Skulpturen zwischen Leere und Fülle … Umfassende Chillida-Retrospektive im Museum Wiesbaden

5 Dez
2018

Ignacio Chillida und Dr. Alexander Klar beim Presserundgang – Foto: Bernd Heier

Wiesbaden – Wenn das Fernsehen das Bundeskanzleramt zeigt, ist häufig auch eine fünfeinhalb Meter hohe Skulptur aus rostigem Cortenstahl zu sehen.

„Berlin“, so der Name der Skulptur, ist das bekannteste Werk von Eduardo Chillida in Deutschland und eine der letzten öffentlichen Arbeiten des Künstlers. Die ineinandergreifenden Stahlelemente der Großplastik erscheinen als Einheit – trotz räumlicher Trennung – und können als Symbol des schwierigen deutschen Wiedervereinigungsprozesses interpretiert werden.

Dem herausragenden baskischen Bildhauer widmet jetzt das Museum Wiesbaden unter dem Titel „Eduardo Chillida – Architekt der Leere“ bis zum 10. März 2019 eine große Retrospektive. Es ist die umfassendste Überblicksschau seit dem Tod des Künstlers und präsentiert das Lebenswerk eines der bedeutendsten Bildhauer der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts – mit annähernd 120 Werken, darunter Skulpturen, Modelle von Großprojekten, Druckgrafiken, Zeichnungen und Collagen aus allen Schaffensphasen. Museumsdirektor Dr. Alexander Klar freut sich, „einen neuen Blick auf das Werk“ bieten zu können. Zahlreiche Arbeiten sind in der chronologisch aufgebauten Ausstellung erstmals öffentlich zu sehen.

Die aufwendige, großartige Schau hat eine lange Vorlaufzeit. Erste Gespräche, um das ambitionierte Projekt realisieren zu können, führte der damalige Wiesbadener Oberbürgermeister Dr. Helmut Müller, der heutige Geschäftsführer des Kulturfonds Frankfurt RheinMain, bereits 2010 mit Wiesbadens Partnerstadt San Sebastián. Der Kulturfonds ist dieses Mal mehr als ein Finanzier, der die Ausstellung mit 250.000 Euro unterstützt, nämlich auch Initiator.

Eduardo Chillidas skulpturale Arbeiten kreisten Zeit seines Lebens (1924 in San Sebastián geboren und dort auch 2002 gestorben) um den Begriff der Leere. „Das Zusammenspiel von Leerraum und seiner äußeren Hülle faszinierte ihn und charakterisiert sein Werk. Vergleichbar mit der Arbeit eines Architekten sah er seine Aufgabe darin, in seinen Skulpturen Leerräume aufzutun“, erläutert Mit-Kuratorin Lea Schäfer:Seine in der urbanen oder natürlichen Landschaft verorteten Monumente sind für die Öffentlichkeit geschaffen und stehen in Bezug zum Menschen und der Umgebung“.

Die in der Bucht von San Sebastián auf drei Klippen montierten Windkämme „Peine del viento XV“ von 1976 zählen zu den Meisterwerken des Bildhauers und sind mittlerweile zu einem Wahrzeichen der baskischen Stadt geworden. Diese monumentale Skulptur ist für den ältesten Sohn Ignacio Chillida, Mitkurator der Wiesbadener Schau, die schönste. Die jeweils 12 Tonnen schweren Stahlskulpturen verbinden Wind und Wasser, die Stadt, Natur und das Baskenland.

Chillida studierte zunächst Architektur, nahm dann Zeichenunterricht und arbeitete in der Bildhauer-Werkstatt von José Mertínes Repullés. Ihn reizten die Eigenschaften und Widerstände des traditionell baskischen Werkstoffs Eisen, das er in seiner Schmiedewerkstatt spaltete und formte – hier entstanden die nicht weniger beeindruckenden plastischen Arbeiten aus Holz, Alabaster, Terrakotta und Granit.

Seit 1948 installierte Eduardo Chillida über 40 monumentale Arbeiten, die heute in der ganzen Welt zu bewundern sind, darunter in Houston, Madrid, Washington, Helsinki und auch in deutschen Städten wie Berlin, Düsseldorf, Frankfurt und Bad Homburg vor der Höhe. Der vielfach ausgezeichnete Künstler hat aber nicht nur exzellente Großwerke geschaffen, sondern auch herrliche Kleinplastiken, die in der Wiesbadener Schau zu bewundern sind. Die grandiose Schau ist in enger Zusammenarbeit mit dem MuseoChillidaLeku – einem ehemaligen vom Künstler selbst umgestalteten Bauernhof – entstanden. – Weitere Informationen unter:  https://museum-wiesbaden.de/eduardo-chillida

Bernd Heier

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