Radikale Farbmalerei im Museum Wiesbaden … Europaweit erste Retrospektive des US–amerikanischen Künstlers Joseph Marioni

5 Jul
2018

Ausstellungsansicht – Foto: Bernd Heier

Wiesbaden – Die europaweit erste Retrospektive des Schaffens eines Malers, der sich wie kaum ein anderer der Kunstströmung des „radicalpainting“ und den ureigenen Bedingungen der Malerei verschrieben hat, zeigt das Museum Wiesbaden.

Joseph Marioni lotet die Möglichkeiten des Farbauftrags und der Leuchtkraft von Pigmenten in seinen vielschichtigen, monumentalen Gemälden aus. In der mit „Liquid Light“ betitelten Ausstellung sind 35 seiner, mehrheitlich großformatigen Arbeiten zu sehen. Auf Marioni’s Wunsch ergänzen 10 Arbeiten von Peter Tollens, Michael Toenges und Ulrich Wellmann die beeindruckende Schau, die bis zum 14. Oktober 2018 im Landesmuseum zu sehen ist.

Joseph Marioni (*1943 in Cincinnati, USA) ist einer der führenden Vertreter des „radicalpainting“, einer Kunstströmung der 1960er und 1970er Jahre, die sich ganz der Farbe – und vor allem deren Auftrag und Wirkung – verschrieben hat. „Zentraler Gegenstand dieser Kunstform ist die Selbstbefragung der Malerei in der Modernen. Nicht das Figürliche oder das Abstrakte, sondern das Material, die Beschaffenheit der Leinwand selbst und der Farbauftrag bestimmen die Arbeit dieser gegenstandslosen Kunstform“, erläutert Dr. Jörg Daur, Kustos für moderne und zeitgenössische Kunst.

Joseph Marioni erläutert bei dem Presserundgang gestenreich seine Arbeitsweise – Foto: Bernd Heier

Im Spannungsfeld von Farbe, Licht und Malkörper schafft Marioni durch den wiederholten Auftrag von Farbe nahezu monochrome Arbeiten auf Leinwand, die – je nach Lichteinfall und Position des Betrachters – im Raum die ihnen zu Grunde liegenden Farbschichten freilegen. Abhängig von dem Farbauftrag verwendet er 12 verschiedene Leinwandarten.

Den Rändern und Kanten der Gemälde kommt dabei besondere Bedeutung zu. Dort wo die Malschicht ausfranst, gibt sie Aufschluss über den Prozess ihrer Entstehung: Malerei wird auf ihre Grundbedingungen zurückgeführt und Bild für Bild „wortwörtlich“ neu aufgebaut.

Mit „Liquid Light“ präsentiert das Museum Wiesbaden erstmals in Europa einen breit angelegten Überblick über das mehr als fünf Jahrzehnte anhaltende Schaffen Joseph Marionis, von den Anfängen seiner Malerei bis in die aktuelle Gegenwart. Die chronologisch, mit engagierter Unterstützung des Künstlers gehängte Schau zeichnet den ganz eigenständigen Weg des konsequenten Malers nach.

„Anhand von 35 Arbeiten zeigt die Ausstellung, wie Licht und Farbe in lasierenden Schichten zu einer Einheit werden und gibt tiefe Einblicke in die malerischen Möglichkeiten des Farbauftrags. Der Fokus liegt auf der Materialität der Malerei und auf der Kunst, Licht mit Pigmenten auf den Oberflächen der Gemälde verschmelzen zu lassen“, so Daur.

Ausstellungsansicht „4 Prototypen“ von 1970; Foto: Bernd Heier

In einer Kabinettausstellung im zweiten Obergeschoss sind gleichzeitig Blinky Palermos „Letzte Bilder“ zu sehen. Mit der „Hommage à Palermo“ würdigt das Landesmuseum den bereits im Alter von nur 33 Jahren verstorbenen Maler und Objektkünstler (1943–1977). Bis zum 28. Oktober 2018 werden 13 abstrakte Werke des Künstlers präsentiert, darunter seine beiden letzten Gemälde sowie Druckgrafiken aus den 1960er und 1970er Jahren. Im Projektraum des Museums wurde als besondere Huldigung für den Künstler, der jetzt 75 Jahre geworden wäre, eine von Palermo im Jahr 1969 konzipierte, bislang noch nie installierte Tuchverspannung realisiert.

Blinky Palermo, mit bürgerlichem Namen Peter Heisterkamp, studierte an der Düsseldorfer Kunstakademie, war Meisterschüler von Joseph Beuys und Biennale- und documenta-Teilnehmer. Bis heute sind die Grafiken, Bildobjekte und konzeptuellen Installationen Ausgangspunkt und Anregung kunsthistorischer Diskurse.

„Liquid Light“ von Joseph Marioni bis 14. Oktober 2018 und Blinky Palermos „Letzte Bilder“ bis 28. Oktober 2018  im Museum Wiesbaden – weitere Informationen unter:  www.museum-wiesbaden.de

Bernd Heier

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