Dave Brubeck landete 1959 mit „Take Five“ einen Welthit … nun wurde er 90 Jahre alt!

8 Dez
2010

Dave Brubeck auf dem Montreal Jazz Festival 2010

Musik-Legende Dave Brubeck wurde gerade 90 Jahr alt … und der Jazz lässt ihn nicht los!   Mit „Take Five“  landete das Dave Brubeck Quartett 1959 einen Welthit – das Stück ging in die Annalen der Jazz-Geschichte ein.

Kürzlich trat Dave Brubeck wieder im Blue Note in New York auf.  Der Ort ist ebenso legendär wie der Musiker auf der Tribüne. Brubeck hatte ein bisschen Mühe, die Stufen zu erklimmen. Erst im Oktober war er am Herzen operiert worden.  Aber kaum etwas kann ihn vom Spielen abhalten, weder sein Herz noch sein Vater  – ein Rancher mit 8000 Rindern … er wollte nämlich, dass David Warren Brubeck Cowboy wird. Damals in den 1940ern in Kalifornien, als Brubecks Brüder schon Musiker waren.

Aber mit einer studierten Pianistin als Mutter war es schwer, der musikalischen Berufung zu entkommen. Als Dave Brubeck Tiermedizin studierte, um sich um die Rinder kümmern zu können, schickte ihn sein Lehrer schließlich ans Musik-Konservatorium – mit dem Hinweis, er solle bitte nicht länger ihrer beider Zeit verschwenden.  Bald darauf rettete die Musik Brubeck womöglich das Leben. Weil er während seines Militärdienstes bei einem Rotkreuzkonzert Klavier spielte, musste er nicht an die Front. Sein Auftritt war ein so großer Erfolg, dass er eine eigene Band gründen musste – eine der ersten gemischten Militär-Combos.

Brubecks Kampf gegen Rassismus fing damit erst an: „Wo auch immer ich war: Ich habe nicht gespielt, wenn dort keine Schwarzen zugelassen waren. Lassen Sie diese Menschen rein, hab ich gesagt, oder ich fange gar nicht erst an“,  erinnert sich der Jubilar.

Angeblich war er so engagiert, weil er in seinen Rancher-Zeiten einmal einem schwarzen Rodeoreiter begegnet war, der – wie ein Stück Vieh – ein Brandzeichen trug. Das hatte Dave dauerhaft schockiert. Alle seine Helden seien schwarz gewesen, sagt er, etwa Duke Ellington oder Louis Armstrong. Mit ihnen und mit Jazzgrößen wie Ella Fitzgerald oder Miles Davis ist Brubeck später aufgetreten.

Mit seinen Kollegen – Saxophonist Paul Desmond, Schlagzeuger Joe Morello und Eugene Wright am Bass – gelangte er schnell zu Ruhm. 1954 landete er als zweiter Jazzmusiker auf dem Cover des  „Time Magazine“. Fünf Jahre später veröffentlichte das Quartett das Stück, das sein Markenzeichen werden sollte.

In jedem Land, das eine Hitparade hat, war  „Take Five“  in den Top Ten. Egal, wann und wo Brubeck es spielt, ob in intimen Clubs oder vor einem Riesenpublikum, sind die Zuhörer begeistert.

Nach dem vorläufigen Ende seines Quartetts 1967 hatte Dave Brubeck Zeit, auch längere Stücke zu komponieren. Der gläubige Katholik schrieb Oratorien und eine Kantate gegen den Vietnam-Krieg. Doch der Jazz hat ihn nie losgelassen. Viele seiner Stücke wie  „In Your Own Sweet Way“ sind zu Standards geworden.

Brubeck ist eine lebende Legende, mit Preisen und Ehrendoktorwürden überhäuft. Clint Eastwood hat eine Dokumentation über ihn produziert, die zu seinem Geburtstag ausgestrahlt wurde. Im vergangenen Jahr wurde er von Präsident Barack Obama persönlich geehrt, der schon als Zehnjähriger eines seiner Konzerte besucht hatte. Doch bei all dem ist Dave Brubeck nach wie vor das Wichtigste, live vor Publikum zu spielen: „Jedes Mal, wenn ich zu einem Auftritt gehe, frage ich mich:  Wie kann ich das nur tun?  Aber der Wunsch, zu spielen, ist immer noch größer als der schönste Ort,  den ich mir vorstellen kann.“    – ndr/gw

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