August Wilhelm Schlegel – der europäischste aller Romantiker! … Frankfurter Goethe-Museum zeigt „Aufbruch ins romantische Universum“

6 Sep
2017

August Wilhelm Schlegel um 1800 / 1802, unbekannter Maler; © Freies Deutsches Hochstift / Frankfurter Goethe-Museum – Foto: Ursula Edelmann

Frankfurt am Main – Am 05. September 2017 jährte sich der Geburtstag von August Wilhelm Schlegel (1767–1845) – einer der Hauptvertreter der deutschen und europäischen Romantik – zum 250. Mal.

Der Schriftsteller, Übersetzer, Philologe und Begründer der Indologie in Deutschland war nicht nur äußerst vielseitig und sein Leben lang außerordentlich produktiv, er war auch der europäischste von allen Romantikern, National- und Universalpoet in einem. Als Übersetzer – seine Shakespeare-Übersetzungen gelten bis heute als mustergültig – genoss er höchste Anerkennung. Darüber hinaus war er ein ebenso begnadeter wie gefürchteter Kritiker, Satiriker und Essayist. Nicht zuletzt war er es, der die Gedanken der Romantik einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich machte und den interkulturellen Dialog weit über die deutschen Grenzen hinaus immer wieder aufs Neue suchte.

 August Wilhelm Schlegel ist zweifellos eine der großen Persönlichkeiten der deutschen und europäischen Geistesgeschichte in der zukunftsweisenden Epoche um 1800 – und es lohnt sich, ihn heute neu in den Blick zu nehmen“, sagt Prof. Dr. Anne Bohnenkamp-Renken, Direktorin des Freien Deutschen Hochstifts, Frankfurt am Main. Diese Aufgabe hat das Frankfurter Goethe-Museum übernommen: Die beeindruckende Jubiläumsausstellung  „Aufbruch ins romantische Universum – August Wilhelm Schlegel“ lässt diesen Universalpoeten der Romantik lebendig werden. Sie zeigt bislang weitgehend unbekannte Originale – Werkmanuskripte, Korrespondenzen, Stücke seiner indischen Sammlung, einen Maternkasten mit den von Schlegel eigens in Paris entwickelten Sanskrittypen sowie noch nie gezeigte Stücke aus Privatbesitz.

Porträt von August Wilhelm Schlegel (links), unbekannter Künstler, und Friedrich Schlegel, Zeichnung von Caroline Rehberg, um 1794; © Freies Deutsches Hochstift / Frankfurter Goethe-Museum – Foto: Bernd Heier

Trotz seiner herausragenden Leistungen hatte August Wilhelm Schlegel nicht den besten Ruf. Dazu trugen auch Johann Wolfgang von Goethe und Heinrich Heine vor allem  bei, der wie Karl Marx Schlegels Vorlesungen in Bonn besuchte. „Heine kritisierte“, wie Dr. Ina Hartwig, Frankfurts Kulturdezernentin bei der Pressekonferenz betonte, „den alten Schlegel und machte sich lustig über den Spötter“. Für Gerede dürfte auch die Wohngemeinschaft in Jena gesorgt haben: 1799 kamen Friedrich Schlegel und seine Partnerin Dorothea Veit mit ihrem 6-jährigen Sohn Philipp Veit nach Jena und zogen zu August Wilhelm und Caroline Schlegel ins Haus.

Die überzeugend strukturierte Präsentation, die bis zum 12. November 2017 zu sehen ist, haben Dr. Claudia Bamberg von der Philipps-Universität Marburg und Dr. Cornelia Ilbrig vom Freien Deutschen Hochstift kuratiert. Der Ausstellungsparcours folgt einer an den bedeutendsten Wirkungsstätten des vielgereisten Protagonisten orientierten Inszenierung. Im Zentrum steht das interkulturelle Schaffen Schlegels, das sich an jedem seiner Aufenthaltsorte in Europa neu entfaltete und anderen Gegenständen zuwandte. So gerät erstmals das gesamte Spektrum seines Werkes in den Blick.

Zwei Medienstationen nähern sich in der Ausstellung Schlegel digital. Die erste visualisiert sein faszinierendes Briefnetzwerk: Schlegel korrespondierte zeit seines Lebens mit nahezu allen wichtigen Persönlichkeiten aus Kultur, Wissenschaft und Politik quer durch Europa. Die interaktive Visualisierung macht diese Verbindungen sichtbar und zeigt, wie sich die Schaffenszentren des Romantikers im Laufe seines Lebens verlagert haben. Die zweite Medienstation wurde von Studierenden der Goethe-Universität Frankfurt gestaltet: Diese haben sich in einem zweisemestrigen Seminar mit den Werken Schlegels und der Jenaer Frühromantiker auseinandergesetzt und Konzeptfilme zu einzelnen Themen entwickelt.

Ermöglicht wurde die sehenswerte Ausstellung vom Kulturamt der Stadt Frankfurt am Main, dem Kulturfonds Frankfurt RheinMain, der »experimente#digital« – eine Kulturinitiative der Aventis Foundation -, Adolf- und Luisa-Haeuser-Stiftung, dem Förderfonds Lehre der Goethe-Universität Frankfurt, der Dr. Marschner-Stiftung, der Sparkassen-Kulturstiftung Hessen-Thüringen sowie der Arbeitsgemeinschaft literarischer Gesellschaften und Gedenkstätten (ALG).

„Aufbruch ins romantische Universum  – August Wilhelm Schlegel“ im Freien Deutschen Hochstift / Frankfurter Goethe-Museum, bis 12. November 2017; weitere Informationen unter:  http://www.goethehaus-frankfurt.de

Bernd Heier

Bitte besuchen Sie auch unseren  Facebook-account

Ihre Meinung ist uns wichtig

oben