„Frobenius – Die Kunst des Forschens“ im Museum Giersch … Faszinierende Felsbilder – wahre Prachtstücke der Kunst

27 Mrz
2019

Herman Frobenius: Leo Frobenius, 1924, Öl auf Leinwand – © Frobenius-Institut

Elisabeth Mannsfeld: Elenantilopen und langgliedrige Menschen, nach einer Felsmalerei auf Southeys Hoek Farm, Harrismith Region, Südafrika, 1928–1930,Bleistift, Aquarell auf Papier – © Frobenius-Institut

Frankfurt am Main – Leo Frobenius (1873–1938) war der wohl bedeutendste wie auch umstrittenste deutsche Ethnologe zu Beginn des 20. Jahrhunderts.

Bereits in jungen Jahren fasste er den ehrgeizigen Plan, die Geschichte und Kulturen der afrikanischen Völker umfassend zu dokumentieren, zu ordnen, zu kategorisieren und der Welt in Büchern, Zeitungsartikeln und Ausstellungen zu präsentieren. Ein äußerst kühnes Unterfangen: Denn Frobenius war Autodidakt ohne Abitur und ohne akademischen Abschluss, aber er besaß Charisma und rhetorisches Geschick.

So gelang es ihm, einflussreiche Unterstützer zu gewinnen, darunter auch Kaiser Wilhelm II. Dadurch erschlossen sich dem Ethnologen neue Finanzquellen für seine kostspieligen Expeditionen nach Afrika, aber auch Australien, Indonesien, Süd- und Mittelamerika sowie nach Nord- und Südeuropa.

„Als erster Ethnologe bereiste er jahrelang den afrikanischen Kontinent, um dessen wertvolle Kultur zu erforschen und aufzuzeichnen. Zugleich hoffte er, dort das „Ursprüngliche und das „Authentische“ zu finden, das er in Europa verloren zu haben glaubte“, sagt Museumsleiter Dr. Manfred Großkinsky. Diese aus der Romantik stammende Wertschätzung der Ursprünge führte ihn schon früh auf die Spur der ältesten Formen bildender Kunst: Die prähistorischen Felsbilder. In Afrika waren diese „wahren Prachtstücke der Kunst“ auch ein Beleg für die hochstehenden afrikanischen Kulturen.

Das nach der schillernden Forscherpersönlichkeit benannte „Frobenius-Institut für kulturanthropologische Forschung“ an der Goethe-Universität Frankfurt besitzt die weltweit bedeutendste Sammlung an Nachzeichnungen prähistorischer Felsbildkunst und einen faszinierenden ethnographischen Bildbestand an Zeichnungen, Werken in Öl sowie Fotografien. Dieser Bilderschatz stammt von Zeichnerinnen und Zeichnern, die den Institutsgründer stets auf seinen Expeditionen begleiteten. Denn der selbstbewusste Völkerkundler, auf dessen Visitenkarte ohne Adress-Angaben nur „Leo Frobenius – Präsident und Chef“ zu lesen war, wusste um die Wirkmacht der Bilder.

Carl Arriens: Nupe-Frau aus Mokwa, Zentralnigeria, 1911, Öl auf Leinwand – © Frobenius-Institut

Nach mehreren, auch international erfolgreichen Präsentationen versammelt die Ausstellung „Frobenius – Die Kunst des Forschens“ mehr als 200 erlesene Bildwerke dieses herausragenden universitären Bilderschatzes jetzt auch im Museum Giersch der Goethe-Universität. Die hervorragende, von Dr. Birgit Sander und Dr. Gisela Stappert kuratierte Schau lenkt den Blick auch auf sein bislang weniger bekanntes Expeditionsteam und rückt besonders die Frauen in den Fokus, von denen die überwiegende Mehrzahl des Bildmaterials stammt.

Die beeindruckenden Nachzeichnungen prähistorischer Felsbilder, die an oft schwer zugänglichen Orten, in europäischen Eiszeithöhlen, afrikanischen Wüsten oder im australischen Outback bildlich dokumentiert wurden, geben einen überwältigenden Einblick in die weltweite Kunst der Vorzeit. Der Einfluss prähistorischer Vorbilder auf die europäische Moderne wird beispielsweise in den ebenfalls präsentierten Werken von Paul Klee, Willi Baumeister und Wols deutlich.

„Frobenius – Die Kunst des Forschens“ ist bis zum 14. Juli 2019 im Museum Giersch der Goethe-Universität zu bestaunen. – Weitere Informationen unter:  www.museum-giersch.de

Bernd Heier

Bitte besuchen und liken Sie auch unseren Facebook-account

 

Ihre Meinung ist uns wichtig

oben