Die verblüffende Leichtigkeit der Schwergewichte – „Richard Serra – Props, Films, Early Works” im Museum Wiesbaden!

30 Mrz
2017

Richard Serra, Ausstellungsansicht; Foto: Museum Wiesbaden / Bernd Fickert; ©VG Bild-Kunst

Wiesbaden – Zu Ehren des berühmtesten Künstlers der Stadt wird im fünfjährigen Turnus der Alexej-von-Jawlensky-Preis von der Landeshauptstadt Wiesbaden gemeinsam mit großzügiger finanzieller Unterstützung der Spielbank und der Nassauischen Sparkasse vergeben.

In diesem Jahr ist der weltbekannte amerikanische Bildhauer Richard Serra mit dem in Höhe von 18.000 Euro dotierten Preis ausgezeichnet worden. Richard Serra, Jahrgang 1939, zählt zu den bedeutendsten zeitgenössischen Bildhauern und besetzt mit großer Kontinuität eine Position in der Kunst der letzten 50 Jahre, die heute bereits zu den Klassikern zählt. Serra, der seit 1966 in New York lebt, ist der sechste Preisträger nach Agnes Martin (1991), Robert Mangold (1996), Brice Marden (2004), Rebecca Horn (2007) und Ellsworth Kelly (2012).

Aus Anlass der Preisverleihung, an der der Künstler krankheitsbedingt nicht teilnehmen konnte, zeigt das Museum Wiesbaden die höchst beeindruckende Schau „Richard Serra- Props, Films, Early Works”. Mit Serras Arbeiten präsentiert Wiesbaden nun einen weiteren Höhepunkt amerikanischer Gegenwartskunst. Die von Dr. Jörg Daur kuratierte Ausstellung konzentriert sich auf Serras frühe Arbeiten, die sogenannten „Props“ oder „Proppieces“ sowie filmische Arbeiten aus den späten 1960er- und frühen 1970er-Jahren. „Bei beiden Werkgruppen steht die Handlung als künstlerische Aktion im Vordergrund. Das Stellen, Lehnen und letztlich auch Ausrichten der verwendeten Bleiplatten korrespondiert mit den einfachen Handlungen der filmischen Arbeiten“, erläutert Dr. Daur.

Laut Museumsdirektor Dr. Alexander Klar hat der renommierte Künstler wegen des Gewichts und der Weichheit der Bleiwerke vor dieser Ausstellung gewarnt. Aber gerade das Spiel zwischen der Leichtigkeit der Kunst und der Schwere der Blei- und Stahlarbeiten macht den besonderen Reiz der Schau aus. Der Gegensatz zwischen schwer und leicht scheint in seinen Arbeiten aufgehoben. Die Blei- und Stahlplatten halten aneinandergelehnt – bei minimalen Berührungen – nur durch ihr zentnerschweres Gewicht eine sensibel erscheinende Balance, gleichsam wie ein Kartenhaus. „House of Cards“ nennt Serra auch eine seiner Prop-Skulpturen (engl. prop: Stütze, Halt; als Verb auch: lehnen, abstützen).

„Die Ästhetik der Arbeiten speist sich aus den physikalischen Parametern des Materials, dessen Oberfläche, dessen Gewicht und Stabilität“, so der begeisterte Kurator: „Die Anordnung folgt dabei unterschiedlichen Möglichkeiten balancierter Aufstellung. Einerseits fragil und temporär erscheinend verbleiben die Konstellationen doch allein durch das Gewicht der Platten fixiert und unveränderlich. So lehnen die Platten der Props teilweise an der Wand oder werden mit Bleiwinkeln oder Rollen dorthin abgestützt, wohingegen andere durch kleinste Berührungen in Balance gehalten werden“.

Das Hessische Landesmuseum für Kunst und Natur präsentiert in der Ausstellung, die bis zum 18. Juni 2017 zu sehen ist, eine Auswahl von zwölf „PropPieces“ sowie zeitgleich entstandene Arbeiten aus Gummi und weiteren Materialien. Außerdem werden einige großformatige Wandbilder mit Ölkreide auf Leinwand oder Schmiedestahl gezeigt, die allein schon aufgrund der überwiegend schwarzen Farbe schwer wirken.

Die Schau wurde in enger Zusammenarbeit mit dem Künstler konzipiert und versammelt Werke unter anderem aus dem ‚New Yorker Museum of Modern Art‘ und dem Whitney Museum of American Art, der Tate London, der Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen, dem Museum Abteiberg sowie der Bayerischen Staatsgemäldesammlungen.

Serras Arbeiten wurden auf der documenta in Kassel und der Biennale in Venedig gezeigt. Mit monumentalen Werken ist er beispielsweise in Bilbao und in etlichen deutschen Städten vertreten, u.a. mit einer begehbaren Stahlplastik  in Bochum.

Weitere Informationen unter:  www.museum-wiesbaden.de

Bernd Heier

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