„Von Frankfurt nach New York – Eric und Jula Isenburger“ im Museum Giersch … Wiederentdeckung eines vergessenen Künstlerpaares

26 Okt
2017

Jula im Tanzkleid, 1930, Öl auf Leinwand, 97,7 x 50,3 cm; Privatsammlung (Rheinland-Pfalz); Foto: Uwe Dettmar; © Shmuel Elen, Israel

Frankfurt am MainDer Maler Eric Isenburger und seine Ehefrau und Muse, die Ausdruckstänzerin Jula Isenburger, zählen zu den nahezu völlig vergessenen Künstlerpersönlichkeiten des 20. Jahrhunderts.

In Frankfurt am Main, der Geburtsstadt Erics, widmet ihnen das Museum Giersch der Goethe-Universität‘ nun erstmalig eine umfassende, retrospektive Ausstellung. Im Fokus stehen die bewegte Lebensgeschichte sowie das künstlerische Wirken des jüdischen Ehepaares.

Trotz der zum Teil äußerst schwierigen Bedingungen schuf Eric Isenburger (1902–1994) ein eigenständiges künstlerisches Werk, welches Porträts, Landschaften und Stillleben umfasst. „Mit spätimpressionistischer Handschrift, zum Teil expressivem Duktus und in material-technischer Hinsicht experimentellem Gestus nahm der Maler seine äußere Umwelt zum Ausgangspunkt. Er enthielt sich jedoch eines allzu eindeutigen Zeitkommentars“, so Museumsleiter Dr. Manfred Großkinsky. Eric Isenburgers außergewöhnliches Schaffen stellt in seiner Qualität und beeindruckenden Vielfalt eine Entdeckung dar! Dies belegen die über 110 gezeigten Exponate.

Eric Isenburger: Selbstbildnis, 1923, Öl auf Leinwand, 47 x 35 cm; Jüdisches Museum Frankfurt; Foto: Ursula Seitz-Gray, Frankfurt am Main; © Shmuel Elen, Israel

Das Wirken von Jula Isenburger, geborene Elenbogen (1908–2000), lässt sich aufgrund der Flüchtigkeit des gewählten Ausdrucksmediums – des Tanzes – und der unzureichenden Quellenlage weit weniger detailliert fassen. Fotografien sowie Werke ihres Mannes dokumentieren ihre Tanztätigkeit.

Als bevorzugtes Modell porträtierte Eric Isenburger seine in Augustów geborene Frau Anna (Channah)-Jula in allen seinen Schaffensphasen. Gleich im ersten Saal des Museums Giersch sind hinreißende Porträts der attraktiven, modebewussten Tänzerin versammelt. Mit seiner lebenslangen Gefährtin und Vertrauten setzte sich der bildende Künstler, der sich selbst als „eine Art Neo-Impressionisten“ bezeichnete, in zahlreichen inhaltlichen wie stilistischen Varianten auseinander. Hier wird die breite Vielfalt des künstlerischen OEuvres Isenburgers besonders deutlich.

„Stets bestimmte er den Einsatz von Farbe und Form in seinen Werken neu. Dominieren in den 1920er Jahren intensive, bunt-leuchtende Farben, so folgen in den 1930er Jahren experimentelle dunkle Kratzbilder, die wiederum von den gedämpft-farbigen Gemälden der späten 1930er und der 1940er Jahre abgelöst werden, die deutlich den Einfluss der französischen Moderne erkennen lassen. Im Spätwerk kehrte Eric Isenburger dann zu einer leuchtenderen Farbigkeit und einer freieren Pinselführung zurück“, erklärt Kuratorin Susanne Wartenberg.

An der Frankfurter Kunstgewerbeschule ausgebildet, schlossen sich für Eric Isenburger zahlreiche Studienreisen an. Gemeinsam mit seiner Frau lebte er als freischaffender Künstler und Bühnengestalter zunächst in Wien, danach in Berlin. Hier konnte der Maler erste Ausstellungserfolge verzeichnen, unter anderem mit seiner Beteiligung an der „Herbstausstellung“ der Preußischen Akademie der Künste und der „Staatspreisschau“ 1932. Der Berliner Galerist und Verleger Wolfgang Gurlitt wurde auf ihn aufmerksam und zeigte im Januar 1933 eine größere Anzahl von Isenburgers Gemälden in seiner Galerie.

Diese positiven Entwicklungen nahmen jedoch ein jähes Ende, als die gefeierte Schau bei Gurlitt zum Gegenstand eines Hetzartikels in der nationalsozialistischen Zeitung „Der deutsche Student“ wurde. Auf Anraten Gurlitts verließ das Künstlerpaar daraufhin Deutschland und es begann die einer Odyssee gleichenden Flucht: Paris, Stockholm, Südfrankreich, bis die Isenburgers schließlich 1941 ein Visum für die USA erhielten. Bis kurz vor seinem Tod 1994 war Eric Isenburger künstlerisch tätig. „Mit ungebrochenem Schaffensdrang und mit Disziplin setzte er sein malerisches Werk fort, in dem er wie zuvor mehrheitlich gegenstandsbezogen blieb“, so Großkinsky.

Der Katalog zur Ausstellung ist im Michael Imhof Verlag erschienen und kostet im Museum 29,– Euro. – Die beeindruckende Schau wird gefördert von den Stiftungen Giersch, Schultz-Frentzel sowie der Georg und Franziska Speyer’sche Hochschulstiftung:

„Von Frankfurt nach New York – Eric und Jula Isenburger“ bis zum 11. Februar 2018 im Museum Giersch der Goethe-Universität; weitere Informationen unter: www.museum-giersch.de

Bernd Heier

Bitte besuchen Sie auch unseren  Facebook-account

Ihre Meinung ist uns wichtig

oben