Das Fenster als künstlerisches Experimentierfeld … Das Museum Sinclair-Haus präsentiert „Aussicht – Einsicht. Blick durchs Fenster“

14 Dez
2018

Aino Kannisto, Untitled (Sauna Window), 2015; ©AinoKannisto, Courtesyof Galerie m, Bochum – Foto: Museum Sinclair-Haus

Bad Homburg vor der Höhe – Seitdem der Mensch sich in Bauwerken von der Natur abschirmt, nimmt das Fenster eine bedeutende Rolle in der visuellen Wahrnehmung der Welt ein.

„Als vermittelnde Schwelle, als Rahmen gibt das Fenster einerseits ausschnitthaft eine Sicht auf die Umgebung frei und erlaubt andererseits intime Einblicke in die Privatsphäre. Als Kontaktpunkt zur Außenwelt ist das Fenster, wie es auch schon Rilke beschrieb, maßgeblich an unserer Beziehung zu Landschaft und Natur beteiligt, mehr noch, es trägt dazu bei, die Größe unserer Umwelt überhaupt ,fassen‘ zu können“, erläutert Museumdirektor Dr. Johannes Janssen.

Rainer Maria Rilke: „Unser Umgang mit der Weite ist recht eigentlich auf die Vermittlung des Fensters angewiesen, draußen ist sie nur noch Macht, Übermacht, ohne Verhältnis auf uns, wenn auch ungeheuer im Einfluss – das Fenster aber setzt uns in einen Bezug.“

Fenster haben nicht nur Dichter, Schriftsteller und Philosophen stets aufs Neue inspiriert, sondern auch bildende Künstler. Das Fenster-Motiv spielt in der Malerei seit der Renaissance eine große Rolle, auch in der Kunst der Moderne. Das Museum Sinclair-Haus in Bad Homburg präsentiert jetzt in der thematischen Gruppenausstellung „Aussicht – Einsicht. Blick durchs Fenster“ Positionen von 19 zeitgenössischen Künstlern zum vielseitigen Motiv des Fensters in der zeitgenössischen Kunst. Die Künstlerinnen und Künstler stellen das „Fenster“ und damit auch die Blicke nach innen und außen in den Fokus. Zu sehen sind Filme, Fotografien und Installationen, Gemälde, Zeichnungen und Scherenschnitte.

Noch-Museumsleiter Dr. Johannes Janssen eingerahmt von Kuratorin Ina Fuchs (links) und Nachfolgerin Andrea Firmenich – Foto: Bernd Heier

„Die zeitgenössische Kunst tastet sich von innen und von außen an diese Öffnung heran, erkundet Grenzen und Durchlässigkeit. Die wechselseitigen Durchblicke, die von Fensterscheiben durch Spiegelungen und Reflexionen unterbrochen und gestört werden können, werden ebenso Gegenstand der Betrachtung wie das Licht selbst, das fähig ist, die gläserne Barriere zu durchdringen“, sagt Kuratorin Ina Fuchs.

Auch die Wirklichkeit der Natur, die auf „der anderen Seite“ liegt, wird hinterfragt. Das Fenster wird zum künstlerischen Experimentierfeld, auf dem die Beziehungen von Innen und Außen, von Realität und Täuschung ausgelotet werden. Zu sehen sind Arbeiten von Nicole Ahland, Jessica Backhaus, Peter Braunholz, Elisabeth Brockmann, Thomas Demand, Sven Fennema, Caroline von Grone, Jens Hausmann, Sibylle Hoessler, AinoKannisto, Barbara Klemm, Fritz Klemm, Karin Kneffel, Bernd Lieven, Annette Schröter, Lynn Silverman, Melanie Wiora, Julia Willms und Arnold von Wedemeyer.

Das Museum Sinclair-Haus, laut Janssen „ein kleines Juwelin der Rhein-Main-Region“ strahlt nach einer umfassenden, neunmonatiger Sanierung wieder in altem Glanz. Speziell die Technik – Klimaanlage, Brandschutz und auch die Beleuchtung (dimmbare LED-Leuchten) – wurde auf den neuesten Stand gebracht. Mit dieser Ausstellung  verabschiedet sich Dr. Johannes Janssen, der das Haus sechs Jahre lang geleitet hat, und übergibt an die Geschäftsführerin der Stiftung Nantesbuch Dr. Andrea Firmenich, die das schmucke Museum bereits früher geleitet hat.

„Aussicht – Einsicht. Blick durchs Fenster“ bis zum 03. März 2019 im Museum Sinclair-Haus, Bad Homburg, Haus Löwengasse 15, Eingang Dorotheenstraße – Informationen zum umfangreichen Begleitprogramm unter:  www.museum-sinclair-haus.de

Bernd Heier

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