ERSTMALS in Deutschland: Doppel-Premiere in den Opelvillen – Exponate der „Konkreten Poesie“ und des „Unilabors”

30 Sep
2019

Dr. Beate Kemfert, Kuratorin und Stiftungsvorstand der Kunst- und Kulturstiftung Opelvillen, neben dem Wort-Bild „wind“von Eugen Gomringer, 1952; © Eugen Gomringer; Foto: Bernd Heier

Rüsselsheim – In den Rüsselsheimer Opelvillen sind gleich zwei neue Ausstellungen zu sehen: „Konkrete Poesie / poesiaconcreta Eugen Gomringer, Augusto de Campos und Freunde“ und „Geraldo de Barros. Unilabor- Möbel und Fotografien“. Beide Präsentationen sind Premieren in Deutschland, über die sich Kuratorin Dr. Beate Kemfert besonders freut.

Zum ersten Mal wird die Entstehung und Entwicklung der Konkreten Poesie in Deutschland und der „poesiaconcreta“ Brasiliens gewürdigt. Im Fokus stehen dabei die Werke der Künstler Eugen Gomringer und Augusto de Campos. Eugen Gomringer, geboren 1925 in Cachuela Esperanza, Bolivien, gilt als Begründer der Konkreten Poesie und wirkt bis heute überwiegend in Deutschland. Für ihn ist „Konkrete Poesie ein ästhetisches Kapitel einer sich bildenden universalen Sprache“.

Augusto de Campo „pluvial fluvial“, 1959; © Augusto de Campos

Augusto de Campos, geboren 1931 in São Paulo, Brasilien, veröffentlichte Anfang der 1950er-Jahre erste Gedichte. 1952, als Eugen Gomringer seine erste Konstellation „avenidas“ schrieb, schlossen sich in São Paulo die drei Poeten Augusto de Campos, Haroldo de Campos und Décio Pignatari zur Gruppe „Noigandres“ zusammen.

Drei Jahre später besuchte Pignatari die Hochschule für Gestaltung Ulm. Sein Treffen mit Eugen Gomringer, der zu der Zeit Sekretär von Rektor Max Bill war, gilt als Beginn der internationalen Bewegung der Konkreten Poesie. In der kontemplativen Schau sind konkrete Gedichte aus den 1950er-Jahren von Eugen Gomringer, Augusto de Campos, Haroldo de Campos und DécioPignatari zu sehen.

Geraldo de Barros „CadeiraUnilabor“, 1954; © Geraldo de Barros/AcervoInstitutoMoreiraSalles

Der Brasilianer Geraldo de Barros (1923—1998) besuchte ebenfalls in den frühen 1950er-Jahren die Ulmer Hochschule. Der Künstler war tief beeindruckt von der Konzeption und Qualität der Hochschule für Design. Dies zeigte sich, als er nach seiner Rückkehr in Brasilien 1954 Mitbegründer des sogenannten Unilabors zur Fabrikation von Möbeln wurde. Unilabor wollte die Gestaltungsrichtlinien des Bauhauses fortführen. In dem Betrieb war Geraldo de Barros für das Design der Möbel zuständig. Er entwarf die Stücke und plante mit den Handwerkern die Arbeitsprozesse und Produktionsschritte. Klare Strukturen und elementare, geometrische Formen sind charakteristisch für die von de Barros entworfenen Möbel. 1967 wurde das Unternehmen wegen finanzieller Schwierigkeiten geschlossen.

Die Opelvillen nehmen das Jubiläumsjahr des Bauhauses 2019 zum Anlass, um erstmals in einer Ausstellung Unilabor einem breiten Publikum vorzustellen und die Bedeutung des Künstlers Geraldo de Barros für Design und Fotografie hervorzuheben. Teil der bemerkenswerten Ausstellung sind noch nie außerhalb Brasiliens ausgestellte originale Unilabor-Möbel. Gezeigt werden auch Geraldo de Barros Fotografien der Serie „Fotoformas“ aus den 1950er-Jahren.

Die Schau „Konkrete Poesie / poesiaconcreta“ und „Unilabor“, die großzügig von der Hessischen Kulturstiftung gefördert wird, ist bis zum 12. Januar 2020 in den Opelvillen zu sehen – weitere Informationen unter:  www.opelvillen.de

hbh

Bitte besuchen und liken Sie auch unseren Facebook-account

Ihre Meinung ist uns wichtig

oben