Von der KEILSCHRIFT bis zur DATENBRILLE … Neue Dauerausstellung im ‚Museum für Kommunikation‘: „Mediengeschichte/n neu erzählt!“

18 Sep
2017
DHL Express-Lastenfahrzeug

„Cubicycle 2017“ – DHL Express-Lastenfahrzeug mit emissionsfreiem elektrischem Hilfsmotor – Foto: Bernd Heier

Frankfurt am Main – Nach fünf Jahren Vorbereitung und rund fünf Monaten Umbauphase hat das „Museum für Kommunikation Frankfurt“ eine komplett neue Dauerausstellung „Mediengeschichte/n neu erzählt!“ eröffnet und lädt zu einer abwechslungsreichen Reise durch Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft der Kommunikation ein.

Anhand von bahnbrechenden Erfindungen, kuriosen Erlebnissen und ungewöhnlichen Schicksalen spannt die ebenso informative wie unterhaltsame Schau auf 2.500 qm den Bogen von der Keilschrift bis zur Datenbrille. 44 Themeninseln und über 500 Originalobjekte zeigen exemplarisch die Entwicklung entlang der vier zentralen Phänomene: Beschleunigung, Vernetzung, Kontrolle und Teilhabe. An vielen interaktiven Stationen können Besucherinnen und Besucher spielerisch lernen, ihre Meinung hinterlassen oder ihr kommunikatives Nutzerverhalten überprüfen.

Smartphone

Bürgersteig mit Smartphone-Spur in China, 2014 – Foto: Bernd Heier

Mit der neuen Dauerausstellung löst sich das Museum von dem chronologischen, durch die Abfolge von technischen Entwicklungen gegliederten Rundgang. Anhand von 44 exemplarischen Mediengeschichten, die als Themeninseln inszeniert sind, können Besucherinnen und Besucher nachvollziehen, wie technische Innovationen das Leben der Menschen bis heute verändern … sie erfahren beispielsweise, wie die abenteuerliche Verlegung des Transatlantikkabels 1866 die Nachrichtenübermittlung von vielen Tagen auf nur wenige Minuten beschleunigte und damit die moderne Weltwirtschaft begründete. Oder, wie sich das Misstrauen eines Bestattungsunternehmers als Ausgangspunkt für die Erfindung der telefonischen Selbstwahl erwies, die das „Fräulein vom Amt“ ablöste. Und von den heimlichen, oft nur kurzen Liebesbillets – die SMS von damals –  von Johann Wolfgang von Goethe an die von ihm hochverehrte Charlotte von Stein, die dem Publikum als Zeugen aus einer Zeit präsentiert werden, als der Brief noch das zentrale Kommunikationsmedium war.
Auch zu Beginn des 20. Jahrhunderts gab es schon „Wutbürger“, die das Motorpost-Auto in Wildwest-Manier bekämpften. Für viele Bürger von Bad Tölz war das als lärmendes und stinkendes Ungeheuer geschmähte Fahrzeug ein Riesenärgernis, weil es angeblich die Straßen unsicher machte, die Luft verpestete und die wohlbetuchten Kurgäste vertrieb. Etliche Tölzer schritten deswegen zur Tat und zerstörten nicht nur Verkehrszeichen, sondern schossen sogar aus dem Hinterhalt auf den Postbus, der seit Mitte 1905 die Kurstadt Bad Tölz mit Lenggries verband.

An 30 Stationen bietet die faszinierende Ausstellung den großen, wie auch den kleinen Besuchern die Möglichkeit, sich interaktiv durch die Welt der Kommunikation zu bewegen. Technische Installationen laden dazu ein, in die Rolle des „Fräuleins vom Amt“ zu schlüpfen oder den „Enigma Code“ zu knacken. Dieser Code (auf Deutsch Rätsel), den die Wehrmacht ab 1930 nutzte, schien mit 100 Quadrilliarden Kombinationen nicht entschlüsselbar zu sein. Aber bereits 1932 haben polnische Kryptologen die Arbeitsweise der Enigma entschlüsselt. Schaffen Sie das auch? Außerdem ist schnelles Tippen beim SMS-Wettbewerb auf einem Nokia 3210 gefragt und die „Entschleunigungshaube“ bietet bei Ruhe und angenehmem Licht eine Auszeit. Mehr über das eigene Medienverhalten erfahren Besucherinnen und Besucher, wenn sie sich an der Selfie-Station fragen müssen, „Posten oder nicht posten?“

Wir erleben derzeit einen einschneidenden technologischen und kulturellen Umbruch, dessen Auswirkungen vergleichbar mit der Erfindung des Buchdrucks oder der industriellen Revolution des 19. Jahrhunderts sind. Einen Ausblick auf die Zukunft der Kommunikation im 21. Jahrhundert und den Einfluss der Digitalisierung wagen 21 Persönlichkeiten aus Wirtschaft, Wissenschaft, Zivilgesellschaft und Politik und stellen ihre Perspektiven in Videostatements und Interviews zur Diskussion.

Über einzelne Mediengeschichten werden wir im POSITIV-MAGAZIN in loser Folge berichten.

„Mediengeschichte/n neu erzählt!“ im Museum für Kommunikation Frankfurt – weitere Informationen unter: www.museumsstiftung.de

Bernd Heier

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