Das großartige Werk des „Abstrakten der Inneren Emigration“ – Präsentation des neuen Werkverzeichnisses Otto Ritschl in Wiesbaden

20 Apr
2017
Otto Ritschl, Komposition 1976, Museum Wiesbaden

Otto Ritschl „Komposition 1976 /11“, Öl auf Leinwand, 130 x97 cm; Foto: Museum Wiesbaden

Wiesbaden – Nach über zwei Jahren akribischer Arbeit, geduldiger Recherchen und systematischer Dokumentation legt Wolff Mirus jetzt ein vollständiges Werkverzeichnis des Wiesbadener Malers Otto Ritschl (1885 – 1976) vor.

Das erste Verzeichnis aus dem Jahre 1973 war nicht vollständig, da Otto Ritschl bis ins hohe Alter produktiv war und noch rund 200 Werke nach Drucklegung gemalt hat. Aus finanziellen Gründen konnten die meisten Bilder damals nur in Schwarz-Weiß abgebildet werden – ein großes Manko angesichts der leuchtenden Farbpalette dieses Malers.

Im Vorwort der schwergewichtigen Dokumentation (über 400 Seiten) schreibt der Verfasser: „Das Buch lädt dazu ein, Otto Ritschls Beitrag zur abstrakten Kunst des 20. Jahrhunderts, sein so wundervoll inspiriertes Werk, in seiner Gesamtheit kennenzulernen“. Dies ist dem kompetenten Verfasser voll gelungen. Denn Mirus – in seiner Jugend Schüler und Assistent Ritschls in dessen Wiesbadener Atelierhaus – bringt seine eingehende Kenntnis über das umfangreiche Werk des autodidakten Meisters ein, das rund 1.600 Ölgemälde und umfangreiche grafische Arbeiten aus nahezu 60 Jahren künstlerischen Schaffens umfasst.

Ritschl, der von den Nationalsozialisten als „entartet“ diffamiert wurde,  gehört zum Kreis abstrakter Maler, die nach dem Zweiten Weltkrieg die westdeutsche Kunstszene prägten. Das Bundeskanzleramt hat 1984 deshalb den vielfach ausgezeichneten Ritschl u.a. zusammen mit Baumeister, Ackermann, Nay, Winter und Meistermann in die vielbeachtete Ausstellung von abstrakten Malern der „Inneren Emigration“ einbezogen. Seine Arbeiten waren auch auf der ersten und zweiten „documenta“ zu sehen.

Dieses opulente großformatige Werkverzeichnis mit rund 1.900 meist farbigen Abbildungen, das im angesehenen Kunstbuchverlag Hirmer erschienen ist, haben das Museum Wiesbaden und der Museumsverein Ritschl e.V. nun mit berechtigtem Stolz präsentiert.

Der Museumsverein Ritschl, dessen Vorsitzender seit 1988 Prof. Dr. Tom Sommerlatte ist, betreut den Nachlass des großen Wiesbadener Malers  – geboren 1885 in Erfurt, gestorben 1976 in Wiesbaden. Er lebte über 60 Jahre in Wiesbaden und gehört zu den zentralen Künstlerpersönlichkeiten dieser Stadt. Befreundet war er u.a. mit Alexej Jawlensky. Unter: www.otto-ritschl.org  ist seine ausführliche Biografie zu lesen.

Um den Namen des Meisters der reinen Malerei lebendig zu halten, wurde der Otto Ritschl-Preis ausgelobt, der dem Preisträger eine Ausstellung im Museum Wiesbaden mit Katalog bietet und ein Preisgeld einschließt. Der Verein vergab den „Otto Ritschl-Preis“ 2001 an Gotthard Graubner, 2003 an Ulrich Erben, 2009 an Kazuo Katase und 2015 an Katharina Grosse.

„Ritschl – Das Werkverzeichnis 1919 – 1976“, Großformat, 406 Seiten, Preis: 59,90 Euro.

Bernd Heier

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