Vorteile regelmäßiger Blutspenden … „Findet die fehlenden Millionen!“ – Auf der Suche nach unentdeckten Hepatitis-Infektionen

30 Jul
2018

Bild: Pixabay

Ulm – Die chronischen Erkrankungen Hepatitis B und C betreffen schätzungsweise 300 Millionen Menschen weltweit, auch in Deutschland gehen Experten von hunderttausenden Patienten aus. Unbehandelt können diese Infektionen über die Jahre hinweg zu Zirrhose und Leberkrebs führen.

Durch Vorbeugung, rechtzeitige Diagnose und Therapie lassen sich allerdings chronische Krankheitsbilder verhindern. Hepatitis B ist durch Medikamente kontrollierbar und Hepatitis C durch neue, seit etwa zehn Jahren zur Verfügung stehenden Medikamenten inzwischen fast immer heilbar. Um Hepatitis-Infektionen erfolgreich zu bekämpfen, ist es jedoch dringend notwendig, dass Betroffene überhaupt von ihrer Infektion erfahren.

Viele Menschen tragen ein Hepatitis-Virus in sich, ohne davon zu wissen. Die Deutsche Gesellschaft für Transfusionsmedizin und Immunhämatologie (DGTI) erinnert anlässlich des Welt-Hepatitis-Tags an die Bedeutung der bei der Blutspende regelmäßig durchgeführten Untersuchungen. Mit dem diesjährigen Motto „Findet die fehlenden Millionen!“ wird der Anspruch deutlich, die unentdeckten Infektionen zu erkennen.

„Nur durch die gemeinschaftliche Anstrengung aller medizinischen Fachkreise und der Öffentlichkeit kommen wir unserem gemeinsamen Ziel näher, die Virus-Hepatitis einzudämmen oder gar zu eliminieren“, erklärt Transfusionsmediziner Professor Dr. med. Harald Klüter, Vorsitzender der DGTI und Institutsdirektor des DRK-Blutspendedienstes Baden-Württemberg–Hessen: „Die Transfusion von Blut und Blutprodukten zählt zu einer der häufigsten und dank moderner Untersuchungsmethoden auch sehr sicheren Therapiemaßnahmen in der Medizin. Bei jeder Blutspende wird den Spendern eine Blutprobe entnommen und im Labor unter anderem auf die Hepatitis-Viren A, B und C untersucht.“

Jährlich werden durch die deutschen Blutspende-Einrichtungen somit über fünf Millionen Blutspenden von über zwei Millionen Menschen auf Hepatitiserreger untersucht. Damit bieten die deutschen Transfusionsmediziner das landesweit größte vorbeugende Untersuchungsprogramm für diese Infektionserkrankungen an. „In unseren Labors untersuchen wir das Spenderblut auf frühe Marker der Virus-Hepatitis A bis C mit einer weltweit als erstes in Deutschland entwickelten Methode der Nukleinsäure-Amplifikationstechnik (NAT). Außerdem wird das Blut auf späte Labormarker getestet, bei denen die gebildeten Immunantikörper einen Hinweis auf eine durchgemachte Erkrankung geben“, erläutert Professor Dr. Holger Hennig, stellvertretender Direktor am Institut für Transfusionsmedizin, Universitätsklinikum Schleswig-Holstein in Lübeck: „Unsere Erfahrungen mit diesen Methoden reichen jetzt über 20 Jahre zurück. Heute ist es glücklicherweise sehr unwahrscheinlich geworden, sich durch eine Blutübertagung mit Hepatitis A, B oder C zu infizieren.“

Bluttransfusionen sind bei der Behandlung von verschiedenen Krankheitsbildern, schweren Operationen und Verletzungen mit hohem Blutverlust unverzichtbar. Blut rettet Leben – doch bedingt durch den demografischen Wandel wird die Blutversorgung schwieriger, der Bedarf an Blut ist aber weiterhin hoch. Blutspender leisten aus diesem Grund neben der guten Tat für andere auch einen wichtigen Beitrag für die eigene Gesundheit: Denn jeder Blutspender wird vor der Spende ärztlich untersucht, erhält eine Rückmeldung zu seinem Blutdruck oder seinem roten Blutfarbstoff und das Blut wird auf verborgene Krankheitserreger wie Hepatitis oder HIV untersucht.

So verdanken nicht nur viele Blutempfänger ihr Leben einem ihnen unbekannt bleibenden Blutspender, auch etliche Blutspender profitieren von der frühzeitigen Erkennung von Krankheiten durch die Tauglichkeitsuntersuchung.

hbh

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