Großer Besucherzuspruch: ‚Museum Angewandte Kunst‘ verlängert ‚Yokohama-Schau‘ bis 28. Mai

10 Jan
2017

Schauspieler vor Kabuki Theater, Shintomiza, in Edo, Tôkyô, Farbholzschnitt, späte Edo-, frühe Meiji-Zeit, um 1860-70; © Museum Angewandte Kunst

Frankfurt am Main – Aufgrund des hohen Besucherinteresses verlängert das ‚Museum Angewandte Kunst‘ die Ausstellung „Yokohama 1868–1912. Als die Bilder leuchten lernten“ bis zum 28. Mai 2017. Die in der Schau präsentierten über 270 Ukiyo-e-Holzschnitte und historische Fotografien bieten faszinierende Einblicke in das Japan der anbrechenden Moderne und in ein einzigartiges Kapitel japanischer Kunst.

Yokohama ist der Ort, der symbolisch für den Beginn der japanischen Moderne und für die Öffnung des Landes zur Welt steht. Mit den Europäern kommt um 1860 die noch in den Kinderschuhen steckende Fotografie nach Japan und erlebt hier einen kometenhaften Aufstieg. Das neue Medium löst die traditionelle Bildtechnik des Ukiyo-e-Holzschnitts zunehmend ab.

Nicht weit von dem kleinen Fischerort Yokohamagingen gingen 1853 die „Schwarzen Schiffe“ unter US-Admiral Perry vor Anker und leiteten damit das Ende der über 200 Jahre währenden Isolation Japans ein. In der Folge entstanden große Ausländersiedlungen – internationale Handelsgesellschaften eröffneten Niederlassungen in der Stadt und Yokohama avancierte zum beliebten Etappenstopp früher bürgerlicher Touristen auf ihrer klassischen „Grand Tour“ rund um die Welt. Die ersten Fotostudios in Yokohama wurden bereits um 1860 eröffnet, zunächst von europäischen Fotografen, denen jedoch schon bald japanische Meister folgten.

Die lebendige Frühphase der japanischen Fotografie ging mit dem langsamen Niedergang des traditionellen Ukiyo-e-Holzschnittes einher, der in Japan kaum mehr auf Interesse stieß. Yokohama-e („Yokohama-Bilder“) heißt eine Sonderform des Ukiyo-e, die sich in der japanischen Hafenmetropole in jenen Jahren heranbildete und den Einbruch der international geprägten Moderne in den japanischen Alltag zum Gegenstand macht. In fast naiver Weise drücken diese in der Ausstellung gezeigten Blätter das grenzenlose Staunen aus, mit dem man in Japan dem völlig fremdartigen internationalen Handelsverkehr und all den mit ihm einhergehenden Neuerungen begegnete.

Die von Dr. Stephan von der Schulenburg kuratierte Schau präsentiert anhand von Werken aus zwei bedeutenden deutschen Privatsammlungen sowie aus eigenen Beständen hierzulande weitgehend unbekannte Ansichten einer Kunstform im Niedergang und einer neuen im Aufbruch. Das Nebeneinander von farbintensivem Holzschnitt und dezent kolierten Fotografien bietet ein vielschichtiges Bild des rasanten Wandels Japans von einer traditionell geprägten asiatischen Kultur hin zu einem modernen Industriestaat. Besonders reizvoll sind die Holzschnitte, die sich mit dem neuen Medium Fotografie auseinandersetzen.

Gerade die frühe japanische Fotografie-Kunst hat eine fast magische Intensität. Sie gilt  aufgrund der meisterhaft inszenierten Bildwelten und der zart kolorierten Motive als eine der besten der Welt. Im Rahmen des reichhaltigen Begleitprogramms zu der facettenreichen Schau gibt der Japanologe und Kunsthistoriker Prof. Dr. Filip Suchomel (Akademie der Darstellenden Künste, Prag) am 14. Januar 2017 um 14:30 Uhr in einem englischsprachigen Vortrag informative Einblicke in diese hochproduktive Frühphase der japanischen Fotografie zwischen 1860 und 1910.

Mit der sehenswerten Präsentation, die vom Bankhaus Metzler, der Werner Reimers Stiftung und Caparol Icons unterstützt wird, leistet das Museum zugleich einen kulturellen Beitrag zu der seit fünf Jahren bestehenden Städtepartnerschaft zwischen Frankfurt und Yokohama.

„Yokohama 1868–1912. Als die Bilder leuchten lernten“ bis 28. Mai 2017 im ‚Museum Angewandte Kunst‘, Frankfurt am Main, Schaumainkai 17 – weitere Informationen unter: www.museumangewandtekunst.de

Bernd Heier

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