„Barock – das ist jede Menge nackte Haut und einer muss sterben“ … Wiesbaden präsentiert „Caravaggios Erben – Barock in Neapel“

12 Nov
2016
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Francesco Solimena „Sophonisbe empfängt das Gift durch die Boten ihres Gatten“, um 1704–1708; Dresden, Staatliche Kunstsammlungen Dresden, Gemäldegalerie Alte Meister; Foto: bpk / Staatliche Kunstsammlungen Dresden / Elke Estel / Hans-Peter Klut.

Wiesbaden – Pralle Lebensfreuden, grausame Todesqualen … Barock – die Kunstepoche zwischen dem 17. und dem frühem 18. Jahrhundert – ist nicht jedermanns Sache. Vielen ist die barocke Malerei zu theatralisch, pathetisch und bombastisch.

Ein Besucher der Museumspädagogik brachte es auf die knappe Formel: „Barock – das ist jede Menge nackter Haut und einer muss sterben“. Beides ist in der neuen Ausstellung „Caravaggios Erben – Barock in Neapel“ bis zum 12. Febuar 2017 im Landesmuseum Wiesbaden reichlich zu sehen. Doch die großartige Schau hat wesentlich mehr zu bieten: In der Kunst des neapolitanischen Barock spiegeln sich die Pracht, Raffinesse und Kultur der Mittelmeermetropole in packender Malerei, zumeist in monumentalen Gemälden.

Im 17. Jahrhundert zählte Neapel zu den bevölkerungsreichsten Städten Europas und war Hauptstadt des Bourbonen-Reiches. Für Johann Wolfgang von Goethe war die Stadt am Fuße des Vesuvs gar die schönste Hauptstadt Europas. Das Repräsentationsbedürfnis der spanischen Vizekönige und des Stadtadels sowie die mannigfaltigen Aufträge der katholischen Kirche und der großen religiösen Orden sicherten vielen Künstlern ein gutes Auskommen und zogen manche an, so auch Michelangelo Merisi, genannt Caravaggio (1571-1610).

Dieser geniale Maler war ein Heißsporn mit leidenschaftlichem, hitzigem Temperament. Immer wieder war er in Händel verstrickt und wurde sogar wegen Todschlags gesucht. Deshalb musste er überstürzt Rom verlassen und floh gen Süden. Im Herbst 1606 kam der Hauptmeister des frühen Barock in Neapel an. Seine Ankunft in der prosperierenden Stadt markiert den eigentlichen Beginn dieser Epoche in der Stadt am Golf. Innerhalb kurzer Zeit avancierte Caravaggio zum bewunderten Vorbild für mehrere Generationen neapolitanischer Künstler.

Seine dramatische, damals völlig neue Hell-Dunkel-Malerei sowie seine realistische, provokante Wirklichkeitserfassung gaben wesentliche Impulse für die Herausbildung einer lokalen Schule von europäischem Rang. „Werke von sensationeller Qualität“, so Dr. Peter Forster, Kustos der Sammlungen 14. bis 19. Jh., sind bis zum 12. Februar 2017 in Wiesbaden zu bewundern. Insgesamt sind mehr als 200 Werke, darunter rund 100 Gemälde und Zeichnungen von über 50 Künstlern in der großartigen Schau versammelt. Zum ersten Male sind in einem deutschen Museum die großen Beispiele dieses goldenen Zeitalters der italienischen Barockmalerei umfassend zusammengetragen.“

Den Kuratoren Dr. Peter Forster und Rebecca Krämer ist es gelungen, renommierte  Leihgaben aus dem Pariser Louvre, den Uffizien in Florenz, dem Kunsthistorischen Museum in Wien und historischen Privatsammlungen, wie der Graf Harrach’schen Familiensammlung von Schloss Rohrau in Österreich in Hessens Landeshauptstadt zu holen. Das Museo di Capodimonte in Neapel steuerte aus seiner ständigen Sammlung sogar 18 Leihgaben höchster Qualität bei. Nur ein echter Caravaggio ist nicht zu sehen, aber die grandiose Schau trägt ja auch den Titel „Caravaggios Erben“.

Die Präsentation steht unter der Schirmherrschaft des Hessischen Ministerpräsidenten Volker Bouffier sowie des Botschafters der Italienischen Republik in Berlin S.E. Pietro Benassi. Maßgeblich unterstützt wird sie vom Kulturfonds Frankfurt RheinMain und der Art Mentor FoundationLucerne.

Museum Wiesbaden, Friedrich-Ebert-Allee 2, 65185 Wiesbaden; Tel: 0611/3352250  –  www.museum-wiesbaden.de

Öffnungszeiten: Mi und Fr bis So 10:00—17:00 Uhr;  Di u. Do 10:00—20:00 Uhr; Eintritt 10,– Euro, ermäßigt 7,– Euro

Bernd Heier

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