„Männchen malen und Jazz spielen, und sogar davon leben … “ – Hommage an Volker Kriegel im „Caricatura Museum Frankfurt“

18 Sep
2018

Karneval der Tiere; ©Volker Kriegel – Abbildung: Caricatura Museum Frankfurt

Frankfurt am Main Er reüssierte bereits in jungen Jahren als Cartoonist und Musiker. „Männchen malen und Jazz spielen, und sogar davon leben zu können – wer hätte das gedacht? – Wow“. Volker Kriegel schien von seinem frühen Erfolg zunächst selbst überrascht.

Schon mit 13 Jahren lernte er autodidaktisch Gitarre und wurde noch als Oberschüler zum besten Nachwuchsgitarristen beim deutschen Amateur-Jazz-Festival in Düsseldorf gekürt. Parallel dazu erschienen seine ersten Cartoons in der Schülerzeitung „Revue“. Mit der Mainmetropole war Volker Kriegel stets aufs Engste verbunden. In Darmstadt 1943 geboren, in Wiesbaden aufgewachsen, zog es ihn früh in die Bankenstadt. Nach dem Abitur begann Kriegel an der Universität Frankfurt Soziologie- und Philosophie  bei Theodor W. Adorno zu studieren.

In dieser Zeit machte er im Frankfurter Jazzkeller Bekanntschaft mit der hiesigen Jazz-Szene rund um Posaunist Albert Mangelsdorff und Saxophonist Emil Mangelsdorff. Mit eigenem Trio und Quartett wurde er zu Radioaufnahmen eingeladen. Volker Kriegel avancierte zu Deutschlands Jazz-Gitarristen Nummer eins und galt als Pionier des Jazz-Rock in Europa.

Doch nicht die Karriere des begnadeten Musikers steht im Zentrum der umfangreichen Sonderausstellung „Volker Kriegel“, die das Caricatura Museum Frankfurt – Museum für Komische Kunst dem Multitalent widmet, sondern sein facettenreiches zeichnerisches Œuvre. In der Schau, die bis zum 20. Januar 2019 im Leinwandhaus zu bewunden ist, sind rund 420 Exponate zu sehen, darunter etwa 330 Originale. Rund die Hälfte der Leihgaben hat Ev Kriegel, die Witwe des bereits mit 59 Jahren verstorbenen Künstlers, beigesteuert und die anderen das Wilhelm Busch – Deutsches Museum für Karikatur und Zeichenkunst, Hannover.

Volker Kriegel; © Volker Kriegel – Abbildung: Caricatura Museum Frankfurt

Schon während seiner erfolgreichen Tätigkeit als Musiker veröffentlichte Kriegel seine hintersinnigen Cartoons – oft schwarz-weiß mit Tusche oder farbig mit Tusche und Aquarell gemalt. Ende der 1970er Jahre wandte er sich vermehrt dem Zeichnen und Schreiben zu und besann sich auf eine, wie er es nannte, „leisere, stillere Variante des Erfindens“. Der Künstler mit der Trippelbegabung betätigte sich nicht nur als Zeichner und Illustrator, sondern auch als Rundfunkautor, Dokumentarfilmer, Übersetzer, Erzähler und Dichter:

Mit dem Cartoon-Buch „Hallo und andere wahren Geschichten“ und mit dem musikalischen Märchen „Der Rock´n´Roll-König“ erschienen 1982 seine beiden ersten Bücher. In jener Zeit begann auch die fruchtbare Zusammenarbeit mit dem Züricher Haffmanns-Verlag: Dort veröffentlichte Kriegel regelmäßig Arbeiten im Literaturmagazin „Der Rabe“ und illustrierte beispielsweise Bücher und Buchcover von Gustave Flaubert, Heinrich Heine, Julian Barnes, David Lodge, Gerhard Polt und Roger Willemsen. Einige der von ihm illustrierten Werke übersetze der vielseitige Künstler auch selber, so „Ein Weihnachtsmärchen“ von Charles Dickens. Neben seinen Buchprojekten publizierte Volker Kriegel Cartoons und Illustrationen zum Beispiel in der F.A.Z., der Süddeutschen Zeitung und der Neuen Zürcher Zeitung.

In seinen ungezählten Karikaturen, Cartoons, Bildgeschichten thematisierte er komische Alltagssituationen und die Sujets Essen, Trinken sowie Kunst und natürlich Musik. In der übersichtlich thematisch gehängten Schau werden u.a. alle Originale aus dem ersten Cartoon-Buch „Hallo und andere wahre Geschichten“ präsentiert und die herzerfrischenden Hunde-Cartoons, die als „Kriegels Kleine Hunde-Kunde“ 1986 erschienen sind (übrigens mit einem Vorwort von Robert Gernhardt). Ebenfalls zu sehen sind einige von Kriegels köstlichen Bierbildern sowie eine Auswahl kulinarischer Karikaturen – ein für den Genussmenschen Kriegel zentrales Thema. Daneben versammelt die Frankfurter Schau seine großartige Serie zum Thema „Körpersprache und Fußball“ mit verblüffenden Kommentaren. Hohe Bekanntheit erlangte Kriegel, der am 24. Dezember in diesem Jahr 75 Jahre alt geworden wäre, mit seinen illustrierten Kindererzählungen, wie die weltweit verlegte und in mehrere Sprachen übersetzte weihnachtliche Kindergeschichte „Olaf, der Elch“.

Die höchst unterhaltsame von Lea Willimann kuratierte Schau „Volker Kriegel“ ist bis zum 20. Januar 2019 im Caricatura Museum Frankfurt – Museum für Komische Kunst zusehen – weitere Informationen unter: www.caricatura-museum.de  –  Und am 30. September 2018 feiert das Caricatura – das jüngste Mitglied der Frankfurter Museumsfamilie – im Mousonturm mit der Groß-Gala „Im Zeichen des Elchs“ sein 10jähriges Jubiläum.

Bernd Heier

Bitte besuchen und liken Sie auch unseren Facebook-account

Ihre Meinung ist uns wichtig

oben