Was hat Papst Franziskus in den ersten fünf Jahren seines Pontifikats bewegt? – „Mensch Franziskus!“ Der unberechenbare Papst!

7 Feb
2018

Bild: ZDF und christian iglesias/citypress24

Rom Papst Franziskus steht seit dem 13. März 2013 an der Spitze der römisch-katholischen Kirche: Was hat der ‚erste Lateinamerikaner in diesem Amt‘ in den ersten fünf Jahren seines Pontifikats bewegt?

Die „ZDFzeit“-Dokumentation „Mensch Franziskus!“ blickt am Jubiläumstag, am Dienstag, 13. März 2018, 20:15 Uhr, auf die bisherige Bilanz des „unberechenbaren Papstes“. Familie, Vertraute und Gegner lassen in dem Film von Michael Strompen den Menschen Jorge Mario Bergoglio hinter dem Amt des Papstes aufscheinen.

Er ist bekennender Fußballfan und gelernter Chemietechniker. Er liebte einst den Tango – und wohl eine junge Frau. Vor fünf Jahren wurde er zum Papst gewählt. Seither hat Franziskus vieles anders gemacht als seine Vorgänger: Keine roten Schuhe, kein Appartement im Papstpalast, dafür Gesten der Demut und Bescheidenheit. Ein Pontifex, der viele begeistert – und manche im Vatikan entsetzt.

Schon bei seinem ersten Auftritt versetzte Papst Franziskus die Welt in Erstaunen. Statt in prunkvollen Gewändern trat er in einer schlichten weißen Soutane auf den Balkon des Petersdoms: Für Traditionalisten eine Missachtung der päpstlichen Würde. Für viele Reformer innerhalb der Kirche ein Zeichen der Hoffnung. Auch bei vielen Gläubigen genoss der Papst bald Kultstatus.

Franziskus wurde Papst in einer Zeit des Umbruchs: Skandale um Missbrauch und Korruption erschütterten den Vatikan. Der katholischen Kirche liefen die Mitglieder in Scharen davon. Alle Hoffnungen ruhten deshalb auf dem Neuen aus Lateinamerika. Er soll in Rom den „Saustall aufräumen“, so eine Anhängerin gegenüber „ZDFzeit“.

Papst Franziskus legte einen fulminanten Start hin. Er kritisierte die eigene Kurie scharf. Er ging hart gegen Geldwäsche und Korruptionsfälle in der Vatikanbank vor. Er tauschte Führungspersonal im Vatikan aus. Damit hat er sich nicht nur Freunde geschaffen. „Er hat viele kompetente Leute entlassen und Chaos verursacht“, erzählt ein Insider. Plötzlich kamen die ersten Kritiker aus der Deckung: Besitzt der Erzbischof vom anderen Ende der Welt überhaupt die Fähigkeit, die Kurie und die Weltkirche zu reformieren?

Wie schwierig es ist, etwas zu verändern, merkte Franziskus nicht zuletzt im Kampf gegen sexuellen Missbrauch. „ZDFzeit“ trifft den Schweizer Daniel Pittet, der als Kind von einem Priester über Jahre hinweg vergewaltigt wurde – ein Fall unter vielen weltweit. Der Papst fand tröstende Worte. Aber die Aufarbeitung insgesamt stockt, weil die Kurie nicht mitzieht. Die Mehrheit der Bischöfe verweigerte dem Papst die Gefolgschaft, als er Homosexuelle anerkennen wollte. Offene Opposition gab es beim Vorstoß des Papstes, wiederverheirateten Geschiedenen den Empfang der Kommunion zu erlauben. Wie viel Modernisierung lässt die traditionsreiche konservative Weltkirche überhaupt zu?

Franziskus lässt sich nicht beirren. Immer wieder besucht er Flüchtlinge. Er trifft Verbrecher in Gefängnissen und reist zu den Ärmsten der Armen. Er wird nicht müde, die Profitgier der Wirtschaft zu geißeln. Bergoglio: „Das Geld muss uns dienen, es darf nicht regieren.“

Der Papst – ein Radikaler? Als Spätberufener legte Jorge Mario Bergoglio eine steile Karriere bei den Jesuiten hin. Mit Mitte 30 stand er an der Spitze des mächtigsten katholischen Männerordens in ganz Argentinien – damals galt er als autoritär und arrogant. Bis heute ist seine Rolle in der Militärdiktatur der 70er Jahre nicht restlos geklärt. Mit Anfang 50 hielt Bergoglio inne. Er zog sich nach Boppard am Rhein zurück, um seinen Weg zu überdenken. Zurück in Argentinien, schien es mit der Karriere vorbei zu sein. Doch es kam anders: 2013 wurde er völlig unerwartet als erster Lateinamerikaner an die Spitze der katholischen Kirche gewählt – da war Bergoglio schon 76 Jahre alt.

Als Papst begeistert der Argentinier die Gläubigen. Zu seinen Messen kommen die Menschen zu Tausenden. Doch nach fünf Jahren Pontifikat beginnt der Zauber des Anfangs zu verblassen. Seine Gegner sind zahlreich – und sie sind mächtig. „In den letzten 100 Jahren hat es nie einen solchen Widerstand gegen den Papst gegeben“, so Vatikan-Experte Marco Politi gegenüber „ZDFzeit“: Was hat Papst Franziskus bisher erreicht? Wie viel Zeit bleibt dem 81-Jährigen noch? Kann er seinen Feinden trotzen? Familie, Vertraute und Gegner lassen den Menschen Jorge Mario Bergoglio hinter dem Amt des Papstes aufscheinen.

ZDF/wk

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