Beeindruckend – Museum Giersch präsentiert „Georg Heck-Retrospektive“ – 150 Gemälde, Graphiken …

17 Okt
2019

Georg Heck „Nizza“, 1936, Öl auf Leinwand, Privatbesitz – Foto: Uwe Dettmar, Frankfurt

Frankfurt am Main – Werk von großer Eigenständigkeit und beeindruckender Gestaltungskraft. Der Frankfurter Maler und Graphiker Georg Heck ist einer der vielseitigsten Künstlern seiner Generation.

Sein Werk und seine Biographie stehen gleichsam exemplarisch für das 20. Jahrhundert mit seinen tiefgreifenden Veränderungen. Vor dem Hintergrund einer wechselvollen Biographie, die das Erleben von zwei Weltkriegen und Diktatur umfasste, entwickelte er ein Werk von großer Eigenständigkeit.

Dem heute weitgehend vergessenen Künstler widmet das Museum Giersch der Goethe-Universität die große Sonderausstellung „Georg Heck (1897–1982) – Retrospektive“, die bis zum 09. Februar 2020 zu sehen ist. Die beeindruckende Retrospektive veranschaulicht anhand von 150 Gemälden, Graphiken und Originaldruckstöcken die überregionale Bedeutung dieses Künstlers.

Georg Heck „Abstrakte Farbkomposition“, 1959/63, Farbholzschnitt; Kulturkreis Georg Heck e.V. – Foto: Uwe Dettmar

Georg Hecks Kunststudium ging eine Ausbildung zum Kunstschmied, der Fronteinsatz im Ersten Weltkrieg und Kriegsgefangenschaft in Frankreich sowie eine Beschäftigung als Arbeiter in den Frankfurter Adlerwerken voraus. Infolge eines Arbeitsunfalls erblindete er 1921 auf seinem rechten Auge. Dieses Handicap hielt ihn jedoch nicht ab, sich 1923 an der Städelschule einzuschreiben. 1928 wurde er Meisterschüler von Max Beckmann. Der hochtalentierte Heck errang bereits um 1930 erste Erfolge. Während der Diktatur des Nationalsozialismus wurde er als „entartet“ verfemt und verlor zudem durch Ausbombung 1944 nahezu sein gesamtes Frühwerk.

Georg Heck „Selbstbildnis“, 1930, Holzschnitt; Kulturkreis Georg Heck e.V. – Foto: Uwe Dettmar

Die Beurteilung der künstlerischen Anfänge Georg Hecks wird dadurch erschwert, dass viele seiner frühen Werke nicht erhalten sind. Die wenigen überlieferten Arbeiten sowie zeitgenössische Publikationen und Rezensionen bezeugen jedoch sein frühes herausragendes künstlerisches Potential. Seit seinen ersten Studienjahren beschäftigte sich Heck mit dem Medium der Graphik, insbesondere mit dem Holzschnitt. „Dieser hatte zu Beginn des 20. Jahrhunderts durch die Expressionisten neue Wertschätzung erlangt und sollte bei Heck in eine Werkgruppe von grandioser künstlerischer Kraft münden“, erklärt Kuratorin Susanne Wartenberg. Aus den 1930er-Jahren wurden großformatige Blätter erhalten, die in der Schau zu sehen sind, und in deren Zentrum zumeist die menschliche Figur steht.

Nach Kriegseinsatz und Gefangenschaft stand er vor einem schwierigen Neubeginn. Obwohl er in finanziell prekären Verhältnissen lebte und ihm nur ein Atelier von gerade einmal 10 Quadratmeter zur Verfügung stand, schuf er ein vielseitiges, qualitätsvolles Werk und betätigte sich auch kulturpolitisch.  So war er unter anderem 1953 Gründungsmitglied der „Frankfurter Sezession“ sowie 1976 an der Konstitution der Ausstellungsgemeinschaft „Frankfurter Kreis“ beteiligt.

Der zielstrebige Künstler war stets auf der Suche nach künstlerischen Ausdrucksmöglichkeiten und bediente sich, wie Museumsleiter Dr. Manfred Großkinsky betont, „vielfältiger Stilmittel: Ob expressiv, impressionistisch oder konstruktiv, er beherrschte die stilistischen Variationen seiner Zeit und stand diesen offen gegenüber. In seinem Nachkriegswerk fand er über Gattungs- und Stilgrenzen hinweg zu einer beeindruckenden Gestaltungskraft zwischen Figuration und Abstraktion“.

Die sehenswerte Schau, die sich hervorragend in das Konzept des vor 19 Jahren gegründeten „Museums für regionale Kunst mit überregionaler Bedeutung“ fügt, stellt in chronologisch-thematischer Abfolge Hecks Schaffen vor. Einen besonderen Schwerpunkt bilden die Holzschnitte – ein Medium, mit dem der Künstler zu besonderer Meisterschaft gelangte und kraftvolle Meisterwerke schuf. – Neben digitalen Angeboten in der Ausstellung bietet die Homepage www.georg-heck.museum-giersch.de – großzügig unterstützt von der Aventis Foundation – einen informativen Einblick in Leben und Werk des Künstlers.

Bernd Heier

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