JUSTITIA ist zurückgekehrt und krönt wieder den ‚Gerechtigkeitsbrunnen‘ auf dem Römerberg in Frankfurt am Main

12 Okt
2018

Justitia kehrt zurück auf den Römerberg: Peter Feldmann, Dr. Ina Hartwig und Bürger • Foto: Stadt Frankfurt am Main – Hauptamt und Stadtmarketing / Salome Roessler

Frankfurt am Main „Unser Gerechtigkeitsbrunnen ist weit über die Stadtgrenzen hinaus bekannt. Weltweit ist er zudem einer der wenigen Brunnen, die der Göttin der Gerechtigkeit geweiht sind. Die Justitia passt nicht nur in vergangene Zeiten, sie passt in unsere heutige Demokratie und in unser Empfinden vom Rechtsstaat,“ betont Oberbürgermeister Peter Feldmann.

Im vergangenen Jahr wurde die Figur der Justitia abgebaut und erhielt eine konservierende Wachsbehandlung. Kulturdezernentin Dr. Ina Hartwig sagt: „Die symbolträchtige Figur komplettiert die Gestaltung unserer neuen Altstadt. Im Namen der Stadt Frankfurt danke ich dem Verein ‚Freunde Frankfurts‘ sehr herzlich, dass er sich seit mehr als 90 Jahren für das kulturelle Erbe unserer Stadt einsetzt und aufgrund zahlreicher Spenden der Justitita zu neuem Glanz verholfen hat. Dieses bürgerschaftliche Engagement zeichnet unsere Stadt aus und wir sind dankbar, dass der Verein zum Erhalt bedeutsamer Baudenkmäler in der Stadt beiträgt.“

Die Frankfurter Justitia blickt auf eine bewegte Geschichte zurück. Im Jahr 1543 wurde auf dem Römerberg der erste Röhr-/Springbrunnen Frankfurts errichtet. Die Sandsteinbrüstung entstammt bis heute teilweise noch dem Erbauungsjahr 1542. 1610 wurde der Brunnen neu gestaltet und erhielt sein heutiges Aussehen: Ein steinerner Brunnenstock mit einer Justitia. Zwei Jahre später flossen zur Krönung Kaiser Matthias‘ aus extra angebrachten Adler- und Löwenköpfen Rot und Weißwein. In ihrer Begeisterung über den Ausschank ramponierten die Frankfurter den Brunnen derart, dass der Magistrat der Stadt zur Krönung Kaiser Ferdinands II im Jahr 1619 einen zusätzlichen Brunnen als Weinspender aufstellen ließ.

1863 befand sich der Gerechtigkeitsbrunnen in einem derart desolaten Zustand, dass er zum Deutschen Fürstentag unter Blumenkaskaden verschwand, später wurde er unter einer Bretterbude versteckt. Der Justitia wurde mehr als einmal die Waage geraubt, 1874 war sie selbst so ramponiert, dass sie entfernt wurde. 1887 machte eine Spende des Weinhändlers Gustav Dominikus Manskopf die Erneuerung der Figur möglich. Das bis heute bestehende Ziergitter mit den vergoldeten Stadtadlern stammt von Alexander Linnemann aus dem Jahre der Erneuerung 1887.

Vom Bombardement des 2. Weltkriegs blieben Brunnen und Figur weitgehend verschont. Von 1945 bis 1947 stand die Justitia in den Räumen der Militärregierung, die im Gebäude der Metallgesellschaft am Reuterweg residierte. 1970 zog sie abermals um – wegen des Baus der U-Bahn und der Tiefgarage wurde das Ensemble abgetragen und nach Abschluss der Arbeiten nur wenige Meter versetzt von seiner ursprünglichen Stelle wieder aufgebaut. 2007 wurden Brunnenschale und Figur restauriert. Ein bemerkenswertes Detail der Frankfurter Justitia ist das Fehlen der sonst üblichen Augenbinde.

ffm/gw

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