Mini-Organ mit Maxi-Funktion: Bei Schilddrüsenerkrankungen das Mini-Organ vor OP von verschiedenen Fachärzten untersuchen lassen

25 Mai
2018

Bild: Arnavaz at French Wikipedia, Schilddrüse, als gemeinfrei gekennzeichnet, Details auf Wikimedia Commons

Lübeck / Bonn – Etwa 30 Prozent der deutschen Bevölkerung sind an der Schilddrüse erkrankt. Das Mini-Organ mit Maxi-Funktion auf Höhe der Luftröhre direkt unterhalb des Kehlkopfs produziert dann nicht selten zu viel oder zu wenig Hormone.

„Schilddrüsenhormone sind an der Aufrechterhaltung verschiedener lebensnotwendiger Körperfunktionen beteiligt“, erläutert Privatdozentin Dr. med. Magis Mandapathil von der Klinik für Hals-, Nasen- und Ohrenheilkunde Asklepios St. Georg (Hamburg).

Häufig ist den Betroffenen nicht bewusst, dass sie an der Schilddrüse erkrankt sind. „Die Diagnose wird meist anlässlich einer Routineuntersuchung beim Hausarzt oder bei einer Blutuntersuchung gestellt“, berichtet Dr. Mandapathil. Die Ärzte überweisen die Patienten dann an einen Facharzt, der sie über die weiteren Behandlungsmöglichkeiten informiert. Erkrankungen der Schilddrüse können sehr komplex sein. Sie fallen daher in die Zuständigkeit verschiedener Fachärzte“,erklärt die Expertin.

Endokrinologen können medikamentös eine Unterfunktion oder Überfunktion des Organs einstellen. Nuklearmediziner können die Hormonproduktion durch Radiojod auf Dauer stoppen. Hals-Nasen-Ohren-Ärzte und Allgemeinchirurgen sind besonders gefragt, wenn eine vergrößerte Schilddrüse Beschwerden beim Schlucken und Atmen macht, andere Therapieoptionen versagen oder der Verdacht auf eine Krebserkrankung besteht. Dann sind auch Pathologen, Strahlentherapeuten und Onkologen an der Betreuung beteiligt.

In vielen Städten haben sich Schilddrüsenzentren gebildet, in denen Ärzte aller Fachbereiche zusammenarbeiten. Eine solche Kooperation ermögliche laut Mandapathil eine sorgfältige und zielgerichtete Diagnostik. Besonders wichtig sei dies, wenn eine Operation erwogen wird. In Deutschland ist dies am häufigsten bei einer durch Knotenbildung vergrößerten Schilddrüse der Fall. Seltener bei einem Morbus Basedow oder Schilddrüsenkrebs.

„Die Operation sollte am besten an einem Schilddrüsenzentrum von einem erfahrenen Operateur erfolgen“, betont die Expertin. So können Komplikationen vermieden werden, die oft lebenslange Folgen haben, wie beispielsweise eine Verletzung des Stimmbandnervs. Diese kann eine dauerhafte Heiserkeit, den Verlust der Stimmhöhe oder eine schnelle Stimmermüdung bis hin zur Atemnot zur Folge haben. Bei einer Verletzung der Nebenschilddrüsen kann es zu einem Kalziummangel kommen. – Die Erfahrung des Chirurgen ist besonders gefragt …

Dr. Mandapathil erklärt: „Die Operation kann heute in ausgewählten Fällen von der Achsel aus, über einen Schnitt hinter dem Ohr oder sogar durch die Mundhöhle mittels Endoskopen oder einem Operationsrobotor erfolgen und für ein tadelloses kosmetisches Ergebnis sorgen. Doch auch hier sollten die Sicherheit des Patienten und der Therapieerfolg immer an erster Stelle stehen“.

hbh

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