Reinkarnation des markanten Reiters „Pre Bell Man“ – „Nam June Paik und zeitgenössische Medienkunst … “ im ‚Museum für Kommunikation‘

11 Jun
2019

Nachschöpfung des „Pre Bell Man“ von Nam June Paik • Foto: Bernd Heier

Frankfurt am Main – Die Reiterfigur „Pre Bell Man“ … „Nam June Paik und zeitgenössische Medienkunst aus der Sammlung von Kelterborn“ steht wieder vor dem ‚Museum für Kommunikation’* Frankfurt – an dem Ort, für den Paik sie einst geschaffen hat.

Die von vielen vermisste Figur, die der koreanische Künstler 1990 anlässlich der Eröffnung des Museumsneubaus am Schaumainkai in Frankfurt am Main gefertigt hat, begrüßt wieder von Weitem die Besucherinnen und Besucher. Mit dem Pre Bell Man sagte Nam June Paik bereits damals den Siegeszug der Kommunikations-Medien voraus, in einer Zeit, als das Internet noch kaum genutzt und an Smartphones nicht gedacht wurde. Darin war Paik seiner Zeit weit voraus.

Nam June Paik, 1932 in Seoul geboren, studierte Musik und Komposition bei Karl-Heinz Stockhausen in Köln und schloss sich einige Zeit der Fluxus-Bewegung an. Er setzte sich auf künstlerische Art und Weise mit dem Medium Fernsehen auseinander. Der international renommierte Pionier der Videokunst starb Ende Januar 2006 in Miami Beach, Florida.

Wegen witterungsbedingter Schäden musste der Pre Bell Man 2012 im Depot eingelagert werden. Das Museum wollte allerdings auf seinen markanten Reiter, der inzwischen zum Publikumsliebling geworden war, nicht verzichten und strebte eine konservatorisch unbedenkliche Lösung an. Nach sieben Jahren im Depot kehrt die aufsehenerregende Skulptur, die mit gut vier Metern eine der größten skulpturalen Arbeiten Paiks ist, zurück auf den Museumsplatz. Es ist eine Nachschöpfung, gewissermaßen eine Reinkarnation des originalen Pre Bell Man.

Im Atelier von Anselm Baumann wurde Ende 2018 das Pferd, das Paik bei einem Trödler erworben hatte, abgeformt. Der Reiter konnte mit historischen Kommunikationsgeräten im Sammlungsdepot nachgestaltet werden. Zuletzt wurden bunt leuchtende Kunststoffröhren eingebaut, welche die Firma Neon Zentgraf von den Originalen kopiert und maßangefertigt hat. Sie lassen den Reiter in der Dunkelheit bunt aufleuchten.

Parallel dazu ist das Original des Pre Bell Man von 1990 restauriert worden. Zukünftig bleibt dieses jedoch im Sammlungsdepot in Heusenstamm vor Wind und Wetter geschützt. Nach Anmeldung kann er dort besichtigt werden.

„Äpfel der Verführung“, Nam June Paik, Multimedia-Skulptur von 1984; Sammlung Wulf Herzogenrath • Foto: Bernd Heier

Zur Feier der Nachschöpfung hat das Museum eine Begleitausstellung mit Werken aus der Sammlung von Kelterborn eröffnet. Die von Dr. Corinna Engel kuratierte Sonderschau „Nam June Paik und zeitgenössische Medienkunst aus der Sammlung von Kelterborn“ zeigt  Entwicklungsphasen der Medienkunst von 1960 bis 2018 und veranschaulicht die Vielfalt der Möglichkeiten, die Künstlerinnen und Künstler seit den Anfängen bei Nam June Paik bis in die Gegenwart mit bewegten Bildern entwickelt haben. Auf ganz unterschiedliche Weise werden Video und Film, Animationen und Fotografie bis hin zu computergenerierten Bewegtbildern eingesetzt, um Probleme unserer Zeit und Abgründe der menschlichen Psyche zu visualisieren.

Die Ausstellung in der neuen Video-Lounge versammelt Werke von Ismaël JoffroyChandoutis, TebohoEdkins, Gary Hill und Nezaket Ekici, um nur einige zu nennen. Sie sind Beispiele für die künstlerische Gestaltung und Narration mit Film, Video und computergenerierten Bildwelten. Highlight der packenden Sonderschau sind die „Äpfel der Verführung“, von Nam June Paik, aus der Sammlung Wulf Herzogenrath (Prof. Wulf Herzogenrath ist wissenschaftlicher Experte, Leih- und Ratgeber). Statt Äpfel hängen in dem Baum Miniaturmonitore.

Auf den kleinen Bildschirmen leuchtet und flimmert es bunt. Zu sehen sind Ausschnitte aus dem Video „Global Groove“ von 1973, die Cello-Spielerin Charlotte Moorman und andere Künstlerfreunde, mit denen Paik zusammenarbeitete. Nam June Paik kombiniert auch hier – wie häufig in seinen Installationen – Technologie mit Natur. Der Titel verrät einen biblischen Bezug, der das Fernsehen mit dem Sündenfall und der Vertreibung aus dem Paradies in Verbindung bringt.

Die Präsentation „Nam June Paik und zeitgenössische Medienkunst aus der Sammlung von Kelterborn“ wird vom Kulturfonds Frankfurt RheinMain, der Wüstenrot Stiftung gefördert und  ist bis zum 19. Januar 2020 im Museum für Kommunikation Frankfurt zu sehen – weitere Informationen unter: www.museumsstiftung.de und zum Pre Bell Man speziell: www.paik-prebellman.de

Bernd Heier

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