Einblicke in die unbekannte Welt unter unseren Füßen … Sonderausstellung „Erdreich – Boden erforschen, Schätze entdecken“ im Museum Wiesbaden

8 Dez
2016
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Die „Bodenzaubermaschine“, eine der vielen Mitmachstationen für Kinder – Foto: Museum Wiesbaden/Bernd Fickert

Wiesbaden – Während das Thema Wasser schon recht gut erforscht ist, gibt es in der Bodenforschung noch etliche weiße Flecken. Dabei sind Böden mehr als ‚Dreck unter unseren Füßen‘. „Böden bilden heute und für die nachfolgenden Generationen eine unersetzbare Lebensgrundlage. Ohne gesunde Böden können wir uns nicht ernähren“, betont Hessens Umweltstaatssekretärin Dr. Beatrix Tappeser auf der Pressekonferenz.

Die Erzeugung von Nahrungsmitteln und nachwachsenden Rohstoffen sei ohne funktionsfähige Böden nicht denkbar. Außerdem filtern und speichern Böden Wasser. „Böden entstehen in tausenden von Jahren und stecken voller Leben“, ergänzt die Biologin Susanne Kridlo, die die sehenswerte Ausstellung kuratiert hat. Diese sensiblen Naturkörper könne man nicht einfach so herstellen.

‚Boden ist ein kostbares Gut‘, das die Spuren der Menschheitsgeschichte bewahrt. Böden sind komplexe Ökosysteme, sie vergessen nichts und sind ein riesiger Wissensspeicher. Deshalb fordert Tappeser: „Wir müssen Bodenschutz stärker als Zukunftsaufgabe begreifen“.

Einen hervorragenden Überblick über dieses facettenreiche Thema bietet die Sonderausstellung „Erdreich – Boden erforschen, Schätze entdecken“ im Museum Wiesbaden bis zum 17. April 2017. Die ebenso informative wie kurzweilige Mitmach-Schau für Klein und Groß bietet Einblicke in diese unbekannte Welt unter unseren Füßen und macht die Vielfalt von Böden sowie ihren Reichtum an Lebewesen und Ressourcen erlebbar.

Charles Darwin, der weltberühmte Evolutionsforscher, wandte sich nach seinen Weltreisen als erster der Bedeutung von Regenwürmern für das Erdreich zu. Bis dahin galten diese als Schädlinge. Darwin erkannte jedoch ihren positiven Einfluss auf die fruchtbare Bodenbildung. Was Darwin damals nicht wusste, dass sehr, sehr viel mehr Organismen als Regenwürmer an der Bodenbildung beteiligt sind. Milliarden von Organismen bilden einen fruchtbaren Boden. Sie sorgen beispielsweise für den frischen Geruch des Waldbodens und können sogar Antibiotika produzieren.

Wie faszinierend Böden sein können, zeigen Fotografien, Aquarelle und Zeichnungen der Pioniere der Bodenforschung. Auf ästhetischen „Wurzel-Zeichnungen“ ist das filigrane Wurzelwerk von Pflanzen zu sehen. Nicht nur die Weinrebe hat tiefe Wurzeln, sondern auch der Löwenzahn, bis zu 5 Meter. Zahlreiche hessische Bodenprofile vom Taunus bis zum Odenwald zeigen die große Vielfalt der Böden. Aber auch die Sanierung des Erdreichs von Altlasten ist ein Thema. Die Unterschiede in der Bodenbeschaffenheit und was sich im Untergrund abspielt, das erzählen die Böden an Hörstationen selbst. Der eine säuselt, der andere gibt eher brummelig seine Geheimnisse und Geschichten preis. Was auf ihnen wächst und welche Rolle sie im Naturhaushalt spielen, wird genauso thematisiert wie der Verlust von Böden und ihre Sanierung.

Zu den Highlights der interaktiven Schau gehören ein Diorama eines Feldhamster-Baus, das Einblick in die „Schlafstube“ der Tiere bietet sowie drei Nachbauten von verschiedenen Waldböden. Kinder können die Quadratmeter ablaufen, die man braucht, um beispielsweise einen Hamburger herzustellen. Erwachsene haben die Möglichkeit sich zu informieren, welchen Einfluss Boden beispielsweise auf den Geschmack von Wein hat.

Besonders attraktiv sind die Mitmachstationen, an denen sich Kinder auf Schatzsuche begeben dürfen. Dabei lernen sie die Tricks der Archäologen kennen, um dem Erdreich seine Geheimnisse und Schätze zu entlocken. Mit Schaufel und Pinsel können sie auf einer großen Ausgrabungsinsel Verborgenes freilegen. Und wenn sie die „Bodenzaubermaschine“ ankurbeln, dann rauscht und rumpelt es im ganzen Saal.

Die großartige Präsentation hat das Hessische Ministerium für Umwelt, Klimaschutz, Landwirtschaft und Verbraucherschutz mit 100.000 Euro unterstützt. Die Mitmachausstellung für Kinder entstand im Haus der „Varusschlacht im Osnabrücker Land — Museum und Park Kalkriese“ und wurde um Exponate aus den reichhaltigen naturkundlichen Sammlungen des Landesmuseums ergänzt.

Direktor Dr. Alexander Klar zeigt sich begeistert von dem Engagement des Umweltministeriums: „Wir konnten damit nicht nur die gut gemachten Mitmachstationen übernehmen, das Museum finanziert mit diesem Beitrag auch eine Rundum-Betreuung der Ausstellung“. Es stehen „Erdreich-Experten“ bereit, um Fragen der Besucher zu beantworten und Schulklassen in die beeindruckende Schau einzuführen.

Museum Wiesbaden, Friedrich-Ebert-Allee 2, 65185 Wiesbaden – weitere Informationen unter: www.museum-wiesbaden.de

Bernd Heier

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