Schau der Superlative im Städel … „MAKING VAN GOGH. Geschichte einer deutschen Liebe“

5 Nov
2019

Ausstellungsansicht • Bild: © Städel Museum

Frankfurt am Main – Nach fünfjähriger Vorbereitungszeit ist im „Städel Museum“ eine Schau der Superlative zu bewundern: „MAKING VAN GOGH. Geschichte einer deutschen Liebe“.

Die bis dato größte und aufwendigste Präsentation in der Geschichte des Städel thematisiert die besondere Rolle, die deutsche Galeristen und Museen für die legendäre Erfolgsgeschichte des Vorreiters der modernen Malerei spielten. Mit 50 zentralen Arbeiten van Goghs aus allen Schaffensphasen ist die Ausstellung in den Gartenhallen des Museums die umfangreichste Präsentation mit Werken des Malers seit fast 20 Jahren in Deutschland.

Einfluss und Wirkung van Goghs auf die nachfolgende Generation veranschaulichen in der grandiosen Schau 70 Werke von deutschen Künstlerinnen und Künstlern. Darunter befinden sich bekannte Namen wie Max Beckmann, Ernst Ludwig Kirchner, Alexej von Jawlensky, Paula Modersohn-Becker oder Gabriele Münter.

„Sie orientierten sich an seinem pastosen Farbauftrag, dem rhythmischen Pinselduktus, dem Kontrastreichtum der Farben, den kühnen Kompositionen und Motiven sowie den ornamental schwingenden Zeichnungen“, erläutert Ko-Kurator Dr. Alexander Eiling, Leiter Kunst der Moderne im Städel Museum. Deren Gemälde treten in einen äußerst reizvollen Dialog mit den Arbeiten des genialen niederländischen Ausnahmekünstlers, der 1853 in Groot-Zundert geboren und 1890 in Auvers-sur-Seine bei Paris starb.

„Heute mag die Begeisterung für Vincent van Gogh ein fast globales Phänomen sein, vor mehr als einhundert Jahren sah das noch anders aus. Unsere Ausstellung beleuchtet die Rolle, die van Goghs Rezeption im Deutschland des frühen 20. Jahrhunderts für denMythos van Gogh gespielt hat. Zunächst war es vor allem dem Wirken seiner Schwägerin Johanna van Gogh-Bonger zu verdanken, dass der Maler nach seinem frühen Tod nicht in Vergessenheit geriet, bald aber waren es besonders Galeristen, Künstler, Sammler und Museumsdirektoren in Deutschland, viele von ihnen jüdischer Herkunft, die sich für van Goghs Malerei begeisterten und diese schließlich auch gegen nationalistische Tendenzen und politische Instrumentalisierung verteidigten“, so Städel-Direktor Dr. Philipp Demandt

Knapp 15 Jahre nach seinem Tod wurde der geniale Künstler hierzulande als einer der bedeutendsten Vorreiter der modernen Malerei wahrgenommen. Van Goghs Leben und Schaffen stießen in der Öffentlichkeit auf breites und anhaltendes Interesse. Ungewöhnlich früh wurde seine Kunst in Deutschland gesammelt. Schon 1914 befand sich die enorme Anzahl von rund 150 Werken van Goghs in deutschen privaten und öffentlichen Sammlungen. Zeitgleich begannen deutsche Künstlerinnen und Künstler sich intensiv mit seinen Werken auseinanderzusetzen. Insbesondere für die jungen Expressionisten wurde van Goghs Malerei zum Vorbild und zur maßgeblichen Inspirationsquelle – ohne seine Kunst ist die Entstehung der Moderne in Deutschland kaum denkbar.

Ausstellungsansicht • Foto: Städel Museum, Norbert Miguletz

Die Erfolgsgeschichte van Goghs ist eng mit dem Städel verbunden, wie die Vorsitzende des Städelschen Museums-Vereins, Sylvia von Metzler, betont: „Als der Städelsche Museums-Verein 1908 erste Werke Vincent van Goghs für das Städel Museum erwarb, war dies eine mutige und zukunftsweisende Entscheidung“. Beide Arbeiten – das Gemälde „Bauernhaus in Nuenen“ und die Zeichnung „Kartoffelpflanzerin“ – sind noch heute fester Bestandteil der Sammlung. Drei Jahre später gelangte eines der berühmtesten Gemälde van Goghs in das Museum, das Bildnis „Dr. Gachet“.

Dieses geheimnisumwobene Porträt – lange Zeit Aushängeschild des Museums – wurde 1937 von den Nationalsozialisten beschlagnahmt und gegen Devisen auf dem internationalen Kunstmarkt verkauft. Es befindet sich heute in einer Privatsammlung, vermutlich in der Schweiz und ist für die Öffentlichkeit unzugänglich. Als verblüffenden Hingucker präsentiert jetzt das Städel den leeren Bilderrahmen, der sich bis heute im Depot des Museums befindet. Zu sehen ist aber in der grandiosen Schau eine Radierung, die Gachet im Todesjahr van Goghs zeigt.

Die überragende Schau wird von der Franz Dieter und Michaela Kaldewei Kulturstiftung und dem Städelschen Museums-Verein gefördert. – Mit „FINDING VAN GOGH“ präsentiert das Städel Museum seinen ersten Podcast; dieser erzählt die bewegte Geschichte des legendären Bildnisses des Dr. Gachets, van Goghs letztes großes Porträt: www.findingvangogh.de

„MAKING VAN GOGH. Geschichte einer deutschen Liebe“ bis 16. Februar 2020 im Städel Museum. Weitere Informationen unter:  www.städelmuseum.de

Bernd Heier

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