Allround-Könner: „Mit fremden Federn“ – Farbenprächtige Schau lädt zu spannender Entdeckungsreise ein

22 Jul
2019

Cara Grande Maske der Tapirapé aus Brasilien / Leihgabe Thomas Rosenbauer • Foto: Museum Wiesbaden / Bernd Fickert

Wiesbaden – Für Vögel sind die aus Keratin bestehenden Federn lebensnotwendig – sie schützen vor extremen Temperaturen, vor strömendem Regen, helfen bei der Kommunikation und vor allem ermöglichen sie das Fliegen.

Kurzum: Vogelfedern sind Allround-Könner. Im Laufe der Evolution haben sich zahlreiche Variationen an Formen und Farben entwickelt. Sie ermöglichten eine erfolgreiche Verbreitung der gefiederten Lebewesen auf allen Kontinenten und in allen Lebensräumen mit mehr als zehntausend Arten.

Hat ein Vogel eine Feder verloren, landet sie schnell als Schmuckstück im Haar oder am Hut eines Menschen. Wann der Brauch begann, sich mit Federn zu schmücken, ist nicht belegt. Dazu ist die Natur der Feder zu vergänglich. Die Herstellung von Federschmuck ist jedoch in vielen Regionen der Welt üblich. Wechselnde Moden und unterschiedliche Verfügbarkeit brachten eine formenreiche und farbenprächtige Vielfalt an Schmuck- und Kleidungsstücken hervor.

Die Vogelfamilien, von denen die verwendeten Federn stammen, unterscheiden sich dabei beträchtlich von Region zu Region. So sind in Südamerika besonders die Federn der Aras, in Asien die der Pfauen und Fasanen und in Australien die der Kakadus beliebt. Auch die Federn domestizierter Haushühner finden sich im Schmuck zahlreicher Kulturen wieder. – Von Nutzen sind Vogelfedern auch als wärmende Decken, als Teil von Spiel- und  Sportgeräten oder als Schreibfedern.

Im Alltag findet und fand Federschmuck jedoch nicht nur dekorativen Nutzen. Der Gebrauch von Federn für kultische Zwecke in aller Welt ist seit Jahrhunderten bekannt. Sie werden seit je bei Feierlichkeiten und rituellen Handlungen verwendet, darunter Initiationsriten. Auch können sie die Zugehörigkeit zu bestimmten Stämmen signalisieren oder Aufschlüsse über den Rang seines Trägers oder seiner Trägerin geben.

Ausstellungsansicht • Foto: Bernd Heier

Wie farbenprächtige Federn von unterschiedlichen Kulturen der Welt genutzt wurden und welche Vogelarten begehrten Federschmuck besitzen, das zeigt die ethnologische Sonderausstellung „Mit fremden Federn“ im ‚Hessischen Landesmuseum für Kunst und Natur Wiesbaden‘. Mitmachstationen für Klein und Groß stellen spielerisch die Vielfalt der Nutzung von Federn vor. Neben farbenprächtigem Federschmuck aus Südamerika sind modische Kreationen mit dem Gefieder der Paradiesvögel zu bewundern – wie auch die Nutzung von Federn bei rituellen Anlässen in Afrika. Die Ausstellung präsentiert über 300 beeindruckende Exponate, darunter auch seltene Vogelpräparate.

Am 13. August 2019, 18:00 Uhr, lädt das ‚Museum Wiesbaden‚ in Kooperation mit Freunden des Museums und dem ‚Nassauischen Verein für Naturkunde‘ zu einem Vortrag des Ethnologen und Amerikaexperten Christian Feestüber über kostbaren altmexikanischen Federschmuck ein: Gehörte die 500 Jahre alte Federhaube aus 450 prächtig schillernden Federn des Quetzal-Vogels einst dem legendären Aztekenherrscher Moctezuma?

Neben dieser Sonderausstellung sind noch die ständige Gemäldesammlung sowie die neue grandiose Jugendstil-Präsentation zu sehen. Außerdem zeigt die Retrospektive „Mittsommernacht: Harald Sohlberg – Ein norwegischer Landschaftsmaler“ das farbstarke Œuvre des großen Malers – eine echte Entdeckung! Und das alles für 10 Euro, ermäßigt 7 Euro (Kinder und Jugendliche bis 18 Jahren haben freien Eintritt) – mehr Kunstgenuss ist in der ganzen Rhein-Main-Region für diesen Preis nicht zu haben!

Die beeindruckende Schau „Mit fremden Federn“ wird bis zum 08. März 2020 im Museum Wiesbaden gezeigt – weitere Informationen unter: https://museum-wiesbaden.de/mit-fremden-federnundwww.museum-wiesbaden.de

Bernd Heier

Bitte besuchen und liken Sie auch unseren Facebook-account

Ihre Meinung ist uns wichtig

oben