Der zünftige Weg zum Meisterstück – „Vom Handwerk der Maler“ im ‚Historischen Museum Frankfurt‘

19 Sep
2019

Matthäus Merian „Familienbildnis“,  Öl auf Leinwand; © Kunstmuseum Basel, Martin P. Bühler

Frankfurt am Main – Kunst kommt von Können. Aus diesem Grunde musste jeder Künstler bis ins 19. Jahrhundert Mitglied einer Zunft oder Gilde sein. Denn im Mittelalter konnte nicht einfach jeder den Beruf ergreifen, den er wollte.

Alle Berufsgruppen – auch Künstler – waren in Zünften organisiert. Diese ließen nur eine bestimmte Anzahl von Vertretern eines Berufes in einer Stadt zu. Heute ist nahezu in Vergessenheit geraten, dass auch Maler einst so organisiert waren und wie andere Handwerker zum Abschluss ihrer langen Ausbildung ihr Können mit einem Meisterstück beweisen mussten. Erst dann durften sie ihre Gemälde signieren, eine eigene Werkstatt führen und selbst ausbilden.

Kaiser Maximilian I von Johann Franz Brentano, 1840; © Historisches Museum Frankfurt • Foto: Bernd Heier

Als Lehrlinge und Gesellen lernten sie als junge Künstler routinemäßig, Farben zu reiben, Leinwände zu spannen, zu grundieren und einfache malerische Aufgaben auszuführen. Erfahrungen sammelten die Gesellen außerdem auf der Wanderschaft, die sie durch Deutschland oder ins Ausland führte. Um selbst Meister zu werden, schrieb die Zunftordnung dem Maler viele Bedingungen vor, darunter die Heirat, den Erwerb des Bürgerrechts, Geldzahlungen und oft auch die Anfertigung eines Meisterstücks.

Die Ausstellung „Meisterstücke – Vom Handwerk der Maler“ im ‚Historischen Museum Frankfurt widmet sich erstmals diesem spannenden Kapitel der Künstler-Sozialgeschichte. Die reichhaltige von Dr. Wolfgang P. Cilleßen kuratierte Schau vermittelt an Hand von 350 Exponaten eine beeindruckende Vorstellung von der damaligen Ausbildung eines Malers als zünftigen Handwerker. Das Museum besitzt eine in Deutschland einzigartige Sammlung von über 45 Meister- oder Probestücken aus der Zeit von 1631 bis 1858.

In der Schau wird erstmals auch die Wahlstube im Frankfurter Römer rekonstruiert, die in den 1630er Jahren mit einem Gemäldezyklus ausgestattet wurde – den frühesten Meisterstücken. Die Wahlstube war einer der wichtigsten diplomatischen Orte im Heiligen Römischen Reich. Hier führten die Kurfürsten und ihre Gesandten die Verhandlungen für die Kaiserwahl, hier fanden auch zahlreiche Reichstage und Konferenzen statt.

Die Stadt Frankfurt verlangte einst von den Malern die Einlieferung des vorgeschriebenen Meister- oder Probestücks für die Ausstattung des Römers. Diese Frankfurter Gemälde werden anderen Malermeisterstücken aus Nürnberg, Hamburg, Lübeck und Burghausen sowie Meisterstücken anderer Handwerke gegenübergestellt.

Juveneld.Ä., Paul: „Die Taufe Christi“, 1609, Öl auf Lindenholz – Städel Museum Frankfurt

Die Maler hatten ein durchaus ambivalentes Verhältnis zu ihrer Zunft. Einerseits erwarteten sie von ihr den Schutz vor unliebsamen Konkurrenten, wie den Weißbindern und Tünchern und auswärtigen Malern, die auf den lukrativen Frankfurter Markt drängten. Andererseits empfanden sie die strengen Zunftordnungen und die zünftige Ausbildung als nicht zeitgemäß: Ihrer Meinung nach gehörte die Malerei nicht zu den mechanischen, sondern zu den freien Künsten. So thematisiert die hochinteressante Ausstellung auch die Entwicklung der Ausbildung von der Malerzunft zur Kunstakademie. Ein weiteres Kapitel widmet sich den Versuchen einer Akademie-Gründung in Frankfurt und der Städelschule als bürgerliche Kunstakademie.

Die Schau „Meisterstücke – Vom Handwerk der Maler“ – eine Kooperation mit dem Lehrstuhl für Kunstgeschichte der Universität Trier und der Handwerkskammer Frankfurt-Rhein-Main – wird u.a. vom Kulturfonds Frankfurt RheinMain unterstützt und ist bis zum 19. Januar 2020 im ‚Historischen Museum Frankfurt‘ zu sehen. – www.historisches-museum-frankfurt.de

hbh

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