Malen mit der Kamera … „Fotografien werden Bilder. Die Becher-Klasse“ im Städel Museum Frankfurt am Main

29 Apr
2017
Städel, Fotografie, Ausstellung, Frankfurt

Städel Direktor Dr. Philipp Demandt – Dr. Martin Engler, Kurator und Sammlungsleiter Gegenwartskunst am Städel Museum – sowie Ko-Kuratorin Dr. Jana Baumann, Städel Museum, erläuterten bei der Pressekonferenz den Paradigmenwechsel in der Fotografie (v.li.) – Foto: Bernd Heier

Frankfurt am Main –  In der umfassenden Überblicksschau „Fotografien werden Bilder. Die Becher-Klasse“ widmet sich das Städel Museum der berühmten Becher-Klasse und dem mit ihr verbundenen Paradigmenwechsel im Medium der Fotografie.

Anhand von rund 200 Fotografien der international renommierten Künstler Volker Döhne, Andreas Gursky, Candida Höfer, Axel Hütte, Tata Ronkholz, Thomas Ruff, Jörg Sasse, Thomas Struth und Petra Wunderlich geht die Präsentation im Ausstellungshaus der Frage nach, welchen Einfluss Bernd und Hilla Becher auf ihre Studenten an der Düsseldorfer Kunstakademie ausübten. Was eint bzw. trennt deren Arbeiten von ihren Lehrern? Gibt es überhaupt so etwas wie eine Becher-Schule oder haben wir es ‚nur’ mit einer Gruppe sehr erfolgreicher Fotografinnen und Fotografen zu tun, die in einem besonders günstigen historischen Moment am ‚richtigen Ort’ studiert haben?

Die faszinierende Schau, die bis zum 13. August 2017 im Ausstellungshaus des Städel zu sehen ist, nimmt das Werk des Künstlerpaares als Ausgangspunkt, um die radikale Veränderung im Umgang mit dem Medium der Fotografie, die sich ab den 1980er- und vor allem in den 1990er-Jahren in den Arbeiten der Becher-Schüler manifestiert, aufzuzeigen und ihre kunsthistorische Tragweite bis in unsere Gegenwart zu untersuchen. Zu sehen sind großformatige Hauptwerke sowie zentrale Frühwerke der wohl einflussreichsten deutschen Fotografengeneration. 

„Die ersten – inzwischen weltbekannten – Schülerinnen und Schüler von Bernd und Hilla Becher haben einen ganz maßgeblichen Anteil an der Etablierung der Fotografie als gleichberechtigte künstlerische Ausdrucksform. Die neun in der Ausstellung präsentierten Künstlerinnen und Künstler bewegen sich im Unschärfebereich von Malerei und Fotografie und entsprechen mit dieser bewussten Durchlässigkeit der Gattungsgrenzen einem zentralen Schwerpunkt der Sammlung Gegenwartskunst im Städel Museum“, betont Städel Direktor Dr. Philipp Demandt.

Und  Kurator Dr. Martin Engler ergänzt: „Was mit der Lehre Bernd und Hilla Bechers angestoßen und von ihren Schülerinnen und Schülern weiterentwickelt wurde, ist ein neuer Bildbegriff, in dem sich mediale wie ästhetische Grenzziehungen zwischen Skulptur, Malerei und Fotografie auflösen“.

Als maßgeblicher Impuls für die veränderte Wahrnehmung des Mediums der Fotografie kann die Begründung des Lehrstuhls für künstlerische Fotografie 1976 an der Düsseldorfer Kunstakademie gesehen werden. Diesen hatte Bernd Becher in enger Zusammenarbeit mit seiner Frau Hilla Becher bis 1996 inne. Noch vor der Berufung an die Düsseldorfer Akademie hatten beide mit ihren beeindruckenden Serienfotografien historischer Industriearchitektur internationale Bedeutung erlangt. Sie nahmen Fördertürme, Hochöfen, Gasbehälter oder Wassertürme mit bestechender Tiefenschärfe zentralperspektivisch in frontaler Ansicht und bevorzugt vor einheitlich grauem Himmel auf. Die Einzelbilder gruppierten sie im Raster zu großformatigen Tableaus – den Typologien.

Die Studenten der ersten Stunde haben sich insbesondere in ihrem Frühwerk intensiv mit dem künstlerischen Werk ihrer Lehrer befasst, um diese Seite mit Beginn der 1990er-Jahre sehr eigenständig und in unverwechselbaren Stilausprägungen weiterzuverfolgen. Mittels unterschiedlicher Strategien, wie Formatgröße, Präsentation oder Motivik und nicht zuletzt mit – durch die digitalen Bildtechniken begünstigten – abstrakten Bildfindungen, wird die Durchdringung der Medien die Malerei und Fotografie ins Extrem geführt. Dies belegt die laut Demandt „wunderbar gehängte Schau“ überzeugend.

Gefördert wird die Präsentation durch die DZ BANK AG – Weitere Informationen unter: www.staedelmuseum.de

hbh

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