„Otto – Die Ausstellung“ im „Caricatura Museum Frankfurt“ … Heiterer Parforceritt durch die Kunstgeschichte

20 Mai
2018

Bild: Caricatura Museum Frankfurt

Frankfurt am Main – Otto Waalkes begeistert die Besucher im „Caricatura Museum Frankfurt“. Die meisten Menschen im deutschsprachigen Raum kennen ihn als Film-, TV- und Bühnen-Komiker mit seiner unnachahmlichen Körpersprache.

Viele seiner Produktionen sind Klassiker geworden. Auch als Musiker, Schauspieler, Synchronsprecher sowie Autorreüssierte machte sich der gebürtige Emdener einen Namen. Weniger bekannt ist, dass das Multitalent 1970 zunächst an der Hochschule für Bildende Künste Hamburg ein Kunstpädagogik-Studium aufnahm. Seine Leidenschaft fürs Zeichnen wurde, wie Otto betont, durch amerikanische Comics geweckt. Bereits als Schüler erschuf er den „Ottifanten“, der bis heute sein optisches Markenzeichen geblieben ist und der ihn weltberühmt machte.

Ottos Erfolg als Bühnenstar drängte freilich den bildenden Künstler rasch in den Hintergrund. Dienten die Auftritte in diversen Clubs zunächst dazu, sein Kunststudium zu finanzieren, wurden sie bald zu seiner Hauptbeschäftigung. Bereits 1972 folgte nach seinem ersten großen Solo-Auftritt die erste Langspielplatte  „OTTO live“, die eine für Deutschland völlig neue Form der Komik populär machte: Ein neues Tempo, neue Pointen und eine neue Form der Präsentation.

Otto Waalkes, quirlig wie immer – eingerahmt von Achim Frenz, Leiter des Museums für Komische Kunst (links), und Laudator Bernd Eilert (rechts) – Foto: Bernd Heier

Am 22. Juli 2018 wird Otto Waalkes 70 Jahre alt. Das „Caricatura Museum Frankfurt – Museum für Komische Kunst“ nimmt den runden Geburtstag zum Anlass, das bildnerische Werk Ottos auszustellen. Unter dem schlichten Titel „Otto – Die Ausstellung“ können sich Besucherinnen und Besucher in dem laut Museumsleiter Achim Frenz „schönsten Museum der Welt“, an mehr als 200 Exponaten erfreuen. Zu sehen sind in der facettenreichen, höchst kurzweiligen Werkschau bis 02. September 2018 sowohl ältere Zeichnungen, Platten-Cover und Plakate als auch seine aktuellsten Acryl-Bilder, penibel ausgeführte Persiflagen in altmeisterlichem Stil. In seinen Gemälden beschäftigt sich Otto neben den Ottifanten meist mit sich selbst, illustriert Star-Wars-Motive oder Musikmotive in Collagen.

Zu Frankfurt am Main hat der Friese durch seine enge Verbundenheit mit den Künstlern der Neuen Frankfurter Schule eine besondere Beziehung. Die Texte und Drehbücher von Otto stammen zum großen Teil aus der Feder von Bernd Eilert, Robert Gernhardt und Pit Knorr. Schon deswegen hatte er es sich nicht nehmen lassen, bei der Eröffnung des Caricatura Museums Frankfurt im Oktober 2008 mit dabei zu sein.

Trotz seiner Riesenerfolge ließ der mit mehreren Goldenen Schallplatten, Bambis,  Goldenen Kameras und Adolf-Grimme-Preis Ausgezeichnete das Zeichnen nie ganz sein, die Plakate und Platten-Cover gestaltete der Entertainer stets selbst. Die bildende Kunst rückte allerdings erst seit den 2010er Jahren wieder mehr in den Blickpunkt – und die Arbeiten können sich sehen lassen! Die Leinwände pflegt er in Friesen-Tee zu tränken, weil sie dadurch eine eigene Patina bekämen.

Seine Gemälde sind ein heiterer Parforceritt durch die Kunstgeschichte, in dessen Verlauf Waalkes sich unterschiedlicher malerischer Techniken bedient – je nachdem, welchen bekannten Meister er sich gerade vornimmt – ob Caspar David Friedrich, Cézanne, Gauguin oder Picasso. Dem weltbekannten „Mädchen mit Taube“ von Pablo Picasso legt er beispielsweise in einer bildnerischen Parodie einen Ottifanten in die Hände oder er stellt sich selbst in Friedrichs prominenten Gemälde „Der Wanderer über dem Nebelmeer“ dar. Auch in „Otto meets Cézanne“ schleicht er sich als Junge mit der roten Weste in das millionen-schwere Kunstwerk ein. Dazu Otto: „Die Parodie ist die aufrichtigste Form der Verehrung“.

„Das Ganze bleibt trotzdem eine Unverschämtheit – doch wer hätte von Otto anderes erwartet?“, merkt Achim Frenz launig an. – „Otto – Die Ausstellung“ bis 02. September 2018 im „Caricatura Museum Frankfurt – Museum für Komische Kunst“ – weitere Informationen unter: www.caricatura.de und www.ottokunst.de

Bernd Heier

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