er-Jahren, als die ersten bildhaften Grafiken mit dem Computer hergestellt wurden, schnell auch in den Fokus künstlerischer Möglichkeiten. Mit den frühesten computerbasierten Zeichnungen war der Grundstein für eine neue Bildgenerierung der Kunst gelegt, die unser ästhetisches Verständnis seitdem fortwirkend verändert.

Diese Entwicklung hat der niederländische Architekt Jacobus Johannes Pieter Oud – fast prophetisch – bereits 1918 vorausgesehen, als er fragte: „Muss der Geist ‚des modernen Kunstwerks‘ sich durch die Hand oder die Maschine verwirklichen? Für den modernen Künstler wird in der Zukunft die Konsequenz zu Letzterem leiten, auch wenn man vorläufig geneigt sein wird, dies als Ketzerei zu betrachten“.

Das Pressegespräch nutzte Börries von Notz, Sprecher der Geschäftsführung der Stiftung Nantesbuch, um die Stiftung und deren Ziele vorzustellen; daneben Kuratorin Ina Fuchs und Claudia Praml, Leiterin der Kommunikation •  Foto: Bernd Heier

Dass die Voraussage von Jacobus Johannes Pieter Oud keineswegs utopisch war, zeigt die vielseitige Schau „Illusion Natur. Digitale Welten“ im Sinclair-Haus. Dort werden beeindruckende Arbeiten von 12 nationalen und internationalen Künstlerinnen und Künstlern präsentiert. In diesen nähern sie sich mit ihren digitalen Kompositionen einem traditionellen Thema der Kunst an – der Natur. Es entstehen virtuell komponierte Sehnsuchtsorte, deren Idyll jedoch immer wieder durch die kühle Hyperrealität der künstlichen Animation durchbrochen wird.

Die digitalen, heilen, menschenleeren Landschaften erscheinen fremd und vertraut zugleich.Mit ihren Werken loten die Künstlerinnen und Künstler die Grenze zwischen Wirklichkeit und Abbild aus und hinterfragen die menschliche Wahrnehmung der Welt, so die Kuratorin.

Zu sehen sind digitale Arbeiten zum Thema „Natur“ von den 1980er-Jahren bis heute von Arno Beck, Eelco Brand, Miguel Chevalier, Driessens & Verstappen, Joanie Lemercier, Vera Molnár, Casey Reas, Michael Reisch, Laurent Mignonneau & Christa Sommerer, Studer / van den Berg, Jennifer Steinkamp und Tamiko Thiel.

Ein umfassendes Vermittlungs- und Begleitprogramm mit Führungen, Workshops, Literatur- und Expertengesprächen zum digitalen Wandel in Gesellschaft und Kunst vertiefen das spannende Ausstellungsthema.

„Illusion Natur. Digitale Welten“ bis zum 02. Februar 2020 im Museum Sinclair-Haus – Weitere Informationen unter: www.museum-sinclair-haus.de

Bernd Heier

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