Spannende Einblicke in eine verborgene Welt: Senckenberg Naturmuseum Frankfurt zeigt „Die dünne Haut der Erde – Unsere Böden“

24 Jan
2017

Der Jubiläumsslogan der Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung; ©Senckenberg Gesellschaft

Frankfurt am Main – Die Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung (SGN) feiert in diesem Jahr 200. Geburtstag. Unter dem Motto „Senckenberg forscht für IHR Leben gern“ hat die international renommierte Gesellschaft ein pralles Jubiläumspaket geschnürt.

Das vielseitige Programm sieht über das gesamte Jahr eine Vielzahl hochkarätiger Veranstaltungen an allen elf Standorten der Gesellschaft in Deutschland vor: Ausstellungen, Tage der offenen Tür, Wettbewerbe, ein Wissenschaftskongress, ein Festakt und ein großes Bürgerfest am 19. November 2017 im Senckenberg Naturmuseum Frankfurt. Das Jubiläumsjahr startet gleich mit einem „glamourösen Highlight“ am 28. Januar 2017, der Galaveranstaltung „Senckenberg Night“ mit der Verleihung des begehrten „Senckenberg-Preises“

Den Ausstellungsreigen eröffnet das Frankfurter Senckenberg Naturmuseum mit der großartigen Schau „Die dünne Haut der Erde – Unsere Böden“, die soeben gestartet ist und bis zum 13. August 2017 bestaunt werden kann. Böden sind echte Multitalente: Sie ermöglichen Pflanzenwachstum, filtern Schadstoffe aus dem Wasser und bieten den verschiedensten Organismen einen Lebensraum. Die Sonderausstellung im Wolfgang-Steubing-Saal bietet spannende Einblicke in die verborgene Welt unter unseren Füßen.

In vier Themenräumen werden verblüffende Informationen über die Vielfalt des Lebens im Boden, seine Funktion und Entstehung anschaulich präsentiert. Zudem sind die Nutzung von Böden durch den Menschen und der dabei verursachte Schaden ein zentrales Thema der vom Bundesministerium für Bildung und Forschung geförderten Schau. Zahlreiche interaktive Ausstellungsstücke stellen verschiedene Bodenbewohner und Bodentypen vor und verraten, was jeder Einzelne für den Bodenschutz tun kann.

Modell einer einzelligen Amöbe. Sie leben im Bodenwasser, wo sie sich von Algen und Pilzen ernähren. Foto: Senckenberg, Andrzej Paczos

Was lebt im Boden, welche Abbauprozesse laufen dort ab und was hat das alles mit uns Menschen zu tun? Mehr als man denkt, denn Böden bilden einen unersetzlichen Teil unserer Lebensgrundlage: Abermillionen im Boden versteckte Lebewesen zersetzen organisches Material und machen es für Pflanzen in Form von Nährstoffen verfügbar. Dadurch entsteht fruchtbarer Boden. Doch der Mensch zerstört jährlich große Mengen dieser kostbaren Ressource durch Pestizideinsatz, Erosion, Versiegelung und Bodenverdichtung.

Professor Willi Xylander, Direktor des Senckenberg Museums für Naturkunde Görlitz, der die beeindruckende Schau konzipiert und für Frankfurt erweitert hat, mahnt: „Wir behandeln Böden als seien sie nichts wert. Das ist ein Fehler“. Das Görlitzer Museum erforscht seit mehr als 50 Jahren die Biodiversität von Böden.

Die vier verschiedenen Bereiche hat Xylander, ein bekennender Harry-Potter-Fan, als  „Kammern“ tituliert: In der „Kammer des Lebens“ lernen Besucher zunächst die Vielfalt der Bodenorganismen und deren Lebensweise kennen. Die „Kammer der Krümel“ widmet sich den verschiedenen Bodentypen, ihren Eigenschaften und ihrer Entstehung. Aktuelle Beispiele aus der Bodenforschung bei Senckenberg präsentiert die „Kammer des Wissens“.Da die Erforschung des Erdreichs Voraussetzung für einen effektiven Bodenschutz ist, leitet sie über zu der „Kammer des Schreckens“. Dort wird die Zerstörung von Böden durch den Menschen thematisiert.

Um die packende Schau nicht allzu düster ausklingen zu lassen, bietet der „Gang der Visionäre“ gewissen Anlass zu Optimismus: Vom Ökobauern bis zum urbanen Naturschützer werden Menschen vorgestellt, die sich für den Schutz von Böden engagieren. Beachtenswerte Tipps, wie das eigene Verhalten einen Beitrag zur nachhaltigen Nutzung von Böden leisten kann, schließen den Kammer-Rundgang ab.

Die ebenso informative wie kurzweilige Präsentation in einer sehr ansprechenden Ausstellungsarchitektur veranschaulicht mit interaktiven Stationen, Animationen, Kurzfilmen und Infotafeln alles Wissenswerte rund um das Erdreich. Kleine Entdeckerinnen und Entdecker tauchen mit Texten und Mitmachangeboten auf Kinderebene, die durch die ganze Ausstellung führen, in das geheimnisvolle Erdreich ein.

Bis zum 17. April 2017 widmet das Museum Wiesbaden ebenfalls dem Thema Boden, unserer unersetzlichen Lebensgrundlage – eine beeindruckende Mitmach-Schau; s. dazu auch Bericht: „Einblicke in die unbekannte Welt unter unseren Füßen … Sonderausstellung „Erdreich – Boden erforschen, Schätze entdecken“ in: www.positiv-magazin.de vom 08. Dezember 2016.

„Die dünne Haut der Erde – Unsere Böden“ ist bis zum 13. August im Senckenberg Naturmuseum Frankfurt zu sehen; weitere Informationen unter: www.200jahresenckenberg.de

Abbildungen: © Senckenberg Naturmuseum Frankfurt am Main

Bernd Heier

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