Große ‚Piet-Mondrian-Retrospektive‘ im Museum Wiesbaden… „Natur und Konstruktion“ präsentiert Ikonen der Moderne

21 Nov
2018

Piet Mondrian „Komposition mit großer roter Fläche, Gelb, Schwarz, Grau und Blau“, Öl auf Leinwand,1921; Sammlung Gemeentemuseum Den Haag, Niederlande

Wiesbaden –  Der niederländische Maler Piet Mondrian (1872–1944) zählt – gemeinsam mit Kasimir Malewitsch und Wassily Kandinsky – zu den prominentesten Vertretern der abstrakt-geometrischen Kunst.

Seinem Werk widmet das Landesmuseum Wiesbaden unter dem Titel „Natur und Konstruktion“ die erste groß angelegte Retrospektive im Rhein-Main Gebiet. „Dieses anspruchsvolle Projekt konnte“, wie Museumsdirektor Dr. Alexander Klar betont, „nur in Zusammenarbeit mit dem Gemeentemuseum Den Haag umgesetzt werden, wo die bedeutendste Mondrian-Sammlung weltweit bewahrt wird“.

Da das Gemeentemuseum nach gut 20 Jahren eine Jawlensky-Übersichtsschau zeigen wollte, beschlossen die Museumsleiter ganz simpel einen Gemälde-Austausch: 60 Werke von Jawlensky gegen 60 Werke von Mondrian, die bis zum 17. Februar 2019 in Wiesbaden zu bewundern sind. 49 Gemälde und 11 Grafiken zeigen alle Entwicklungsstufen Mondrians – ausgehend von der naturalistischen Malerei Mitte der 1890er-Jahre, über eine abstrahierende Phase bis hin zur abstrakten, gegenstandslosen Malerei der 1920er- und 1930er-Jahre. Überraschend ist, dass der Maler während der von ihm als „neoplastisch“ bezeichneten späten Schaffensphase auch noch naturalistisch arbeitete.

Mondrian spielte bei dem radikalen Umbruch in der Kunst an der Schwelle des 19. und 20. Jahrhunderts eine entscheidende Rolle. Spätestens seit der Gründung der Gruppe „De Stijl“ 1917 in Leiden gehört der holländische Maler mit seinen streng geometrischen, zumeist lediglich in Primärfarben ausgeführten Werken zu den wichtigsten Künstlern der Klassischen Moderne.

„Die in jener letzten Schaffensperiode entstandenen Arbeiten gelten heute als Ikonen der modernen Kunst. Mondrian prägte mit dem von ihm erfundenem strengen Raster und der strikten Konzentration auf die Farben Rot, Gelb und Blau aber nicht nur die Malerei des 20. Jahrhunderts, sondern auch grenzüberschreitend Innenarchitekten, Typografen oder Modedesigner“, erläutert Kurator Dr. Roman Zieglgänsberger.

Piet Mondrian „Oostzijder Mühle am Abend“, 1907/08, Öl auf Leinwand; Sammlung Gemeentemuseum Den Haag, Niederlande

Weniger bekannt ist dagegen Mondrians Schaffen vor der „De Stijl“-Wende. Der Grund hierfür liegt im weltberühmten Spätwerk, das derart herausragt, dass seine künstlerischen Anfänge, etwa die unzähligen Landschaften, nahezu völlig ausgeblendet wurden.

Dabei lassen sich auch in diesen frühen Arbeiten bereits gewisse geometrische Module ablesen. Das zeigt beispielsweise die „Oostzijder Mühle“, die ein Schlüsselbild im Frühwerk des Künstlers ist. Ganz ungewöhnlich ist die Ausrichtung der Windmühlenflügel: Es dürfte sich um die einzige Windmühle der Kunstgeschichte mit orthogonal dargestellten Flügeln handeln, die dadurch die Form eines geometrischen Kreuzes annehmen.

Die großartige Präsentation, die unter der Schirmherrschaft des Botschafters des Königreichs der Niederlande Wepke Kingma steht, wird durch den Kulturfonds Frankfurt RheinMain gefördert. „Piet Mondrian – Natur und Konstruktion“,  ist bis zum 17. Februar 2019 im Landesmuseum Wiesbaden zu sehen.  –  Weitere Informationen unter:  www.museum-wiesbaden.de

Bernd Heier

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