„Schon wieder Sonntag“ – Spritzige Komödie mit Tiefsinn von Bob Larbey im Fritz Rémond Theater Frankfurt

22 Feb
2018

Bild: Joachim Bliese – Foto: Udo Grimberg, Lizenz: Creative Commons by-sa-3.0 de [CC BY-SA 3.0 de (https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/de/deed.en)], via Wikimedia Commons

Frankfurt am Main – Cooper und sein Freund Aylott leben im Altersheim. Während Cooper seine Angst vor Hinfälligkeit und Hilflosigkeit mit sarkastis­chem Witz überspielt, beobachtet der sensi­ble Aylott die unter­schiedlichen Erschei­n­un­gen des Alters mit ängstlichem Staunen und registriert ungläubig die ersten Anzeichen seiner Altersdemenz.

Die beiden vertreiben sich die Zeit mit Schach­par­tien, kleinen Flirts mit der hübschen Kranken­schwester Wilson und Streit­ge­sprächen mit der resoluten Reini­gungskraft Mrs. Baker, die dem Alter mit gesun­dem Realitätssinn begeg­net. Dass die beiden Mitarbeiterinnen Zeit für derartig spritzige, aber auch anrührende Dialoge finden, ist zwar in der heutigen Zeit eher selten, würzt aber Bob Larbeys Komödie  „Schon wieder Sonntag“ wie das Salz in der Suppe.

Joachim Bliese, Jahrgang 1935, der überragende Hauptdarsteller, macht aus John Cooper keinen oberflächlich mäkelnden Alten, sondern spielt überzeugend einen alten Mann, der seit dem Tod  seiner Frau einsam ist, sich über seine Gebrechen ärgert, sich überflüssig vorkommt und darüber mit derben Sprüchen räsoniert. Jeden ersten Sonntag im Monat kommt Coopers Tochter Julia mit ihrem Ehemann Peter zum Höflichkeits­pflichtbe­such, bei dem beide ebenso pflicht­gemäß ihre Betrof­fen­heit über das Leben im Alter­sheim demon­stri­eren.

Beide Parteien mögen diese Pflichtbesuche eigentlich nicht. Die Jüngeren versuchen es mit höflicher Konversation, der Alte kontert mit ausgesuchten Unhöflichkeiten. Das distanzierte Verhältnis Coopers zu Tochter und Schwiegersohn ändert sich aber nach dem Tod eines Mitbewohners, dessen Ableben dem alten Spötter doch nahegeht. Das klingt nach Sozial­drama – stimmt aber nicht. Das Publikum kann bei diesem hervorragend besetzten Stück herzlich lachen, bei dem Heiterkeit und natür­liche Melan­cholie so eng beieinander liegen.

Neben dem aus Film und Fernsehen bekannten Joachim Bliese spielen in dieser spritzigen, aber auch nachdenklich stimmenden, bisweilen anrührenden Komödie des englischen Autors Bob Larbey – unter der geschickten Regie von Peter Kühn: Pavel Fieber, Susanne Eisenkolb, Sabine Roller, Katarina Schmidt und Steffen Wilhelm.

Bob Larbey, 1934 in London geboren, und sein Schulfreund und Mitautor, John Esmonde, konnten sich erst ab Mitte der 60er Jahre über bescheidene Erfolge freuen. In den 80er und 90er Jahren gehörten die beiden jedoch zu den bekanntesten Fernsehautoren Englands. Auch ohne seinen Partner schrieb Larbey erfolgreiche Serien und Theaterstücke. Für sein Erstlingswerk „A MonthOfSundays“ bekam er 1986 den „London Evening Standard Award“ für die ‚beste Komödie des Jahres‘ und für „Schon wieder Sonntag“ erhielt er zwei Jahre später den „Kritikerpreis“.

Das Erfolgsstück des im Alter von 79 Jahren in London verstorbenen Autors wurde seitdem auf zahllosen Bühnen im In- und Ausland aufgeführt und begeisterte das Publikum genauso wie im „Fritz Rémond Theater Frankfurt“.  –  www.fritzremond.de

Bernd Heier

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