Ludwig Meidner – der große bekannte „Unbekannte“! … Online-Plattform bietet Einblicke in das Schaffen des expressionistischen Malers im Exil!

5 Sep
2017
Ludwig Meidner

Ludwig Meidner, „Ich zerhauener Erdenkloß …“, 1917, aus: Skizzenbuch 1917, Tusche, 27,1 x 36,9 cm; Foto: Ursula Seitz-Gray, © Ludwig Meidner-Archiv, Jüdisches Museum der Stadt Frankfurt am Main

Frankfurt am Main – Ludwig Meidner (1884–1966) zählt zu den herausragenden deutschen Künstlern der Moderne. Sein Werk und seine jüdische Biographie stehen exemplarisch für die gesellschaftlichen Brüche, mit denen Künstlerinnen und Künstler im Deutschland der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts konfrontiert waren.

Mit seismographischem Gespür hat er die katastrophalen Erschütterungen der Zeit früh erfasst und Deutschland 1939 – gerade noch rechtzeitig- verlassen.

 

Nach der Verfolgung durch das nationalsozialistische Regime und den Jahren in der Emigration war Ludwig Meidner fast in Vergessenheit geraten. Heute wird er dagegen weltweit als bedeutender, expressionistischer Maler gesehen. Anlässlich seines 50. Todestages wurden ihm in der Rhein-Main-Region eine Reihe von Ausstellungen und Veranstaltungen gewidmet, um die unterschiedlichen Aspekte im Schaffen des Malers, Zeichners und Dichters zu beleuchten. So hat beispielsweise das Museum Giersch der Universität Frankfurt im letzten Jahr unter dem Titel: „Horcher in die Zeit – Ludwig Meidner im Exil“ in einer großartigen Schau die unter schwersten Bedingungen entstandenen Arbeiten gezeigt.

„Emporheben der Thora“, 1944, Aquarell, Kreide, 70 x 57,2 cm; Kunststiftung Bönsch; Foto: Uwe Dettmar, Frankfurt • Fotos: Jüdisches Museum der Stadt Frankfurt am Main

Die Sonderausstellung auf der Online-Plattform „Künste im Exil“: www.kuenste-im-exil.de/ludwig-meidner-ausstellung bietet jetzt umfassende Einblicke in Meidners expressionistisches Werk. Der Schwerpunkt der Präsentation liegt dabei auf seinen Exiljahren in England, die der Künstler in seinen Briefen und Aufzeichnungen als eine Zeit der Entbehrung und des künstlerischen Misserfolgs darstellte.

Der Künstler erreichte London Anfang August 1939. Es begannen 14 materiell äußerst entbehrungsreiche Jahre des Exils, in denen es Meidner nicht gelang, Anschluss an die englische Kunstszene zu finden. Trotz der deprimierenden Armut und der fehlenden Bestätigung als Künstler waren diese Jahre insgesamt doch künstlerisch sehr produktiv.

In seinen Londoner Arbeiten hat er sich auch intensiv mit der jüdischen Geschichte und Tradition befasst. Die Rezeption jener Werke, die er in der Emigration und nach seiner Rückkehr in die Bundesrepublik Deutschland anfertigte, hat allerdings gerade erst begonnen. Die übersichtlich gestaltete Online-Ausstellung des Jüdischen Museums Frankfurt leistet nun einen Beitrag, um die Diskrepanzen in der öffentlichen wie auch kunsthistorischen Wahrnehmung des Künstlers zu beheben und die unterschiedlichen Werkphasen virtuell zusammenzuführen.

Mit der informativen Online-Ausstellung stärkt das Jüdische Museum während der Umbau-Phase seine digitale Präsenz. Die Mitarbeit im Netzwerk „Künste im Exil“ stellt eines von mehreren Projekten dar, welche das Museum im Rahmen seiner digitalen Strategie verfolgt. „Ich freue mich, dass wir unsere Zusammenarbeit mit dem Exilarchiv nun in den digitalen Raum ausdehnen und mit der umfangreichen Sonderausstellung zu Ludwig Meidner auf der Online-Plattform ,Künste im Exil‘ einen unserer Sammlungsschwerpunkte zusammenhängend präsentieren können“, sagt Mirjam Wenzel, Direktorin des Jüdischen Museums Frankfurt.

Bernd Heier

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