Jim Avignons schrille Bilderwelt mit Tiefgang … „Museum für Kommunikation“ zeigt „A BIGGER BROTHER“

27 Nov
2018

©Jim Avignon – Foto: Museum für Kommunikation

Frankfurt am Main – Jim Avignon ist ein Tausendsassa: Er ist der schnellste Maler weit und breit, musiziert, performt und gestaltet wie im Zeitraffer verschiedene Räume auf der ganzen Welt zu Gesamtkunstwerken um.

Vor dem Bild „Body Control“ erläutern die Kuratorin Margret Baumann, Museumsdirektor Dr. Helmut Gold und Jim Avignon das Ausstellungskonzept • Foto: Bernd Heier

Jetzt bespielt er die „KUNST|RÄUME“ des Museums für Kommunikation Frankfurt mit der vielseitigen Schau „A BIGGER BROTHER“. Im Fokus seiner comic-haften Arbeiten steht dabei das Thema „Kontrolle“. Damit greift Avignon einen der vier Themenschwerpunkte der neuen Dauerausstellung „Mediengeschichte/n neu erzählt auf: Das sind neben Kontrolle Beschleunigung, Vernetzung und Teilhabe.

„Allen Phänomenen gemeinsam ist, dass sie über die Zeiten den menschlichen Umgang mit Medien entscheidend prägen. In seinen Kunsträumen zeigt das Museum wechselnde künstlerische Positionen, die sich mit jeweils einem dieser Phänomene auseinandersetzen“, erklärt Museumsdirektor Dr. Helmut Gold.

Jim Avignons Figuren und Szenarien sind bunt und schrill. Seine Bilderwelt wirkt auf den ersten Blick wie heitere, leicht konsumierbare Pop-Art-Kost. Doch was so farbenfroh daherkommt, hat tiefgehende politische und gesellschaftliche Bezüge. Denn auf den zweiten Blick offenbaren die vermeintlich naiven Werke eine kritische Auseinandersetzung mit Gegenwartsproblemen wie Globalisierung, Kapitalismus und die Allgegenwart der Medien sowie Bestechung und Korruption. Avignon reflektiert diese brisanten Themen auf seine unnachahmliche Art, so auch bei „A BIGGER BROTHER“.„Er gewährt unerwartete Einblicke in unser Innerstes und lädt große und kleine Besucherinnen und Besucher zum Kunstspaß ein, der auch Raum zum Nachdenken lässt“, sagt die Kuratorin Margret Baumann.

Seit der Publikation von George Orwells modernem Klassiker „1984“, steht der Begriff „Big Brother“ für totalitäre Strukturen und ständige Kontrolle. Heute erscheint die Ausgangssituation dieses damals völlig fiktionalen Romans erschreckend real: Durch unsere ständige Medienpräsenz offenbaren wir – häufig ohne darüber nachzudenken – private Daten, die von Algorithmen gesammelt und zu einem ökonomisch wertvollen, erschreckend präzisen Bild unserer Persönlichkeit und unserer Bewegungsmuster zusammengefügt werden.

Wie in sozial- und gesellschaftskritischen Gemälden und Zeichnungen des deutsch-amerikanischen Malers, Grafikers und Karikaturisten George Grosz lassen auch einige Figuren Avignons tief unter abgehobene Schädeldecken blicken.

Jim Avignon (*1968) ist eine schillernde Persönlichkeit: Er ist deutscher Pop-Art-Künstler und Vertreter der „Art modeste“ (wörtlich: bescheidene Kunst). Seine offizielle Karriere als Maler begann er in den frühen 1990er Jahren mit Dekorationen und Bühnenbildern für Rave-Veranstaltungen. Er hat viele Jahre in New York gearbeitet. Derzeit lebt er wieder in Berlin. Vor seiner Karriere als Künstler arbeitete er eigenen Angaben zufolge unter anderem als Programmierer, Altenpfleger und Schulbusfahrer.

„A BIGGER BROTHER“ ist bis zum 26. Mai 2019 in den KUNST|RÄUMEN der Dauerausstellung im ‚Museum für Kommunikation Frankfurt‘ zu sehen – weitere Informationen unter:  www.mfk-frankfurt.de

Bernd Heier

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