Eine echte Entdeckung: Harald Sohlbergs unendliche Landschaften im Museum Wiesbaden

16 Jul
2019

„Landstraße II“, 1916, Öl auf Leinwand, Privatbesitz; © O. VaeringEFtf. AS – Abbildung: Museum Wiesbaden/Photo: O.Vaering

Wiesbaden – Anlässlich des 150. Geburtstags des Malers Harald Sohlberg stellt das Landesmuseum erstmals auf dem europäischen Festland in einer großen Retrospektive Arbeiten des norwegischen Künstlers vor.

Unter dem Titel „Mittsommernacht: Harald Sohlberg – Ein norwegischer Landschaftsmaler“ sind im Museum 51 Gemälde und 13 grafische Arbeiten versammelt. Einige Werke aus Privatsammlungen waren bislang noch nie ausgestellt.

„Bisher ist der Name Sohlberg noch nicht in Deutschland aufgeschlagen“, so Direktor Dr. Alexander Klar. Das ist umso erstaunlicher, als Harald Sohlberg (1869–1935) neben Edvard Munch(1863–1914) und Nikolai Astrup (1880–1928) zu den wichtigsten Künstlern Norwegens an der Schwelle zur Moderne gehört. Sein Hauptwerk „Winternacht in Rondane“ wurde seit 1918, als ein Sammler das großformatige Kunstwerk dem Nationalmuseum Oslo schenkte, noch nie ausgeliehen.

Jetzt ist es in Wiesbaden zu bewundern. Das Gemälde mit seinen geheimnisvollen, blau getönten Schneeflächen ist Norwegerinnen und Norwegern seit Generationen vertraut, ist es doch in vielen Schulbüchern abgebildet. Diese „Ikone“ zählt zu den beliebtesten Kunstwerken Norwegens, das in diesem Jahr Ehrengastland der Frankfurter Buchmesse ist.

„Winternacht in Rondane“,1914,Öl auf Leinwand, Nasjonalmuseet, Oslo; © Nasjonalmuseet / BorreHostland, Jacques Lathion – Abbildung: Museum Wiesbaden

Die künstlerischen Wurzeln Harald Sohlbergs, der 1869 als Sohn eines Pelzhändlers in Kristiania (Oslo) zur Welt kam, liegen in der Dekorations- und Theatermalerei. Nach vier Jahren klassischer Handwerkerlehre an der Königlichen Kunst- und Handwerksschule in Kristiania beschloss er, sich ganz auf eine Karriere als Künstler zu konzentrieren: „Ich habe alle meine Fähigkeiten mobilisiert, um diese schwierige Aufgabe zu lösen: Die Details, das Monumentale und die großen dekorativen Effekte, zu einer Gesamtheit zu kombinieren, wie ich es am persönlichsten sehe und fühle. Dies ist der zentrale Punkt meiner Kunst“.

Sohlberg bereiste Ende des 19. Jahrhunderts Kopenhagen, Paris und Weimar. Während der Aufenthalt in Paris keine Spuren in seiner künstlerischen Arbeit hinterließ, beeindruckte ihn in Weimar (1896/97) insbesondere das Umfeld um Arnold Böcklin. Der Symbolismus wie auch die romantischen Werke Caspar David Friedrichs (1774–1840) beeinflussten sein künstlerisches Schaffen. Er lotete verschiedene Techniken und Malstile aus, bevor er sich kurz vor der Jahrhundertwende mit dem Gemälde „Abendrot“ seinen eigenen Stil erarbeitete, der ihm zum Durchbruch verhalf.

“Selbstporträt“, 1896, Öl auf Leinwand, Privatbesitz; © Nasjonalmuseet/Jacques Lathion – Abbildung: Museum Wiesbaden

Seine Kunst erfährt in den Folgejahren durch internationale Ausstellungsbeteiligungen, darunter Helsinki, Rom, Wien, New York, London und Barcelona Anerkennung. Da Sohlberg ein akribischer Maler war und für seine Arbeiten lange Zeit benötigte, lehnte er Einzelausstellungen wegen des zu geringen Bildervorrats ab. Sein Oeuvre ist durchaus überschaubar und in Deutschland besitzt nur ein öffentliches Museum, nämlich auf Föhr, ein Gemälde von ihm.

In der großartigen Wiesbadener Schau, die Sohlbergs Schaffen in seiner ganzen Breite und Vielschichtigkeit zeigt, beeindrucken vor allem seine oft menschenleeren, lichtdurchfluteten, farbenprächtigen Landschaften. „Die packenden Werke stehen künstlerisch zwischen der traditionellen Landschaftsmalerei und der Moderne. In ihnen verbinden sich Elemente der Romantik, des Symbolismus und der Neuen Sachlichkeit“, erläutert Kurator Dr. Roman Zieglgänsberger. Unter den grafischen Arbeiten befinden sich Studien für Gemälde, aber auch Experimente, mit denen Sohlberg neue Techniken erprobte.

Die Ausstellung ist in enger Kooperation mit dem Nationalmuseum Oslo und der Dulwich Picture Gallery, London, entstanden und wurde gefördert durch den Kulturfonds Frankfurt RheinMain und die SparebankstiftelsenDnB Norwegen. Schirmherr ist Ministerpräsident Volker Bouffier. – „Mittsommernacht: Harald Sohlberg – Ein norwegischer Landschaftsmaler“ ist bis zum 27. Oktober 2019 im Landesmuseum Wiesbaden zu sehen. Weitere Informationen unter: www.museum-wiesbaden.de

Bernd Heier

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