Nach über 50 Jahren wieder in Deutschland zu sehen – Große Lee Krasner-Retrospektive in der Schirn

29 Okt
2019

Lee Krasner, Ausstellungsansicht; © Schirn Kunsthalle Frankfurt, 2019 – Foto: Norbert Miguletz

Frankfurt am Main – Überfällige Neubewertung der Pionierin des abstrakten Expressionismus. – Die ausdrucksstarken Werke Lee Krasners, einer Pionierin des abstrakten Expressionismus in den USA, sind nach mehr als 50 Jahren in einer großen Retrospektive wieder in Europa zu sehen.

Die Schirn Kunsthalle Frankfurt präsentiert Hauptwerke der Künstlerin (1908–1984), darunter Gemälde, Collagen und Zeichnungen, sowie Fotografien und Filmaufnahmen dieser Zeit. Die Ausstellung erzählt die spannende Geschichte einer der unbeirrbarsten Künstlerinnen des 20. Jahrhunderts und zeigt Krasners Gesamtwerk, das ein halbes Jahrhundert umfasst:

„Lee Krasner ist eine der wichtigsten Malerinnen der US-amerikanischen Nachkriegsmoderne und dennoch hat ihr Werk lange nicht die verdiente Aufmerksamkeit erfahren“, so Schirn-Direktor Dr. Philipp Demandt: „Die noch immer oft vorrangig als männlich wahrgenommene Kunst des abstrakten Expressionismus erfährt nun mit dieser Würdigung Krasners eine lange überfällige Neubewertung. Und für unser Publikum ist die Schau in der Schirn eine einmalige Gelegenheit, die Werke der Künstlerin im Original zu erleben, denn nur wenige ihrer großformatigen Werke befinden sich in europäischen Sammlungen – in Deutschland nur in den Sammlungen Ludwig und der Deutschen Bank“.

Lee Krasner, Ausstellungsansicht; © Schirn Kunsthalle Frankfurt, 2019 – Foto: Norbert Miguletz

Lee Krasners Kunst stand lange im Schatten ihres Ehemanns Jackson Pollock, der mit seinen „DripPaintings“ einer der Hauptvertreter des Action Painting ist. Beide lebten und arbeiteten ab 1945 in einem einfachen Holzhaus in Springs, Long Island. Nach Pollocks frühem Tod bei einem Autounfall 1956 entschied sich Lee Krasner, sein Atelier in einer umgebauten Scheune zu nutzen, und leitete damit eine neue Phase ihrer künstlerischen Karriere ein. Erstmals konnte sie auf monumentalen, nicht aufgezogenen Leinwänden arbeiten. Einige dieser riesigen Werke, die auch in der Kunsthalle zu sehen sind, konnten nur mit Hilfe eines Krans in den großen Ausstellungssaal der Schirn gehievt werden.

Anders als andere Künstler dieser Zeit, die ebenfalls ungegenständlich malten, hatte Krasner den Anspruch, ihre Bildsprache stets neu zu erfinden. „In Zyklen arbeitend griff Lee Krasner immer wieder auf frühere Serien zurück und entwickelte daraus neue künstlerische Ausdrucksformen. Mit bemerkenswerter Energie und Freiheit blieb sie ihrem eigenen Geist treu. Unsere Ausstellung zelebriert Krasners künstlerische Wandlungsfähigkeit und stellt den Facettenreichtum ihrer Kunst sowie ihren bedeutenden Beitrag zum abstrakten Expressionismus vor“, erläutern die Kuratorinnen Eleanor Nairne, Barbican Art Gallery, London und Dr. Ilka Voermann, Schirn Kunsthalle Frankfurt.

Lee Krasner, Springs, NY, 1972; © The Irving Penn Foundation – Foto: Irving Penn

Für die klar strukturierte und ansprechend gehängte Schau konnte die Schirn Leihgaben aus zahlreichen internationalen Museen, öffentlichen und privaten Sammlungen gewinnen und in Frankfurt zusammenführen, u.a. der Pollock-Krasner Foundation, dem Metropolitan Museum of Art und dem San Francisco Museum of Modern Art. Viele der Werke sind erstmals in Deutschland zu sehen, wie etwa das monumentale, über vier Meter lange Gemälde „Combat“ (1965) aus der National Gallery of Victoria in Australien.

Die Ausstellung „Lee Krasner“ wird von der Art MentorFoundationLucerne ermöglicht und durch die Terra Foundation for American Art unterstützt. – Die sehenswerte Schau „Lee Krasner“ wird bis zum 12. Januar 2020 in der Schirn Kunsthalle Frankfurt gezeigt. – Weitere Informationen unter: www.schirn.de/magazin  und  www.schirn.de/digitorial

Bernd Heier

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