„Freiheit“ ist sein Lebensthema: ‚Mensch Gauck!‘ – Pastor, Präsident, Freiheitssucher … ZDF-Dokumentation am 31.01.2017, 20:15 Uhr!

31 Dez
2016

Joachim Gauck • Bild: ZDF

Für die einen ist er der „Präsident der Herzen“ – für die anderen ist er ein „Volksverräter“. Der Film bietet exklusive und sehr persönliche Einblicke in das Leben eines unbequemen Mannes.

Die Karriere des Joachim Gauck ist atemberaubend – und doch keineswegs geradlinig. Der wortgewaltige Pastor aus der DDR wurde Präsident eines geeinten Deutschlands. Seine Geschichte hat ihn zutiefst geprägt – und spiegelt sich auch in seiner Amtszeit wider.

Am 18. März 2017 endet die Präsidentschaft von Joachim Gauck. Dann tritt ein Mann ab, der einer der ungewöhnlichsten Präsidenten der Bundesrepublik war: Kein Berufspolitiker, sondern ein Pastor, der 1990 in die frei gewählte DDR-Volkskammer einzog, und der nach der Einheit Millionen von Stasi-Akten den Bürgern zugänglich machte.

„Freiheit“ ist sein Lebensthema: Nach ihr hat er sich in der DDR gesehnt und für sie hat er zur Wendezeit gekämpft. Diese Wochen und Monate bedeuten ihm viel – sogar mehr als seine Zeit im Schloss Bellevue, vertraut er im Interview „ZDFzeit“ an:Diese Tage werden immer die größten in meinem Leben sein. Nicht hier die glanzvollen Empfänge, das ist auch schön. Aber dieses Unwiederholbare und Einmalige – das war damals.“

Sozialismus und Kommunismus sind Gauck von Kindheitstagen an suspekt. Er geht nicht zu den Jungen Pionieren und tritt auch nicht der FDJ bei. Ein Erlebnis prägt ihn zutiefst: 1951 wird sein Vater völlig überraschend verhaftet. Lange weiß die Familie nicht, wo der verurteilte „Spion“ ist und ob er überhaupt am Leben ist. Seit diesen Tagen ist die DDR für Joachim Gauck ein Unrechts-Staat – eine Erfahrung, die ihn später auch antreibt, Pastor zu werden.

Dass seine beiden Söhne Mitte der 80er Jahre Ausreiseanträge stellen und in den Westen gingen, führte zu einer tiefen Krise in der Familie. Gauck war überzeugt, dass sie sich alle gemeinsam in der DDR für Veränderungen einsetzen müssten. Der Abschied von den Kindern war kühl – später bereute der Vater das. In der ZDF-Dokumentation erzählt Joachim Gauck: „Da sind viele späte Tränen geflossen, die ich mir damals in der Abschiedssituation verboten habe.“

Joachim Gauck, Daniela Schadt • Bild: ZDF

Auch diese Erfahrung hat Gauck geprägt – tatsächlich gilt er als besonders emotionaler Präsident, der seine Gefühle zeigt, Menschen innig umarmt und auch vor Tränen in der Öffentlichkeit nicht zurückschreckt. Glaubhaft setzt er sich für Versöhnung ein – mit den Ländern, die im Zweiten Weltkrieg besonders unter Deutschland gelitten haben. Daniela Schadt erklärt die Emotionalität ihres Lebensgefährten so: „Es gibt eine ganz besondere, schnelle Verbindung zwischen Kopf und Herz bei diesem Menschen.“

Zu Beginn der Präsidentschaft wurden die „Lebensverhältnisse“ des Paares republikweit diskutiert: Gauck ist mit seiner ersten Frau immer noch verheiratet, lebt aber seit Jahren mit seiner Partnerin Daniela Schadt zusammen. Eine solche Konstellation hatte es in Deutschland noch nie gegeben. In der Dokumentation räumt Gauck nun ein: „20 Jahre früher, vielleicht auch zehn Jahre früher, wäre diese Art noch nicht gegangen – dass der Präsident nicht ordentlich verheiratet ist. Ich hab mich selber gewundert, dass es geht.“

Das Jahr 1990 bedeutete für Joachim Gauck beruflich und privat eine Wende: Er trennte sich von seiner Frau, ging von Rostock nach Berlin und baute eine Behörde auf, wie es sie weltweit noch nie gab: Millionen von Stasi-Geheimdienstakten sollten den Bürgern zugänglich gemacht werden. Als Leiter der „Gauck-Behörde“ gewann er große Anerkennung über Parteigrenzen hinweg. Mehrfach wurde er in der Folge als „würdiger Kandidat“ für das Präsidentenamt gehandelt.

In seiner Amtszeit eckte Gauck immer wieder an: Für die einen mischte er sich zu viel ein in das politische Alltagsgeschäft – für die anderen vernachlässigte er wichtige Themen. Als er für eine stärkere Rolle der Bundeswehr plädierte, wurde er von Linken zum „Kriegstreiber“ erklärt. Als er sich für Flüchtlinge stark machte, wurde er von Rechten als „Volksverräter“ beschimpft.

Die ZDF-Dokumentation begleitet den Bundespräsidenten in den letzten Monaten seiner Amtszeit. Dabei gestattet Joachim Gauck exklusive Einblicke in seinen ungewöhnlichen Alltag als Präsident und in sein Privatleben: Dienstag, 31. Januar 2017, 20:15 Uhr.

wk

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