Jedem Vogel hat die Natur das passende „Werkzeug“ mitgegeben: Zeig mir deinen Schnabel – und ich weiß, was du frisst!

14 Jan
2017

Hakenschnabel • Bild: Deutsche Wildtier Stiftung

Hamburg Vögel, die bei uns überwintern, können am Futterhaus oder beim Spaziergang gut beobachtet werden. „Achten Sie einmal auf die Schnäbel: Sie verraten, was Vögel fressen“, sagt Peer Cyriacks, Ornithologe der Deutschen Wildtier Stiftung. „Körnerfresser haben beispielsweise einen anders geformten Schnabel als Insektenfresser oder Wasservögel.“

‚Pinzetten-Schnäbel‘ gehören Weichfutterfressern. Rotkehlchen, Drosseln, Stare, Zaunkönige, Heckenbraunellen, Kleiber, Baumläufer und Spechte gehören dazu. „Typisch ist der längliche, spitz zulaufende, schmale Schnabel“, erläutert Peer Cyriacks. Der Schnabel übernimmt in gewisser Weise die Funktion einer Pinzette. Damit können die Vögel getrocknete Beeren und Rosinen, Apfelstückchen oder Mehlwürmer aufspießen und verspeisen.

‚Kompakt-Schnäbel‘ knacken Körner. Buch- und Grünfink, Kernbeißer, Zeisig, Stieglitze, Meisen, Gimpel und Spatzen sind mit ihren Schnäbeln dazu in der Lage. „Der Schnabel ist klein, kräftig und kompakt. Er arbeitet fast wie ein Nussknacker“, so Cyriacks. Sonnenblumenkerne, Hanfsamen, Mohn, Leinsamen, Buchweizen und Haferflocken werden von Körnerfressern ohne Probleme zerteilt.

‚Löffel-Schnäbel‘ gehören Wasservögeln. Die breiten, vorne abgerundeten Schnäbel eignen sich perfekt zum Gründeln. Enten und Schwäne suchen damit den Teich oft bis zum Boden ab. Der Schnabel wird zum „Löffel“, der Wasserinsekten und Grünpflanzen absammelt. Insekten und Pflanzen bleiben im Schnabel hängen, werden verspeist.

Eine Besonderheit sind die Säger: Diese Enten-ähnlichen Vögel haben sich auf den Fischfang spezialisiert und seitlich gesägte Schnäbel, die den schlüpfrigen Fisch besonders gut packen können. ‚Haken-Schnäbel‘ gehören Greifvögeln und Eulen. Sie sind darauf angewiesen, festes Fleisch zerschneiden zu können. Mit scharfen Schnabelkanten und dem gebogenen Haken können sie die Beute, etwa Mäuse und Kleinvögel töten und grob zerteilen.

‚Allesfresser-Schnäbel‘ sind kräftig und kantig. Der Eichelhäher besitzt so einen robusten Allround-Schnabel, aber auch Dohlen und Elstern haben ein ‚Multifunktions-Werkzeug‘, um tierische und pflanzliche Kost zu vertilgen. Sie knacken mit dem Schnabel Eicheln, Haselnüsse und Bucheckern genauso geschickt, wie sie Abfälle verschlingen oder Würmer zerteilen.

ots/wk

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