Kostbares Werk in neuem Glanz … Beeindruckende Sonderausstellung im Liebieghaus zeigt restauriertes Schächer-Fragment des „Meisters von Flémalle“

30 Nov
2017

Schächer-Fragment des „Meisters von Flémalle“

Frankfurt am Main – Die Liebieghaus Skulpturensammlung präsentiert in einer tief beeindruckenden Sonderausstellung das sogenannte Schächer-Fragment des „Meisters von Flémalle“ – ein Schlüsselwerk der europäischen Kunstgeschichte.

Allerdings ist die Identität des Meisters von Flémalle nach wie vor ungeklärt und stellt die Wissenschaft vor Rätsel. Wer war der geheimnisvolle Künstler, der dieses weltberühmte Werk der frühen niederländischen Malerei geschaffen hat? War es der in Tournai tätige Robert Campin oder der in dessen Werkstatt zeitweilig arbeitende Roger van der Weyden? Oder war es eine Gruppe herausragender Maler? Wer immer es war: Die großartige Qualität dieses Meisterwerks ist unbestritten.

Das beidseitig bemalte Fragment wurde ab Oktober 2014 im Städel Museum umfassend untersucht und restauriert. Es ist der einzige erhaltene Teil eines großformatigen Kreuzabnahme-Triptychons, das zu den bedeutendsten und einflussreichsten Werken der niederländischen Malerei vom Anfang des 15. Jahrhunderts zählt. Nachdem die äußerst schwierigen restauratorischen Arbeiten  abgeschlossen sind, erstrahlt das kostbare Werk buchstäblich in neuem Glanz.

„Innerhalb der bedeutenden altniederländischen Gemälde nimmt das Schächer-Fragment des ‚Meistersvon Flémalle‘ eine herausragende Stellung ein. Darum wollten wir die bewegte Geschichte des ursprünglichen Gesamtwerks – vom Retabel zum Fragment, vom sakralen Objekt zum Tafelbild –, und die unzähligen Maßnahmen, die im Laufe von fast 600 Jahren an dem Objekt vorgenommen wurden, grundlegend untersuchen. Dank der jüngsten Restaurierung kann sich die spezifische Eindringlichkeit des Werks, die aus einem raffinierten Spiel mit Seherwartungen und Bildwirklichkeiten resultiert, nun auf beeindruckende Weise neu entfalten“, erklärt Prof. Jochen Sander, Kurator der Ausstellung und Sammlungsleiter für Deutsche, Holländische und Flämische Malerei vor 1800 im Städel Museum.

Ausstellungsansicht

Im Rahmen der kleinen, ganz außergewöhnlichen Schau werden zum einen das Vorgehen und die spektakulären Ergebnisse der technologischen Untersuchung und Restaurierung vorgestellt. Darüber hinaus werden 13 ausgewählte Vergleichsstücke – Skulpturen, Tafel- und Buchmalerei sowie Zeichnungen gezeigt, die das Schächer-Fragment auf vielfältige Weise kontextualisieren.

Der Kurator führt erstmalig jene Werke zusammen, die als frühe Wiederholungen und Teilkopien von der Berühmtheit des Altarwerks zeugen und zugleich eine Rekonstruktion des verlorenen Gesamtensembles ermöglichen. Zu dieser Auswahl gehören herausragende Leihgaben wie eine Gemäldekopie aus der Walker Art Gallery in Liverpool, je eine Zeichnung aus dem Fogg Art Museum in Cambridge (Mass., USA) und dem Fitzwilliam Museum in Cambridge (UK) sowie das Stundenbuch der Katharina van Lochorst aus dem Westfälischen Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte Münster.

Dem Schächer-Gemälde werden überdies auch einige niederländische und deutsche Skulpturen der damaligen Zeit gegenübergestellt, die im Liebieghaus mit dem sogenannten „Rimini-Altar“ und Hans Multschers „Trinität“ glanzvoll vertreten sind. Diese beiden Werke stehen derzeit ebenfalls im Mittelpunkt umfassender, akribischer Restaurierungsarbeiten. Die Besucher des Liebieghauses können in der Schauwerkstatt den Restauratoren dabei zuschauen.

Die spektakuläre Schau ist eine Kooperation der Liebieghaus Skulpturensammlung und des Städel Museums, das bereits Ende 2008 großartige Tafeln des Meisters von Flémalle und Roger van der Weyden präsentierte. Gefördert wird sie durch den Kulturfonds Frankfurt RheinMain; das Restaurierungsprojekt zum Schächer-Fragment wurde vom Art Conservation Project der Bank of America Merrill Lynch gesponsert.

„In neuem Glanz. Das restaurierte Schächer-Fragment des Meisters von Flémalle im Kontext“ – Liebieghaus Skulpturensammlung – bis 18. Februar 2018. Weitere Informationen unter:  www.liebieghaus.de

Bernd Heier

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