ALTANA Kulturstiftung: Faszinierende Ausstellung im „Museum Sinclair-Haus“: DIE ZWEITE HAUT – „Wenn wir es recht überdenken, so stecken wir doch alle nackt in unseren Kleidern“ …

18 Okt
2016
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Nathalia Edenmont, Only Me, 2011• © Nathalia Edenmont, Courtesy Wetterling Gallery Stockholm

… dieser passende Satz zur gerade eröffneten, einzigartigen Ausstellung „DIE ZWEITE HAUT“  – bis 12. Februar 2017 – im „Museum Sinclair-Haus“, Bad Homburg v.d. Höhe, stammt von Heinrich Heine.

Auf vielfältige Weise untersucht und verbildlicht die Ausstellung im ‚Museum Sinclair-Haus‘, was es bedeuten kann, sich eine fremde, „Zweite Haut“ überzustreifen, um sich damit von der Natur abzugrenzen und sich gleichermaßen mit ihr zu verbinden. Obwohl Kleidung eine künstlich geschaffene Hülle des Menschen ist, wird sie doch als gleichsam zugehöriger Bestandteil des Körpers wahrgenommen. Sie ist als ständiger Begleiter des Menschen zu einem Symbol desselben geworden.

Unsere Hüllen – sowohl die Haut als auch die Kleidung – können auch trügerisch sein: An diese „Deckmäntel“ erinnern auch verzauberte Figuren aus alten Märchen von den Gebrüdern Grimm – wie der ‚Froschkönig‘ oder der in einen Bären verwandelte Prinz aus ‚Schneeweißchen und Rosenrot‘. Unsere Oberfläche kann letztlich etwas ganz anderes verbergen als das, was sie suggeriert. Dieses Wechselspiel zwischen Schein und Sein, das mit Haut und Kleidung gespielt wird, greifen auch die Künstlerinnen und Künstler in ihren Werken auf.

„Die Kleider müssen so zum Menschen passen, wie der Mensch zur Landschaft passen muß.“ – Li Liweng (1611–1680)

Die Haut umschließt den menschlichen Körper und dient zunächst als begrenzender Schutz vor der Außenwelt, vor Kälte, Feuchtigkeit und Verletzungen. Neben ihrer Funktion als schützende, umfangende Hülle erlaubt die Haut gleichzeitig die Interaktion zwischen Individuum und Umwelt. Stellvertretend kann Kleidung – als zweite Haut – diese Schwellenfunktionen übernehmen, sie kann schützen und verhüllen oder kann als Schmuck ‚Inneres nach außen transportieren‘ und ein Ausdruck kultureller oder individueller Identität sein.

Diese gleichsam symbiotische Beziehung von Haut, Kleidung und Außenwelt wird auch in der zeitgenössischen Kunst immer stärker thematisiert. Zunehmend werden organische Rohstoffe und kreatürliches Material in den Werkprozess integriert. Es entstehen zeitgenössische „Naturkleider“ aus Blüten, Zweigen, Fischen und Haaren, die in ihrer Vergänglichkeit und Fragilität aber auch Gedanken an die Endlichkeit des Menschen hervorrufen. So wie die Naturmaterialien von Werden und Vergehen geprägt und bestimmt werden, ist auch der Mensch durch seinen Körper diesem Lebensrhythmus unterworfen. Sich in die „Kleider“ der Natur einzuhüllen, erscheint wie ein bewusstes Streben, sich in diesen natürlichen Kreislauf hineinzubegeben.

Während dieser Ausstellung werden sowohl Künstlergespräche angeboten, als auch ‚Kunstabend mit Studierenden‘ / Vorträge, Familientage „Verkleidung Natur“ /  Führungen, Kurse „Kunst & Natur“ – „Blüten -Blätter-Körper“ usw.  –  Näheres unter: www.museum-sinclair-haus.de

MUSEUM SINCLAIR-HAUS, Löwengasse 15, Eingang Dorotheenstraße, 61348 Bad Homburg v. d. Höhe, Telefon +49 (0) 6172 404-120, Öffnungszeiten: Di 14–20 Uhr  –  Mi-Fr 14–19 Uhr  –  Sa, So und Feiertage 10–18 Uhr  –  25., 26.12. und 01.01. von 12–18 Uhr  –  montags sowie am 24. und 31.12. geschlossen. Eintrittspreise: Regulär 5,– Euro (ermäßigt 3,– Euro), Familienkarte 12,– Euro, mit Kulturpass 1,– Euro – mit Museumsufer- oder ICOMcard: Eintritt frei, mittwochs für alle: Eintritt frei.

gw

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