„Heilige Nacht. Die Weihnachtsgeschichte und ihre Bilderwelt“ … ‚Liebieghaus‘ lockt mit stimmungsvoller Sonderausstellung!

21 Dez
2016

Anbetungsszene einer neapolitanischen Krippe, 2. Hälfte des 18. Jahrhunderts; Terrakotta, Holz, Textilien; Diözesanmuseum, Freising; Foto: Jens Bruchhaus

Frankfurt am Main – Eine der bekanntesten Erzählungen des christlichen Kulturkreises ist die Weihnachtsgeschichte. Der Beginn dieser biblischen Geschichte ist weithin bekannt: „Es begab sich aber zu der Zeit, dass ein Gebot von dem Kaiser Augustus ausging, dass alle Welt geschätzt würde“, heißt es im Lukasevangelium – 2, 1-14.

Der Lukastext hat sich im Bewusstsein der Christen mit Motiven aus dem Matthäusevangelium zu einer Legende verwoben, welche die Ereignisse rund um die Geburt Jesu Christi, des Sohnes Gottes, schildert. Doch die Weihnachtsgeschichte erzählt nicht nur, wie der göttliche Sohn als Mensch zur Welt kommt, sondern auch von seiner Verehrung durch einfache Hirten und weise Männer, die später als Könige bezeichnet wurden, von dem Bethlehemischen Kindermord und gefährlicher Flucht sowie schließlich von glücklicher Heimkehr.

Die Evangelien liefern allerdings lediglich knappe Passagen und vage Andeutungen ohne erzählerische Details oder stringenten Erzählkontext. Dieser Umstand führte bereits in antiker christlicher Zeit zu detail- und bilderreichen Schriften, die die spärlichen Angaben bei Lukas und Matthäus ergänzten und erweiterten. Vor allem so genannte apokryphe (altgriechisch: verborgen, dunkel), also von der Amtskirche nicht als gültig anerkannte Texte waren weit verbreitet.

All diese Schriften reicherten die biblischen Berichte an, schmückten sie aus und ließen sie so wesentlich lebendiger werden. Denn sie enthielten motivreiche Schilderungen der Ereignisse, genauere Beschreibungen der biblischen Akteure, Anekdoten und wundersame Episoden. Auf diese Weise wurden erzählerische Lücken geschlossen und biblische Geschehnisse und Figuren konkretisiert, was dem Bedürfnis der Gläubigen nach zusätzlichen Erkenntnissen und Erklärungen von Handlungsabläufen entsprach. Diese narrativen Weiterentwicklungen schlugen sich in der gesamten Bildproduktion christlicher Kunst nieder, beispielsweise in Andachtsbildern, Altären, Skulpturen, Reliefs, Handschriftenillustrationen oder Glasfenstern. Die bildlichen Darstellungen regten wiederum die Vorstellungskraft und Emotionen der Menschen an und intensivierten die Andacht der Betenden.

Die Liebieghaus Skulpturensammlung beleuchtet in der großartigen Sonderausstellung „Heilige Nacht. Die Weihnachtsgeschichte und ihre Bilderwelt“  die vielfältigen Ereignisse und facettenreichen Geschichten rund um die „Heilige Nacht“.

„Ziel der groß angelegten Schau ist es, die Weihnachtsgeschichte in ihrer ganzen thematischen Bandbreite erfahrbar zu machen und zu einem neuen Verständnis der Bildwerke beizutragen“, sagt  Kurator Dr. Stefan Roller, Leiter der Abteilung Mittelalter des Liebieghauses. Zu bewundern sind insgesamt rund 100 kostbare Objekte aus über 40 internationalen Sammlungen, wie dem Metropolitan Museum of Art in New York, dem Kunsthistorischen Museum in Wien, dem Louvre in Paris oder den Vatikanischen Museen.

Der zeitliche Schwerpunkt liegt auf der Kunst des Mittelalters. Darüber hinaus führen ausgewählte frühchristliche Zeugnisse und einige barocke Exponate die überraschende Fülle an Bildthemen der Weihnachtsgeschichte eindrucksvoll vor Augen. Die klar strukturierte Präsentation, die noch bis zum 29. Januar 2017 zu bewundern ist, fächert die erzählerische Vielfalt der Weihnachtsgeschichte in zehn Kapiteln auf und bietet eine chronologische Erzählung von der Verkündigung an Maria bis zur Heimkehr der Heiligen Familie aus Ägypten.

Eine besonders unterhaltsame und spannende Veranschaulichung des weihnachtlichen Heilsgeschehens ermöglichen Krippen mit ihren frei arrangierbaren Figuren, die sich in der heutzutage bekannten Form im Laufe des 16. Jahrhunderts ausbildeten. Öffentlich ausgestellt in Ordens- und Pfarrkirchen fanden diese oftmals opulenten und in Landschaften integrierten Ensembles großen Zuspruch. Bald wurden kunstvolle Krippen auch vom Adel als religiöses und repräsentatives Sammelobjekt entdeckt.

Im Zuge der Aufklärung des ausgehenden 18. Jahrhunderts wurden sie in unseren Breitengraden schließlich vorübergehend aus den Kirchen verbannt, hielten aber Einzug in bürgerliche Haushalte. Hier nahm die Erfolgsgeschichte der populären Krippen im 19. und 20. Jahrhundert ihren Anfang. Zwei großformatige, vielfigurige Krippenensembles aus Neapel und Tirol runden die Liebieghaus-Präsentation ab … ein atmosphärisch höchst eindrucksvoller Abschluss der sehr sehenswerten Schau.

Liebieghaus Skulpturensammlung, Schaumainkai 71, 60596 Frankfurt am Main; weitere Informationen – auch zu dem profunden Digitorial – unter: www.heiligenacht.liebieghaus.de

Bernd Heier

Ihre Meinung ist uns wichtig

oben