Monsieur Göthé – Goethes unbekannter Großvater … Das Goethe-Museum spürt Friedrich Georg Göthés Lebensgeschichte nach

20 Jan
2018

Friedrich Georg Göthé (vermutlich); Fotografie nach einem verschollenen Porträt; © Freies Deutsches Hochstift / Frankfurter Goethe-Museum

Frankfurt am Main – Er ist einer der eher Unbekannten in der Familie Goethe, obwohl ein zentraler Platz in der Chronik für ihn durchaus angemessen wäre: Friedrich Georg Göthé, der Großvater des Dichters.

Von ihm stammt nicht nur das Geld für das sorglose Leben der Familie am Großen Hirschgraben und für den Ankauf des Elternhauses, einschließlich der edlen Weine im Keller. Mit seinem Eintritt in die Frankfurter Bürgerschaft beginnt 1687 auch die Geschichte der Familie Goethe in Frankfurt. Ein gesichertes Porträt gibt es dennoch nicht von ihm.

Die Ausstellung im Arkadensaal des Frankfurter Goethe-Museums spürt mit Abbildungen und Originaldokumenten der Lebensgeschichte des weitgereisten Schneidermeisters und Gastwirts Friedrich Georg Göthé (1657-1730) nach. Den Akzent auf dem „e“ legte sich der Schneider bei seinen Reisen nach Frankreich zu, damit der letzte Buchstabe nicht verschluckt wurde.

Die spannende Schau, die bis zum 25. Februar 2018 zu sehen ist, zeigt das Bild eines Mannes, der mit Neugier und Bildungshunger aus einem thüringischen Dorf aufbricht, um erst in der Welt und schließlich in Frankfurt am Main sein Glück zu machen. Die hoch interessante Präsentation wurde konzipiert von Wolfgang Schopf, dem Leiter des Literaturarchivs im ‚Universitätsarchiv der Goethe-Universität‘, und Joachim Seng, Leiter der ‚Hochstiftsbibliothek‘. Die von der Sparda-Bank Hessen eG unterstützte Ausstellung orientiert sich an dem im letzten Jahr in der „Anderen Bibliothek“ erschienen Buch „Monsieur Göthé. Goethes unbekannter Großvater“.

Friedrich Georg Göthés Bittschrift zur Aufnahme in die Frankfurter Bürgerschaft vom 14. Dezember 1686; © Institut für Stadtgeschichte Frankfurt

Einer der Gründe, warum Friedrich Georg Göthé in der Familienchronik nicht die ihm gebührende Beachtung gefunden hat, mag an einer gerichtlichen Klage liegen: Johann Wolfgangs Großvater väterlicherseits hatte einst den würdigen Stadtsyndicus Dr. jur. Johann Wolfgang Textor, Ururgroßvater mütterlicherseits, verklagt, weil dieser seine Rechnungen – d.h., die seiner jungen Frau, nicht bezahlt hatte. Der renommierte Rechtshistoriker Prof. Michael Stolleis ist mit großer Sorgfalt diesem Rechtsstreit nachgegangen. Die kuriose Prozessakte, die sich im Institut für Stadtgeschichte befindet, liefert jetzt nicht nur den Stoff für eine Nacherzählung, sondern auch für ein kleines Theaterstück.

In dem Gespräch „Textor versus Göthé“ erörtern am 24. Januar 2018 Prof. Dr. Anne Bohnenkamp-Renken, Direktorin des Freien Deutschen Hochstifts, und Prof. Stolleis den historisch-juristischen Hintergrund des Falls. Dabei werden die Protagonisten vorgestellt und der sozial- und rechtshistorische Zusammenhang dargelegt. Mit von der Partie sind auch Michael Quast und Katerina Zemankova von der Fliegenden Volksbühne, die ausgewählte Passagen lesen.

„Monsieur Göthé – Goethes unbekannter Großvater“ bis  25. Februar 2018 im Goethe-Museum Frankfurt am Main – weitere Informationen unter:  www.goethehaus-frankfurt.de

Bernd Heier

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