TIPP einer 104-Jährigen: „Heiter und ohne Stress arbeiten, nicht neidisch sein und viel Minestrone essen“ … AUSSTELLUNG im Frankfurter Weltkulturen Museum

19 Nov
2018

Jake Verzosa „The Last Tattooed Women of Kalinga“, BayadaGumaad, Philippinen; © Courtesyofthe Artist – Abbildung: Weltkulturen Museum

Frankfurt am Main – „GREY IS THE NEW PINK – Packende Momentaufnahmen des Alterns” im Frankfurter Weltkulturen Museum – Lange Zeit fällt es einem leicht diesen Entwicklungsprozess zu ignorieren, aber dann ist er offensichtlich und unabänderlich: Jeder Mensch wird jeden Tag älter und plötzlich ist er alt.

Damit steht der Einzelne nicht allein. Die demografische Entwicklung prognostiziert weltweit eine Zunahme an älteren Menschen in der Bevölkerung. Das Älterwerden spielt jedoch nicht nur für jeden Einzelnen eine wichtige Rolle, sondern hat auch Auswirkungen auf die gesellschaftlichen und kulturellen Prozesse in den jeweiligen Ländern. Doch jede Generation altert anders.

Und ab wann kann man überhaupt von „Altsein” sprechen? Auch wenn es einheitliche biologisch sichtbare Alterungsprozesse gibt, so weist doch jede Kultur in der Bestimmung von „Alter” erhebliche Unterschiede auf.

Eine allgemeingültige Definition der Lebensphase „Alter” gibt es nicht. Wer ist also wo und wann alt? Kann man der „Herausforderung Alter” optimistisch begegnen? Und welche Potenziale schlummern im Älterwerden? Diese vielen Facetten beleuchtet die variantenreiche Schau mit dem geheimnisvollen Titel „GREY IS THE NEW PINK – Momentaufnahmen des Alterns” im Weltkulturen Museum Frankfurt.

Um Antworten näherzukommen, hat das Weltkulturen-Museum neue Wege beschritten: Weltweit rief das renommierte Haus mit den umfangreichen ethnologischen Sammlungen alle dazu auf, das eigene „Bild vom Altern“  einzureichen. Dabei waren der Fantasie für die Beiträge keine Grenzen gesetzt.

Die Resonanz auf den „Call for Content“! war überwältigend: Über  350 beeindruckende Einsendungen. Eine vielfältige Auswahl von 165 visuellen Beiträgen ist jetzt in den „Momentaufnahmen des Alterns” zu sehen – Momentaufnahmen, die Anlass zum Nachdenken, zur Diskussion und zum Handeln geben sollen.

Ausstellungsansicht; Sarg in Gestalt eines Adlers von Seth Kane Kwei, Ghana; Foto: Wolfgang Günzel – Abbildung: Weltkulturen Museum

In der vielseitigen Schau nähern sich internationale Wissenschaftler*innen, Künstler*innen und

Lyriker*innen, aber auch jüngere und ältere Menschen mit den unterschiedlichsten Medien, wie Fotografien, Filmen, Literatur, Zeichnungen und Gesprächen dem Thema Alter(n) an. Zahlreiche Exponate aus der Sammlung sowie der Bibliothek des Weltkulturen Museums ergänzen und erweitern die Momentaufnahmen.

„Wie Bruchstücke einer Lebenserinnerung fügt die Ausstellung den individuellen Umgang mit Themen wie Lifestyle, Liebe und Sexualität, Weitergabe von Wissen, Langlebigkeit, Krankheit, Gesundheit und Tod zu einer Anthologie des Alterns zusammen und zeigt Möglichkeiten eines aktuellen und zukünftigen Umgangs mit der Lebensphase ,Alter‘ auf“, erläutert Alice Pawlik, Kuratorin für Visuelle Anthropologie im Weltkulturen Museum.

Auf besonderes Interesse der Besucher dürften die Themen „Geheimnisse der Langlebigkeit und „Ableben“ stoßen. Vital und glücklich bis ins hohe Alter ist heute keine Seltenheit. Das wird dem Soziologen Dan Buettnerzufolge zu 90 Prozent vom Lebensstil bestimmt. Dieser Meinung ist auch die 104-jährige Tonia Nola aus Sardinien. Auf die Frage „Wie lebt man lange“? gab sie zur Antwort: „Heiter und ohne Stress arbeiten, nicht neidisch sein und viel Minestrone essen“. Eine Hilfe dabei dürfte „Das Kochbuch der 100-Jährigen“ sein. Und wenn das geschafft ist, macht Edward J. Palkot aus Garden City New York Mut: „Die ersten hundert Jahre sind die schwersten – danach läuft es von alleine“.

„GREY IS THE NEW PINK – Momentaufnahmen des Alterns” bis 01. September 2019 im Weltkulturen Museum; weitere Informationen unter: www.weltkulturenmuseum.de

Bernd Heier

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