SEHENSWERT: „Image Profile. Aspekte des Dokumentarischen in der fotografischen Sammlung des MMK“ – Hinterfragung der Authentizität von Pressefotos

26 Mrz
2018

Beat Streuli, Sydney/Melbourne, 1997/1998, Ausstellungsansicht – © Beat Streuli, Foto: Axel Schneider (MMK Museum für Moderne Kunst)

Frankfurt am Main – Jeden Tag nehmen wir unsere Welt über eine Flut von Fotografien wahr – sei es auf dem Smartphone, in der Zeitung oder am Computer. Eine spannende Frage ist, wie sich Künstlerinnen und Künstler mit Bildern aus den Medien auseinandersetzen.

Das zeigt eindrucksvoll die große Überblicksschau „Image Profile. Aspekte des Dokumentarischen in der fotografischen Sammlung des MMK“, in der Arbeiten aus der Museumssammlung zu dieser Thematik zu sehen sind. Die Präsentation, die in der Dependance MMK2 im Taunus-Turm gezeigt wird, umspannt ein breites Spektrum aktueller Ausdrucksformen von gesellschaftspolitischer Reportage-Fotografie bis hin zu Aspekten subjektiver, konzeptueller oder inszenierter Fotografie.

Seit der Eröffnung des Museums im Jahr 1991 wurde Fotografie in der Sammlung des MMK gleichbedeutend neben Malerei, Skulptur, Zeichnung oder Film und Videoinstallation gesammelt. Heute umfasst die fotografische Sammlung über 2.500 Werke der internationalen Gegenwartsfotografie von mehr als 90 Künstlerinnen und Künstlern; darunter: Nobuyoshi Araki, Kader Attia, Christian Boltanski, Larry Clark, Thomas Demand, Hans-Peter Feldmann, Fischli/Weiss, Günter Förg, Douglas Gordon, Ilja C. Hendel, NoritoshiHirakawa, Axel Hütte, Barbara Klemm, Mike Mandel, RyujiMiyamoto, SantuMofokeng, Anja Niedringhaus, Inge Rambow, Joe Rosenthal, Thomas Ruff, Larry Sultan, Taryn Simon, Dayanita Singh, Beat Streuli, Wolfgang Tillmans, Abisag Tüllmann, Jeff Wall, Tobias Zielony.

Wolfgang Tillmans, „growth“, 2011; © Wolfgang Tillmans, Foto: Axel Schneider (MMK Museum für Moderne Kunst)

Die präsentierten Werke reflektieren politische Themen und gesellschaftliche Krisen unserer Gegenwart, die in der Presse durch Bilder verbreitet wurden und hinterfragen den vermeintlich authentischen Charakter der Pressefotografien. Beispielhaft seien nur einige Werke vorgestellt: Auftakt der sehenswerten Ausstellung bildet das fünfteilige Werk „Klause“ (2006) von Thomas Demand, das als Auftragsarbeit speziell für das MMK entstanden ist. Der Bildzyklus thematisiert einen Fall von Kindesmissbrauch, der sich über Jahre im Hinterzimmer einer deutschen Stadtteilkneipe – der sogenannten Tosa-Klause – zugetragen hat. Thomas Demands Werk stellt die Wirklichkeit, ihre mediale Vermittlung und deren schier grenzenlose technische Manipulierbarkeit in Frage.

Die Serie „Die Toten 1967–1993“ (1996 – 1998) von Hans-Peter Feldmann ist eine Schenkung des Künstlers, die das MMK als eines der wenigen Museen weltweit besitzt. Es handelt sich um Porträts von 100 Personen, die im Kontext des Deutschen Herbstes und der RAF–Bewegung zwischen 1967 und 1993 gewaltsam ums Leben gekommen sind. Alle Toten stehen im Zusammenhang mit der Eskalation von Gewalt und Terrorismus.

Die klassische Reportage-Fotografie ist in der Ausstellung durch Künstlerinnen wie Barbara Klemm, Abisag Tüllmann und Anja Niedringhaus vertreten, deren Fotografien weltweit in unterschiedlichen Print-Medien abgedruckt wurden. „In ihrer Beobachtungsschärfe und ihrem Einfühlungsvermögen zeugen die Bilder von einer zutiefst humanen Sicht auf die Krisen und Kriege der Welt. Mit ihren kalkulierten Bildkompositionen haben die Fotografinnen aus der Sammlung des MMK unsere Vorstellung vom klassischen Bildjournalismus geprägt wie wenige andere“, erläutert Kurator Dr. Mario Kramer.

Die facettenreiche Schau „Image Profile. Aspekte des Dokumentarischen in der fotografischen Sammlung des MMK“ ist bis zum 15. Juli 2018 im MMK2, Taunus-Tor 1, zu sehen – weitere Informationen unter: www.mmk-frankfurt.de

hbh

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