„Der Duft der Bilder“ in den Opelvillen … Kunst nicht nur sehen, sondern auch riechen

30 Sep
2018

James Welling „021B, 2011“ Druck auf Plexiglas; © James Welling, Courtesy Regen Projects, Los Angeles

Rüsselsheim – Als Ernesto Ventós Omedes vor dem Bild „Lavenda“ von  Albert Ràfols-Casamada stand, da nahm er das stimmungsvolle Gemälde nicht nur mit den Augen wahr, sondern auch mit der Nase:

Der Lavendelduft stieg ihm förmlich in die Nase. Das ist nicht ganz überraschend, denn der in Barcelona beheimatete Ernesto Ventósist von Beruf Parfümeur. Nach diesem intensiven Seh- und Geruchserlebnis begann der Katalane, vor vierzig Jahren eine Sammlung zeitgenössischer Kunst nach sehr persönlichen Kriterien aufzubauen.

„Für Ventós duften Kunstwerke. Damit ist nicht der tatsächliche Geruch eines Werkes gemeint, sondern dass für ihn beim Betrachten eines Werks davon eine Erinnerung an einen besonderen Duft ausgehen kann“, erläutert Dr. Beate Kemfert, Stiftungsvorstand und Direktorin der Opelvillen. Ihm geht es in erster Linie darum, die Sinne miteinander zu verbinden und zu aktivieren.

Ernesto Ventós begann zunächst Werke spanischer Künstler zu sammeln, später auch international arrivierter Kunstschaffender. Ziel seiner konsequenten Sammlungstätigkeit ist es, Betrachter „mittels Kunst das Riechen zu lehren und zugleich Kunst durch eine Duftnote verständlicher zu machen. „Dafür entwickelte Ventós für jedes seiner erworbenen Kunstwerke eine eigene Essenz“, so Kemfert.

Christo „WrappedFlowers“, 1966, Plastikblumen, Polyethylen und Schnur; © Christo

Es entstand eine einzigartige Sammlung internationaler Fotografie-, Objekt- und Videokunst. Eine sorgfältige Auswahl von 55 Arbeiten ist jetzt in der originellen Präsentation „Der Duft der Bilder – Werke der colecciónolorVisual“ in den Opelvillen, Rüsselsheim, zu bewundern. Die Arbeiten sind erstmals außerhalb von Spanien zu sehen und laut Kemfert eine „typische Opelvillen-Schau“.

Die mit großem Enthusiasmus zusammengetragenen Werke laden die Besucher nicht nur zum Betrachten, sondern auch zum Schnuppern ein. Neben 19 bisweilen fragil, ja morbid wirkenden Arbeiten stehen kleine Duftbehälter mit weißen Granulaten, in denen Ventós den Duft eingefangen hat, mit dem er das jeweilige Werk assoziiert. Das „entschleunigt“ den lohnenden Besuch der ungewöhnlichen Schau – dafür sollte sich der Betrachter Zeit nehmen.

Zu sehen sind in den Opelvillen u.a. Werke von: Eduardo Chillida ● Christo ● Equipo 57 ● Rebecca Horn ● David Nash ● Carlos Pazos ● Albert Ràfols-Casamada ● Sean Scully ● Antoni Tàpies ● Wolfgang Tillmansund James Welling.

„Der Duft der Bilder – Werke der colecciónolorVisual“  bis 06. Januar 2019 in den Opelvillen, Rüsselsheim – weitere Informationen unter: www.opelvillen.de

Bernd Heier

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