MULTITALENT mit Hang zum Absurden … ERNST KAHLS „Vergessene Katastrophen“ im Caricatura-Museum

12 Feb
2019

Bild: ©Caricatura-Museum

Achim Frenz, Leiter des Caricatura, des „schönsten Museums der Welt“, beim Rundgang durch die laut Ernst Kahl (re.) „schönste Ausstellung“ – Foto: Bernd Heier

Frankfurt am Main – Dem Karikaturisten Ernst Kahl widmet das Caricatura-Museum in Frankfurt zum 70. Geburtstag die große Einzelausstellung „Vergessene Katastrophen“.

Der in Schleswig-Holstein geborene Künstler ist ein wahres Multitalent: Er ist Maler, Zeichner, Autor, Lyriker, Musiker, Drehbuchschreiber und Schauspieler. Kritiker bezeichnen ihn voller Achtung als „Feingeist der Hochkomik“ – „Poet des Alltäglichen“ oder „Magier des Undenkbaren“.

In der großartigen Retrospektive im Leinwandhaus erfreuen rund 100 Acrylgemälde sowie 180 Tusche- und Aquarell-Zeichnungen die Besucherinnen und Besucher. Des Weiteren sind Installationen, Collagen und Filme zu sehen. Dabei werden die Gäste schnell feststellen, dass bei dem Künstler, dessen Name aus zwei Adjektiven besteht, keines zutrifft: Er ist weder ernst noch kahl. Eigener Aussage zufolge interessiert den Meister der komischen Kunst die große Politik nicht wirklich, ihn reizen die kleinen Geschichten des Alltags, Randgeschehnisse, Abstruses und für Moralisten bisweilen schwer Verdauliches.

Der Künstler mit dem ausgeprägten Selbstbewusstsein hat eine ziemlich verkorkste Jugend hinter sich: Abbruch zweier Lehren und auch des Kunststudiums. Seinen künstlerischen Durchbruch erreichte er mit dem dreibändigen „Bestiarium Perversum“ 1985. Darin nimmt er mit voyeuristischem Blick das perverse Verhältnis des zivilisierten Menschen, vor allem der Stadtmenschen, gegenüber dem Tier aufs Korn. In „Kahls Tafelspitzen“, die von 1992 bis 2010 in der Zeitschrift Der Feinschmecker erschienen, wandelte er Sprichwörter und Redensarten kulinarischen Inhalts in umwerfend komische Bilder um – eine Auswahl ist zu sehen. Und in vielen seiner Gemälde und Zeichnungen, die er für Zeitschriften wie „Konkret“ und „Titanic“ fertigte, thematisiert Kahl das Hässliche, Spielarten der Sexualität und die allgemeine menschliche Niedertracht. Zu viel Idylle erträgt der Künstler nicht!

„Der Eisprung“ – ©Ernst Kahl

Kahls originelle Schöpfungen irritieren und provozieren. „Grenzen überschreitend entlarvt Kahl die tiefen menschlichen Abgründe, das Verborgene, das eigentlich Undenkbare. Frei von althergebrachten Grenzen und Sehgewohnheiten adaptiert er Motive, Kunstmittel, Bildformen und -gattungen, zitiert und verfremdet, hebt stilistische Grenzen auf und macht auch vor der sogenannten ‚Hochkunst‘ keinen Halt“, erläutert Frenz. Beliebte Sujets in seinen ironischen, witzigen und absurden Arbeiten sind neben Menschen in allen Schattierungen die Themen Essen und Trinken sowie die Tierwelt.

Das Multitalent ist mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet: Darunter der Göttinger Elch für sein Lebenswerk 2007, der Wilhelm-Busch-Preis 2011 und schließlich 2014 der Sondermann-Preis für Komische Kunst. Kahl ist mit der Künstlerin Eva Muggenthaler verheiratet und lebt bei Husum und in Hamburg. – Die äußerst unterhaltsame Schau „Vergessene Katastrophen“ von Ernst Kahl wird großzügig vom Kulturfonds Frankfurt RheinMain unterstützt und ist bis 12. Mai 2019 im Caricatura Museum Frankfurt zu erleben. – Weitere Informationen unter: www.caricatura-museum.de

Bernd Heier

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