Faszinierende Einheit von Kunst und Natur im STÄDEL: „Maria Sibylla Merian und die Tradition des Blumenbildes“ – bis 14.01.2018

30 Okt
2017

Maria Sibylla Merian: Buschrose mit Miniermotte, Larve und Puppe, nach 1679

Frankfurt am Main Maria Sibylla Merian war ein Jahrhunderttalent, eine ganz außergewöhnliche Frau, die in einer patriarchisch geprägten Gesellschaft ein äußerst ungewöhnliches und abwechslungsreiches Leben führte.

Die 1647 in der Freien Reichsstadt Frankfurt am Main geborene und 1717 in Amsterdam verstorbene Merian zählt sowohl zu den bedeutendsten Naturforscherinnen als auch zu den namhaftesten Künstlerinnen ihrer Zeit. Aus Anlass ihres 300. Todestages hat das Hessische Landesmuseum für Kunst und Natur Wiesbaden der selbstbewussten Pionierin der Naturwissenschaften bereits zu Jahresbeginn eine kleine, aber feine Kabinettausstellung gewidmet (wir berichteten im POSITIV-MAGAZIN darüber).

Jetzt präsentiert auch das Städel Museum in Merians Geburtsstadt unter dem Titel „Maria Sibylla Merian und die Tradition des Blumenbildes“ eine großartige Sonderausstellung. „Maria Sibylla Merian zählt zu den berühmtesten Töchtern der Stadt Frankfurt am Main. Hier hat sie ihre professionelle Ausbildung erhalten, hier wurden entscheidende Grundlagen für ihr ganz und gar außerordentliches Wirken als Naturforscherin und Künstlerin gelegt. Umso mehr freut es uns natürlich, dass wir nun eine umfassende Ausstellung zu Merian und der von ihr maßgeblich vorangetriebenen Tradition des Blumenbildnisses im Städel Museum zeigen können“, kommentiert Städeldirektor Philipp Demandt.

„Das Werk Maria Sibylla Merians nimmt eine Sonderstellung ein. Diese resultiert aus der genuinen und nicht aufzulösenden Ambivalenz, die zugleich den besonderen Reiz der Arbeiten ausmacht: Künstlerische und wissenschaftliche Aspekte sind bei Merian untrennbar miteinander verwoben, und ihre Darstellungen bewegen sich stets gekonnt an den Grenzlinien zwischen hoher Kunst und naturwissenschaftlicher Detailwiedergabe“, ergänzt Martin Sonnabend, Leiter der Graphischen Sammlung bis 1750 am Städel Museum.

Maria Sibylla Merian (Umkreis): Pechnelke mit Admiral, kleine Rose mit Raupe, Iris, geflecktes Knabenkraut, Schwebfliege und ein Prachtkäfer, nach 1691 (?)

Die in Zusammenarbeit mit dem Kupferstichkabinett der Staatlichen Museen zu Berlin und der Technischen Universität Berlin entwickelte Ausstellung zeigt bedeutende Werke Maria Sibylla Merians – eingerahmt von floralen Darstellungen ihrer Vorläufer, an die sie anknüpfte, sowie ihrer Zeitgenossen und Nachfolger. Zu sehen ist die faszinierende und filigrane Welt der Blumen- und Pflanzendarstellungen in Zeichnungen und Druckgrafiken des 15. bis 18. Jahrhunderts. Die Präsentation verdeutlicht, was Merians Eigenständigkeit ausmacht und in welche Richtungen sich das Blumenbild nach ihr und unter ihrem Einfluss entwickelte. Richtschnur für ihre Arbeiten war stets die Einheit von Kunst und Natur, die die Malerin, Kupferstecherin und Insektenforscherin  in einem Gedicht in ihrem „Blumenbuch“ von 1675 so trefflich beschreibt.

Highlights neben Merians Meisterwerken sind die frühen Blumenbilder von Georg Flegel, die bezaubernden Naturstudien von Georg Hoefnagel sowie der berühmte „Hortus Eystettensis“(Garten von Eichstätt)  des Nürnberger Apothekers Basilius Besler. Eine Sonderstellung in der Schau nimmt auch das von Johann Walter dem Älteren geschaffene Florilegium des Grafen Johannes von Nassau-Idstein ein. Erwähnt seien noch die herrlichen Blumenkompositionen von Barbara Regina Dietzsch und ihrem Umkreis aus dem 18. Jahrhundert.

Den Mittelpunkt der beeindruckenden Schau, die vom Kulturfonds RheinMain gefördert wird, bilden einige sehr seltene Frühwerke von Maria Sibylla Merian, erweitert um Arbeiten, die in unmittelbarem Zusammenhang mit ihren wissenschaftlichen Publikationen – wie den Blumenbüchern und dem berühmten „Raupenbuch“ – stehen. Insgesamt werden über 150 Werke präsentiert, neben Blättern aus den Sammlungen des Städel und des Kupferstichkabinetts auch wertvolle Leihgaben aus der Bibliothèque Nationale in Paris, der Sächsischen Landes- und Universitätsbibliothek in Dresden, der Staatsbibliothek zu Berlin sowie der Universitätsbibliothek Johann Christian Senckenberg in Frankfurt am Main.

„Maria Sibylla Merian und die Tradition des Blumenbildes“, Ausstellungshalle der Graphischen Sammlung im Städel Museum bis zum 14. Januar 2018 zeitgleich ist auch die exzellente Präsentation „Matisse – Bonnard. Es lebe die Malerei!“ zu bewundern … weitere Informationen unter:  www.staedelmuseum.de

Bernd Heier 

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