Schlaganfall – und dann? … Wie ein erneuter Hirninfarkt verhindert werden kann …

1 Nov
2018

Bild: DSG

Berlin – Experten empfehlen intensive präventive Behandlung: Ein Schlaganfall kommt häufig nicht alleine – wer bereits einen Hirninfarkt erlitten hat, besitzt gegenüber Gleichaltrigen ohne Vorbelastung ein zehnfach höheres Risiko, erneut daran zu erkranken – dies ist die schlechte Nachricht.

Die gute Nachricht ist:  Einem zweiten Schlaganfall kann effektiv vorgebeugt werden: Laut Experten der Deutschen Schlaganfall-Gesellschaft (DSG) sind 90 Prozent des Erkrankungsrisikos auf behandelbare Faktoren wie Bluthochdruck, hohes Cholesterin, Vorhofflimmern oder Rauchen zurückzuführen. Sie empfehlen deshalb eine intensive präventive Behandlung – die aus ihrer Sicht hierzulande momentan zu kurz kommt. Doch was muss sich konkret ändern, damit mehr erneute Schlaganfälle verhindert werden?

„Seit vielen Jahren stehen hierzulande wissenschaftlich gesicherte Behandlungsstrategien wie Blutdrucksenkung, Cholesterinsenkung oder gerinnungshemmende Therapien zur Verfügung. Diese Strategien helfen nachweislich, einen erneuten Schlaganfall zu verhindern“, sagt DSG-Experte Professor Dr. med. Heinrich Audebert: „Problematisch ist jedoch, dass die verfügbaren Präventionsmaßnahmen in der Langzeit-Behandlung nach einem Schlaganfall nicht konsequent genug genutzt werden.“

So hat eine Berliner Studie gezeigt, dass ein halbes Jahr nach dem Schlaganfall bei lediglich weniger als der Hälfte der Patienten verbreitete Risikofaktoren wie Bluthochdruck ausreichend behandelt wurden. Nach Einschätzung von Audebert, Ärztlicher Leiter der Klinik und Hochschulambulanz für Neurologie an der Charité Universitätsmedizin Berlin, ist die Prävention in Deutschland im internationalen Vergleich zu wenig wirksam: „Viele Patienten könnten von einer intensiveren ambulanten Betreuung profitieren.“ Zudem seien offensichtlich viele Betroffene nach dem Schlaganfall mit der Umsetzung der teilweise komplexen medizinischen Empfehlungen überfordert.

Konkret schlägt der DSG-Experte vor: „Wir sollten den Schlaganfall nicht nur als akutes Notfallereignis verstehen, sondern vielmehr als chronische Erkrankung. Die starke Trennung zwischen krankenhausbasierter Akutbehandlung und ambulanter Nachbetreuung macht eine wirksame und patientenorientierte Sekundärprävention zu einer großen Herausforderung.“ Aus diesem Grunde sollten unmittelbar nach der Erkrankung gezielte Nachbetreuungsprogramme einsetzen, bei der die behandelnden Ärzte – sowohl in der Akuteinrichtung als auch in Hausarztpraxen – eng zusammenarbeiten.

Ziel sei es, die Patienten in ihrer Eigenverantwortung zu stärken. „Die Programme sollen den Betroffenen helfen, ihre medikamentösen Behandlungen einzuhalten und einen gesünderen Lebensstil zu führen.“ Wenn solche gezielten Maßnahmen zukünftig häufiger umgesetzt würden, könnte das laut Audebert zu einer spürbaren Senkung der Schlaganfallhäufigkeit in Deutschland führen – denn circa ein Viertel der Betroffenen erleidet einen Schlaganfall als Wiederholungsereignis.

hbh

Bitte besuchen und liken Sie auch unseren Facebook-account

Ihre Meinung ist uns wichtig

oben