Gemeinsames Speisen in der Natur ist weltweit beliebt: „Picknick im Grünen – déjeuner sur l’herbe“ vom 06.05.-17.09.2017 im „Museum Angewandte Kunst“ in Frankfurt am Main

30 Apr
2017
Picknick, Landpartie, royal henley regatta

Bild: Museum für Angewandte Kunst/Julian Gerchow

Frankfurt am Main – Ein Picknick im Grünen, déjeuner sur l’herbe – das gemeinsame Speisen in der Natur – erfreut sich weltweit großer Beliebtheit. Bereits die alten Griechen schätzten es und spätestens mit der Erfindung des ‚Picknickkorbs‘ im England des 18. Jahrhunderts wurde das Mahl im Freien zum gesellschaftlichen Ereignis.

Aktuell lässt sich gerade in den westlichen Großstädten ein Revival des Picknicks beobachten, ob beim stilvoll arrangierten „Dîner en Blanc“ oder bei fröhlichen Ausflügen ins Grüne mit Kind, Kegel und Klappgrill. Mit ‚Picknick-Zeit‘ beschäftigt sich erstmals eine große Ausstellung umfassend mit dem Phänomen Picknick. Vom 06. Mai bis 17. September 2017 folgt die Schau im Museum Angewandte Kunst in Frankfurt am Main der Faszination des Speisens unter freiem Himmel quer durch verschiedene Zeiten und Kulturkreise. Wie etwa sieht ein prunkvolles Mahl während der königlichen Ruder-Regatta im englischen Henley aus, wie picknickt man auf den höchsten Bergen der Welt, wie im Orient oder im Japan der Kirschblüte?

Auf über 1.000 Quadratmetern Ausstellungsfläche erzählen Picknick-Utensilien unterschiedlichster Form, Machart und Herkunft, zahlreiche Objekte, Installationen, Fotografien und Filme vom Variantenreichtum einer beliebten Kulturpraxis.

Schon immer haben Menschen gemeinsam unter freiem Himmel ihre Mahlzeiten verzehrt. In der Zeit des Barock avancierte das Mahl im Freien in französischen Adelskreisen zum beliebten Sommervergnügen und der Begriff „Pique-Nique“ wurde geprägt. Hohe Popularität erreichte das Picknick im 18. Jahrhundert in England. Bis heute ist dort die Beliebtheit ungebrochen und beim berühmten Pferderennen von Ascot, der Henley Royal Regatta, dem Tennisturnier von Wimbledon und der Oper in Glyndebourne wird das Picknick zum gesellschaftlichen Großereignis.

In Japan trifft man sich zur Zeit der Kirschblüte zu kunstvoll inszenierten Picknicks, die auf eine Tradition bis ins 8. Jahrhundert zurückblickt und bei denen Dichtung und Gesang eine große Rolle spielen. Bei den Picknicks im Nahen Osten wiederum fühlen sich viele Menschen an ihre nomadischen Wurzeln erinnert, wenn sie im Kreis ihrer Verwandten und Bekannten aus den Städten in die Natur pilgern und im Freien grillen und essen.

In Deutschland setzt sich diese Tradition in der Leidenschaft fort, mit der Einwandererfamilien den öffentlichen Raum und die Grünflächen als Grillplätze und für Freizeitaktivitäten nutzen. Darüber hinaus blickt die Ausstellung auf historische wie zeitgenössische Picknick-Rituale und -Objekte in der Schweiz, in Deutschland, Frankreich und in den nordischen Ländern, aber auch in Indien, im Iran oder in Mexiko.

Das Picknick gehört zur kulturellen Praxis aller sozialer Schichten, kann verfeinertes Ritual ebenso wie ungezwungene Alltagspraxis sein. Ob beim High Society Event oder der fröhlichen Landpartie: Das Teilen von Speis und Trank verbindet und stiftet Gemeinschaft; das Picknick in der Natur ist von spielerischer Freiheit geprägt, es kann Entspannung, Ungezwungenheit und bestenfalls die Überwindung gesellschaftlicher Unterschiede ermöglichen.

So unterschiedlich die Picknick-Rituale rund um den Globus aussehen, so groß ist auch die Vielfalt der speziell für diesen Anlass entwickelten Utensilien. Die Ausstellung zeigt zahlreiche Beispiele: Wundervoll dekorierte japanische Lack-Picknicksets aus der Zeit um 1800 aus dem Victoria and Albert Museum in London etwa weisen auf ihre Verwendung durch eine hochentwickelte höfische Gesellschaft hin. Elegant-stabile Lederkoffer der Firma Louis Vuitton wurden in Frankreich für Auto- und Motorradfahrten ins Grüne entwickelt, luxuriöse Picknick-Körbe von Fortnum & Mason lassen mit Porzellangeschirr, Silberbesteck und mundgeblasenen Champagnerflöten keine Wünsche offen. Leichtes Aluminiumgeschirr erweist sich als praktisch beim Bergwandern in der Schweiz, Designprodukte aus Kunststoff stehen für pragmatischen Komfort. Speziell erdachte Tische und Stühle, Kleidung, Fächer und Schirme ergänzen die Auswahl.

Die Frankfurter Fotografin Barbara Klemm hat in den letzten 40 Jahren weltweit zahlreiche Picknick-Szenen aufgenommen, die in der Ausstellung erstmals dem Publikum gezeigt werden. Auf Reisen etwa nach Kapstadt, China, in die Ukraine oder den Iran entstanden, visualisieren die Bilder dieses gesellige Beisammensein in einer großen Spannbreite und zeigen Gemeinsames wie Unterschiedliches. Das Projekt PIK-NIK des jungen indischen Fotografen Arko Datto gibt Einblick in aufwendige, mit einer ungeheuren Logistik verbundene Picknicks während der Wintermonate 2013–2015 in Westindien, bei denen dröhnende Musik und exzessiver Tanz eine ebenso große Rolle spielen wie das Essen. Ali Renanis Bildcollagen fächern die vielseitigen Aktivitäten rund ums Essen im Freien während des Neujahrsfestes Nouruz in Iran auf, einem Land mit einer leidenschaftlich picknickenden Bevölkerung.

In einer eigens für Picknick-Zeit angefertigten Serie von Karikaturen bringt der Maler, Cartoonist und Illustrator Hans Traxler die Besonderheiten des britischen Picknicks auf amüsante Weise auf den Punkt. Speziell für die Ausstellung entstand eine Reihe von Scherenschnitten, in denen junge Schweizer Künstler verschiedene Facetten des Picknickens thematisieren. Bereits vor dem Museumseingang begrüßt das wohl ikonischste Kunstwerk zum Thema, Edouard Manets „Frühstück im Grünen“, die Besucherinnen und Besucher – in Originalgröße von den Streetart-Künstlern Balázs Vesszösi und Gündem Gözpinar neu interpretiert. …

Museum Angewandte Kunst,  Schaumainkai 17,  60594 Frankfurt am Main – Information: Telefon: +49 69 212 31286 www.museumangewandtekunst.de
Öffnungszeiten: Di, Do-So 10:00-18:00 Uhr – Mi 10:00-20:00 Uhr
Eintritt: 9,– Euro, ermäßigt 4,50 Euro, Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren und Studierende der Goethe-Universität und der Städelschule frei
Förderer: Schweizerisches Generalkonsulat in Frankfurt am Main, Europäische Zentralbank, Gstaad Saanenland Tourismus, Hotelpartner Fleming’s Hotels & Restaurants

gw

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