2.000 Jahre alter „Bronzen-Pferdekopf“ jetzt öffentlich zu bewundern – ab 19.08.2018 auf der Saalburg

2 Aug
2018

Saalburg • Bild: von en:User:Ekem [Public domain], via Wikimedia Commons

Wiesbaden – Rund 2.000 Jahre hat er unter der Erde gelegen. Ab 19. August 2018 wird der Pferdekopf aus vergoldeter Bronze, der 2009 in Waldgirmes (Lahn-Dill-Kreis) gefunden wurde, der Öffentlichkeit gezeigt.

Er ist der Höhepunkt in der neuen Dauerausstellung der Saalburg zum römischen Waldgirmes, die mit einem großen Bürgerfest eröffnet wird.

Dazu erklärt Wissenschafts- und Kunstminister Boris Rhein: „Die Ausstellung dieser Funde stellt die römischen Objekte der Limeszeit im Saalburgmuseum in einen historischen Rahmen, der zum weiteren Verständnis vom Wandel des Menschen und seiner Fertigkeiten in der Zeit beiträgt. Das Zusammenleben von Kelten, Römern und Germanen über mehrere Jahrhunderte, in den größeren Regionen zwischen Taunus und Lahntal sowie in verschiedenen historischen Gesamtkontexten, wird durch die Zusammenschau der Artefakte in der neuen Ausstellung unmittelbar anschaulich.“

Der Pferdekopf war Teil einer vergoldeten bronzenen Reiterstatue aus der römischen Kaiserzeit mit – vermutlich – Kaiser Augustus im Sattel. Bei den Grabungen in Waldgirmes wurde der 15 Kilogramm schwere, 59 Zentimeter lange Kopf, der in etwa elf Metern Tiefe in einem Holzfass unter Mühlensteinen begraben war, am Boden eines einstigen Brunnenschachts gefunden. Auch der linke Fuß des Reiterstandbilds und ein Stück des Zaumzeugs wurden dabei freigelegt. Der Brunnen befindet sich in einer ehemaligen zivilen Siedlung des römischen Reiches. Zwischen 1993 und 2012 wurde das Areal archäologisch erforscht. Etwa 4,4 der insgesamt 8 Hektar großen Siedlung wurden ausgegraben. Gefunden wurden unter anderem auch Reste von Gebäuden, Säulenhallen, einer Basilika und Postamente für Statuen.

Der Pferdekopf wurde in den Restaurierungswerkstätten im Landesamt für Denkmalpflege aufwändig restauriert (Kosten: 75.000 Euro). Hierbei stand die langfristige Erhaltung des Originalfunds im Vordergrund, keinesfalls eine Rekonstruktion. Daher wurden lediglich die noch vorhandenen Reste der Vergoldung gereinigt und gefestigt. Im Übrigen nahmen die Restauratoren keine neue Vergoldung der weiteren Teile vor.

Die Entstehung des Pferdekopfs wird in die Zeit zwischen 4 v. Chr. und 16 n. Chr. geschätzt. Verschiedene Hinweise sprechen nach Ansicht von Experten dafür, dass der Brunnen nach dem Jahr 7 n. Chr. absichtlich und vollständig verfüllt wurde. Nach Ausweis dendrochronologischer Daten wurde die gesamte Siedlung im heutigen Waldgirmes am Ende des Jahres 9 oder Anfang des Jahres 10 n. Chr. zerstört und niedergebrannt. Experten vermuten deshalb, dass die Zerstörung des gesamten Komplexes mit der für die Römer katastrophalen Niederlage in der Varus-Schlacht im Jahre 9 n. Chr. zusammenhängen könnte.

„Der Pferdekopf selbst ist schon ein sensationeller archäologischer Fund. Aber im Zusammenhang mit dem Entstehungskontext ist es wirklich kaum in Worte zu fassen, von welcher herausragenden Bedeutung dieses Exponat für unser kulturelles Erbe ist“, sagt Minister Rhein. Auch materiell hat der Fund außergewöhnliches Gewicht: In der juristischen Auseinandersetzung um die Entschädigung für den Landwirt, auf dessen Grundstück der Pferdekopf gefunden worden war, hat das Landgericht Limburg jetzt in erster Instanz entschieden. Nach einem Beschluss des Regierungspräsidiums Gießen hatte der Landwirt 2016 bereits 48.000 Euro als Enteignungsentschädigung erhalten. Doch der Grundstückseigentümer erhob gegen die seines Erachtens zu niedrige Festsetzung des Regierungspräsidiums Klage beim Landgericht Limburg, das nun die Entschädigungssumme auf weitere 773.000 Euro festgelegt hat.

Saalburg 1 · 61350 Bad Homburg vor der Höhe – www.saalburgmuseum.de

Bernd Heier

Bitte besuchen und liken Sie auch unseren Facebook-account

Ihre Meinung ist uns wichtig

oben